Ein Abend für Flüeler und die Zürcher Underdogs

Die ZSC Lions holen ein selbstbewusstes Lausanne mit einem 5:0 auf den Boden zurück. Goalie Flüeler brilliert bei seinem ersten Shutout mit 38 Paraden.

Ein besonderer Tag für ZSC-Goalie Lukas Flüeler: Er feiert seinen ersten Shutout und nimmt die Gratulationen der  Teamkollegen Pettersson und Hollenstein entgegen. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

Ein besonderer Tag für ZSC-Goalie Lukas Flüeler: Er feiert seinen ersten Shutout und nimmt die Gratulationen der Teamkollegen Pettersson und Hollenstein entgegen. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)

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Die Saison ist noch jung, und niemand weiss, wohin die Reise der ZSC Lions diesmal führen wird. Jedem Spiel kommt daher für Kristallkugel-Besitzer und Journalisten vorderhand eine gesteigerte Bedeutung zu. Wem nach dem 0:3 in Genf Böses schwante, der dürfte die Zürcher Aussichten nach dem 5:0 gegen Lausanne schon wieder günstiger beurteilen. Man wird wohl erst in ein paar Monaten wissen, was von den ZSC Lions Ausgabe 2019/20 zu halten ist. Aber Abende wie dieser helfen, die Geister des letzten Winters zu vertreiben.

So erstaunlich, wie die Trendwende vom Dienstag auf den Freitag erschien, war sie indes nicht. Die Zürcher haben es gerne, wenn ihre Gegner mitspielen und ihnen Räume gewähren. Das war gegen die disziplinierten Genfer nicht der Fall gewesen. Lausanne hingegen, beschwingt durch zwei Auswärtssiege in Lugano und Zug mit elf erzielten Treffern, stürmte von Beginn weg unbekümmert nach vorne.


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Dass sich die Zürcher schadlos halten konnten, hatten sie vor allem dem exzellenten Flüeler zu verdanken, der mit 38 Paraden den ersten Shutout feierte. «Wenn das 1:1 kommt, dann gibt es einen heissen Match», sagte Pedretti und verdrehte die Augen.

Pedretti, der Checker plus

Der Jurassier hatte in der 10. Minute das 1:0 erzielt. Nach einem erstaunlichen Dribbling durch die Lausanner Abwehr. Pedretti ist einer von sechs Zuzügen auf diese Saison und hat die hohe Meinung, die Sportchef Leuenberger von ihm hat, bisher bestätigt. Er ist gross und kräftig, aber nicht nur ein Checker, sondern offenbart auch eine erstaunliche Übersicht und Abschlussstärke.

Später stand Pedretti auch am Ursprung des 3:0 von Schäppi, das ein Eigentor Antoniettis war. Apropos Antonietti: Der Flügel ist der einzige Romand bei Lausanne, die ZSC Lions haben mit Sutter, Pedretti und Simic inzwischen deren drei.

Für Pedretti spricht auch, wie er hier seinen Job erledigt, nachdem er in der Vorbereitung oft neben Roe und Pettersson gespielt hatte und dann in die vierte Linie abgerutscht war. Typen wie er seien wichtig in dieser Mannschaft, die eher spielerisch orientiert ist, sagte Coach Rikard Grönborg. Auch Chris Baltisberger sei so einer, fügte Grönborg an. «Und Simic ist auf gutem Weg dorthin.» Dem eifrigen Flügel fehlen aber wohl ein paar Kilos, um eine ähnliche Wirkung zu erzielen wie seine Kollegen.

Shutout für Flüeler

Mit der Rolle des Underdogs gegen selbstbewusste Lausanner kamen die ZSC Lions jedenfalls bestens zurecht. Chris Baltisbergers 2:0 kurz vor Spielmitte nach schöner Vorarbeit Petterssons im Powerplay tat ihnen sichtlich gut. In der Folge erhöhten Schäppi (32.) und zweimal Bodenmann (33./40.) bis zur zweiten Pause auf 5:0. Die einzige Frage, die es dann noch zu beantworten galt, war jene nach einem Shutout Flüelers. Und weil die Emotionen im Finish nochmals überkochten und die Lausanner Powerplay spielen durften, musste er bis zuletzt hellwach sein.

Es ist keine neue Erkenntnis, aber für Grönborg eine beruhigende: Wenn Flüeler gesund ist, ist er ein Topgoalie in dieser Liga. Schon bei den Niederlagen in Zug und Genf war ihm nichts vorzuwerfen gewesen. Flüeler blickte unmittelbar nach dem Spiel schon wieder voraus, auf die heutige Partie in Rapperswil. «Wenn wir etwas gelernt haben in den letzten Jahren, dann, dass wir in jedem Spiel Vollgas geben, hart arbeiten müssen», sagte er. «Das mag wie eine Floskel klingen, ist aber einfach so.»

Die Rolle des Underdogs können die Zürcher am Obersee indes nicht beanspruchen. Die gehört dem Gegner.

Telegramm:

ZSC Lions - Lausanne 5:0 (1:0, 4:0, 0:0)

8015 Zuschauer. – SR Salonen/Müller, Bürgy/Wolf. – Tore: 10. Pedretti (Schäppi) 1:0. 29. Chris Baltisberger (Pettersson, Roe/Ausschluss Grossmann 2:0. 32. Schäppi 3:0. 33. Bodenmann (Diem) 4:0. 40. (39:54) Bodenmann (Ausschluss Genazzi) 5:0. – Strafen: 6-mal 2 plus 2-mal 10 Minuten (Bodenmann, Marti) gegen ZSC Lions, 5-mal 2 Minuten gegen Lausanne. – PostFinance-Topskorer: Suter; Emmerton.

ZSC Lions: Flüeler; Noreau, Marti; Phil Baltisberger, Geering; Trutmann, Berni; Suter, Roe, Wick; Pettersson, Prassl, Chris Baltisberger; Bodenmann, Diem, Hollenstein; Pedretti, Schäppi, Simic; Sigrist.

Lausanne: Boltshauser; Lindbohm, Frick; Junland, Grossmann; Genazzi, Heldner; Nodari; Bärtschi, Jooris, Kenins; Vermin, Jeffrey, Leone; Moy, Emmerton, Almond; Benjamin Antonietti, Froidevaux, Herren; Traber.

Bemerkungen: ZSC Lions ohne Blindenbacher und Krüger (verletzt), Lausanne ohne Oejdemark (überzähliger Ausländer). – Pfosten: 54. Herren.

Erstellt: 21.09.2019, 09:20 Uhr

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