Dominiert, nachgelassen, verloren

Die ZSC Lions hadern nach dem 1:2 gegen Davos nach Verlängerung mit sich.

Alles klar? Serge Aubin prüft sein Taktik-Blatt.

Alles klar? Serge Aubin prüft sein Taktik-Blatt. Bild: Melanie Duchene/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie wollten das Ende noch nicht akzeptieren und nahmen demonstrativ auf der Spielerbank Platz. Der Wunsch war dabei eindeutig Vater des Gedankens, denn bei Andres Ambühls Solo war kein Regelverstoss zu erkennen. Die HCD-Spieler stellten sich derweil an der blauen Linie auf, und nach kurzem Videostudium kamen die Schiedsrichter zur logischen Erkenntnis: Tor. Und damit 2:1-Sieg für Davos nach 52 Sekunden Verlängerung.

So logisch das war, so sehr löste es bei den Zürchern Kopfschütteln aus. Aber aus anderem Grund: Sie hätten die Partie nie aus der Hand geben dürfen. Oder wie es Serge Aubin ausdrückte: «Es hätte gar nicht zur Verlängerung kommen dürfen.»

Sein Team schien die gute Form aus den beiden Finalrevanchen gegen Lugano (7:4 und 3:1) ins Wochenende gerettet zu haben. Der ZSC hatte im Startdrittel ein klares Chancenplus, und auch bei Spielmitte liess das Schussverhältnis von 26:11 kaum Fragen über die Stärkeverhältnisse offen. Allein, es stand 1:0, der frühe Treffer durch Mattia Hinterkircher, der sich im Slot die Ecke aussuchen konnte, blieb das einzige Erfolgserlebnis. «Wir hatten 20 Schüsse, einige davon waren sehr gefährlich. Wenn wir da ­einige Tore mehr erzielt hätten, wäre es ein ganz anderes Spiel geworden», befand Aubin.

Der Kanadier kennt aber auch die alte Weisheit, dass der Konjunktiv keine Tore schiesst. Und so verkomplizierten sich die Lions die Lage unnötig. Sie gaben den Bündnern den Glauben zurück, der nach fünf Nieder­lagen ohne Punktgewinn im ­bisherigen Kalenderjahr und angesichts einer schwierigen Personalsituation abhanden gekommen war. Sieben Spieler fehlten, unter anderen die Wieser-Brüder Dino und Marc, Magnus Nygren, Claude-Curdin Paschoud und Lukas Stoop.

Jugendliche Davoser

Speziell in der Abwehr erinnerte das Team von Harijs Witolinsch an ein Projekt auf Kufen von «Schweizer Jugend forscht»: Drei von sieben Verteidigern haben Jahrgang 2000. Ein HCD-Clubfunktionär sagte vor der Partie: «Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie.»

Kaum jemand glaubte in diesem Moment, dass auch der zweite Teil der Aussage eintreffen würde. Angetrieben vom eleganten Enzo Corvi holten sich die Bündner immer mehr Spielanteile. Spätestens als Verteidiger Sven Jung bei seinem ersten Saisontreffer einen der seltenen Rebounds von Lukas Flüeler verwertete (46.), glaubte Davos endgültig an seine Chance. Ambühl und Perttu Lindgren hatten erstklassige Möglichkeiten, die Partie noch in der regulären Spielzeit zu entscheiden.

Auch so war die Freude über den zweiten Auswärtssieg der Saison in Zürich gross. Nach dem ersten, dem 5:1 im November, hatte Arno Del Curto den Rücktritt gegeben. Der Punkteschnitt ohne die Trainerlegende ist noch schlechter als vorher, die stabilisierte Defensive gibt aber Grund zu Optimismus.

Die Lions verpassten nicht nur den fünften Heimsieg in Serie, sondern auch, sich weiter vom Trennstrich abzusetzen. Mit 13 Punkten aus sechs Spielen bleibt der ZSC aber erfolgreichstes Team 2019, dahinter folgen Bern und Zug (je 5/12). Aubin weiss aber, dass sein Team noch nicht wieder meisterwürdig auftritt: «Wir brauchen jetzt Konstanz über 60 Minuten.» Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich am Wochenende mit dem «Doppelspiel» gegen Langnau.

ZSC Lions - Davos 1:2 (1:0, 0:0, 0:1, 0:1) n.V.
11'200 Zuschauer (ausverkauft). - SR Mollard/Stricker, Castelli/Cattaneo.–Tore: 6. Hinterkircher (Miranda, Schäppi) 1:0. 46. Jung (Kessler, Egli) 1:1. 61. (60:52) Ambühl (Kundratek, Lindgren) 1:2. - Strafen: 2mal 2 Minuten gegen ZSC Lions, 4mal 2 Minuten gegen Davos.
ZSC Lions: Flüeler; Klein, Phil Baltisberger; Noreau, Marti; Sutter, Geering; Karrer, Blindenbacher; Pettersson, Suter, Herzog; Bodenmann, Moore, Hollenstein; Chris Baltisberger, Prassl, Bachofner; Hinterkircher, Schäppi, Miranda.
Davos: Lindbäck; Du Bois, Payr; Kundratek, Barandun; Heldner, Jung; Heinen; Pestoni, Corvi, Ambühl; Meyer, Lindgren, Rödin; Bader, Baumgartner, Frehner; Kessler, Aeschlimann, Egli; Riatsch.
Bemerkungen: ZSC Lions ohne Cervenka, Nilsson, Wick (alle verletzt) und Backman (überzähliger Ausländer), Davos ohne Hischier, Nygren, Paschoud, Sandell, Stoop, Dino Wieser (alle verletzt) und Marc Wieser (gesperrt). - Timeout ZSC Lions (53.).

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.01.2019, 22:19 Uhr

Artikel zum Thema

Nachlässiger ZSC ermöglicht Davos späten Sieg

Die ZSC Lions führten gegen Davos während mehr als 40 Minuten, verloren im ausverkauften Hallenstadion am Ende aber mit 1:2 nach Verlängerung. Mehr...

ZSC stösst Lugano weiter in die Krise

Der HC Lugano rutscht weiter in die Krise. Die Bianconeri verloren auch das zweite Duell gegen die ZSC Lions innerhalb von 72 Stunden, diesmal zu Hause 1:3. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Blogs

Wettermacher Wie wird der Sommer?

Mamablog Wie es wirklich ist, alleinerziehend zu sein

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Glück gehabt: Am Flughafen von Kuala Lumpur wurden 32 kleine Boxen beschlagnahmt, in denen zwei Männer 5225 Rotwangen-Schmuckschildkröten schmuggeln wollten. (26. Juni 2019)
(Bild: Fazry Ismail) Mehr...