Drei Spiele für ein frohes Fest bei den ZSC Lions

Der Eishockey-Meister braucht dringend eine Trendwende – sonst drohen Konsequenzen.

Sieht Serge Aubin heute einen Sieg gegen Ambri? Foto: Keystone

Sieht Serge Aubin heute einen Sieg gegen Ambri? Foto: Keystone

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Serge Aubin ist gut gelaunt an diesem Montagmorgen. Oder zumindest versprüht der ZSC-Trainer gute Stimmung und Energie. Selbst ein Check von Drew ­Shore, der ihn beim Rückwärtsfahren rammt, natürlich unabsichtlich, trübt die Laune des Frankokanadiers nicht. Und als er vom Eis kommt, strahlt er. «Es war eine gute Woche», sagt er. «Wir haben an vielen kleinen Dingen gearbeitet. Der Einsatz der Jungs war hervorragend.»

Am Samstag vor der Nationalteam-Pause, nach einem blamblen 0:2 gegen Servette und einem Pfeifkonzert, hatte Aubin noch ratlos gewirkt. Neun Tage später hat er frische Hoffnung geschöpft. Statt die Peitsche zu schwingen, um sein talentiertes Team anzutreiben, hat er sich ­dafür entschieden, aufbauend zu wirken. Er sagt: «Ich bin schon lange im Eishockeybusiness und habe viele regnerische Tage erlebt. Das gehört dazu. Aber wir wissen, was wir zu tun haben. Und alles beginnt mit einer ­positiven Einstellung.»

Als Aubin im Mai seine neue Arbeitsstätte in Oerlikon besichtigte, sprach er darüber, wie sehr ihn als Spieler Bob Hartley (bei Colorado) geprägt habe. Und er sagte: «Es ist okay, hart zu sein. Denn das bedeutet, dass du die Spieler besser machen willst.» Doch ganz so einfach funktioniert das in Zürich nicht. Der 43-Jährige hat noch nicht herausgefunden, welche Knöpfe er hier drücken muss. Wobei anzumerken ist, dass sich die ZSC Lions ja auch unter Hartley lange schwertaten, ehe sie im Frühjahr 2012 von Rang 7 aus Meister wurden.

Die Ausnahme Crawford

Durch die regelmässigen Meistertitel vergisst man leicht, welche Mühe die Löwen in der Qualifikation trotz guter Kader oft hatten. Die löbliche Ausnahme bildet die Zeit unter Marc Crawford (2012 bis 16) mit den Rängen 4, 1, 1 und 1 in der Regular Season. Das Zürcher Schaffen Crawfords wird nachträglich noch aufgewertet. Ihm fehlte nur ein zweiter Meistertitel – jener von 2015 (Finalniederlage gegen Davos). Crawford etablierte eine Spielkultur, seine Handschrift war klar zu erkennen. Er wollte ein schnelles, kreatives Spiel. Und das passte zum Spieler­material, das er hatte.

Was Aubin genau möchte, ist hingegen auch bei Hälfte der Qualifikation noch nicht ­richtig zu erkennen. Ihm schwebt ein strukturiertes Eishockey vor. Doch an schlechten Abenden machen ­seine Spieler den Eindruck, als wüssten sie nicht, was sie tun müssten. Nur eines ist klar: Sie sind dann am besten, wenn sie ihre Beine bewegen, Tempo machen, ihre Gegner unter Druck setzen. So wie im diesjährigen Playoff, als Angriffswelle über ­Angriffswelle anrollte, sie im ­Hallenstadion in den ersten zehn Minuten eine horrende Kadenz anschlugen. Coach Hans Kossmann sprach von «ZSC-Hockey».

Der Heimnachteil

Unter Aubin müssen sie ihren Stil noch finden, und von Heimvorteil ist schon gar nicht zu sprechen, im Gegenteil: Zu Hause sind sie mit sechs Niederlagen aus elf Spielen nur die Nummer 10 der Liga. Darauf angesprochen, sagt Aubin: «Wir müssen aufhören, darüber zu reden, ob wir zu Hause oder auswärts spielen. Wir müssen einfach unser Spiel spielen.» Doch eben: Was das ist, ist noch nicht ersichtlich. So richtig überzeugende Auftritte gab es bisher nicht einmal eine Handvoll.

Das streitet auch Aubin nicht ab: «Die erste Hälfte der Saison war unter den Erwartungen. Ganz klar. Aber wir können nicht zurückgehen. Wir können nur die Zukunft gestalten. Und die beginnt am Dienstagabend gegen Ambri.» Drei Spiele stehen für die Zürcher noch aus bis Weihnachten. Und obschon der Coach betont, es gelte, eines nach dem anderen zu nehmen, so sagt er auch: «Es ist Zeit, ein paar Siege aneinanderzureihen.»

Die personelle Situation hat sich entspannt, in der Abwehr sind Blindenbacher und Sutter zurückgekehrt, im Sturm wäre Shore wieder einsatzbereit. Nur die Langzeitverletzten Wick, Cervenka und Nilsson fehlen noch.

Noch hält die ZSC-Führung ihre Hand schützend über Aubin. Fiel es Sportchef Sven Leuenberger leichter, den Stab über die Schweden zu brechen, die sein Vorgänger Edgar Salis engagiert hatte, so ist der Frankokanadier sein Mann. Doch langsam müsste schon eine Trendwende auszumachen sein – als Fingerzeig dafür, dass Aubins Weg der richtige ist. Den Spielen in dieser ­Woche gegen Ambri, in Lausanne (am Samstag) und gegen Fribourg (am Sonntag) kommt wegweisende Bedeutung zu.

Wir erinnern uns: Wallson/­Johansson mussten letzte Saison in der Weihnachtspause gehen. Ein frohes Fest ist bei den ZSC Lions noch nicht gesichert.

Erstellt: 17.12.2018, 23:07 Uhr

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