Ein erleichterter und ein erzürnter Trainer

Zug dreht in den letzten Minuten die Partie gegen einen starken ZSC und gewinnt 5:4 nach Verlängerung.

Bringt seinen Unmut zum Ausdruck: ZSC-Coach Rikard Grönborg hat nach der späten Wende in Zug getobt. (Bild: Patrick Staub/Freshfocus)

Bringt seinen Unmut zum Ausdruck: ZSC-Coach Rikard Grönborg hat nach der späten Wende in Zug getobt. (Bild: Patrick Staub/Freshfocus)

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Und plötzlich kam doch noch Stimmung auf. Zug-Trainer Dan Tangnes nahm dreieinhalb Minuten vor Schluss sein Timeout und Genoni aus dem Tor. 2:4 stand es, und wohl nicht einmal der optimistischste Zuger Fan hätte noch an eine Wende geglaubt. Zu fehlerhaft das Spiel der Zuger, zu abgeklärt die Leistung des Gastes.

Doch dann schlug die Stunde von Kovar. Der tschechische Center, der zwischen 2013 und 2018 bei Magnitogorsk in der KHL überzeugt hatte, traf innert 46 Sekunden zweimal. Beim 4:4 profitierte er von einer Strafe gegen Wick, der vorher so starke Flügel hatte mit seinem Stock Schlumpf im Gesicht getroffen und dafür vier Minuten kassiert. 16 Sekunden nach Beginn der Verlängerung vollendete mit Lindberg ein weiterer Neuzugang das wundersame Comeback.

Ausnahmsweise ging alles auf

Zwei Punkte, Tangnes wusste, dass Zug damit bestens bedient war. Und er verneinte, dass er besonders clever gewesen sei, als er Genoni herausnahm: «Ich habe schon oft einen sechsten Feldspieler gebracht, und es gab ein Gegentor.» Er sagte es in der EVZ-Kabine, sie war gestern erstmals für Journalisten offen. Eine der vielen Neuerungen in Zug.

Tangnes hatte in den letzten Tagen immer wieder betont, dass die Mannschaft trotz sechs namhafter Zuzüge nicht einfach im Lehnstuhl zum Meistertitel kommen werde. Und er sah sich bestätigt, nachdem vorher alles etwas gar einfach gegangen war. 12 Spiele hatte Zug bisher bestritten, verteilt auf Tests, Champions League, Cup und den Meisterschaftsstart in der Valascia. 11 Mal siegte der EVZ. Einzig auf europäischem Parkett gab es zu Hause gegen den finnischen Meister Hämeenlinna eine Niederlage im Penaltyschiessen.

Von dieser Stilsicherheit war gegen den ZSC wenig zu sehen. Die Zürcher ­ihrerseits traten so auf wie oft zuletzt ­gegen Zug: Seit der Playoff-Serie 2018, die im Viertelfinal den Weg zum Meistertitel lanciert hatte, hatten die Lions 8 von 9 Duellen gewonnen.

Grönborg stürmte wutentbrannt und fluchend aus der Kabine

Und gestern schienen sie gewillt, die ­Serie fortzusetzen und das 6:3 gegen Davos zu bestätigen. Der lange überragende Roman Wick erzielte den Führungstreffer mit einem ansatzlosen Handgelenkschuss, Prassl und der Ex-Zuger Roe machten im Mitteldrittel aus dem 1:1 ein 3:1, und Pedretti sorgte nach 44 Minuten für das 4:2. Es sah alles so gut aus.

Doch nach der späten Wende stürmte ZSC-Trainer Rikard Grönborg wutentbrannt, fluchend, aber kommentarlos aus der Garderobe. Wick sagte, er habe eine solche Wende noch nie erlebt: «Das war äusserst unglücklich, wir hätten das Spiel aber schon vorher entscheiden müssen. Wir waren klar besser.» Bei der unglücklichen Aktion gegen Schlumpf konnte man dem eleganten Flügel keine Absicht unterstellen, der Zuger hatte den Kopf auch ziemlich weit unten. «Ich wollte den Puck spielen und habe ihn getroffen», analysierte Wick, «ich muss mir die Szene noch einmal anschauen.»

Mit etwas Distanz werden die Zürcher viel Positives mitnehmen. Sie waren während zwei Dritteln das bessere Team, schalteten phasenweise sehr gut von Abwehr auf Angriff um und waren sehr aufsässig, der Grönborgschen Philosophie gehorchend vor allem auch im Boxplay.

Der EVZ-Coach lacht wieder

Tangnes hatte in der zweiten Pause klare Worte an seine Spieler gerichtet. Die Wirkung blieb nicht aus: «Nachher hatten wir einen ganz anderen Fokus.» Nun lachte er wieder. Ganz unverständlich fand er die Anfangsschwierigkeiten nicht: «Es ist menschlich. Wir hatten eine gute Vorbereitung, gute Resultate, dazu das ganze Gerede um unsere Stärken.»

Er konnte doch noch beruhigt ins Wochenende, der Spielverlauf hat seine Aufgabe wohl mittelfristig sogar erleichtert. Er glaubt nicht, dass er seine Spieler zu häufig an diesen Abend erinnern muss: «Sie sind reif genug, sie werden selber die Lehren daraus ziehen. Es ist einer der Abende, an denen etwas zusammenwachsen kann.»


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Erstellt: 14.09.2019, 23:39 Uhr

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