Ein Fall für den Sportpsychologen

Die Saison des EHC Kloten ist vorbei. Was dem Team bleibt, ist die Erinnerung an Fehlstarts und Niederlagen – und Hoffen.

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Wie glücklich man über die Saison 2016/17 in Kloten ist, sagt viel darüber, wie weit zurück das eigene Gedächtnis reicht. Reicht es 21 Jahre zurück, freut man sich vielleicht, dass der Club wieder EHC heisst, die Meisterhelden von einst wieder besser eingebunden sind und das Image des Dorfclubs nicht nur verkauft, sondern vermehrt gelebt wird. Dass der Erlös aus der Gastronomie endlich direkt in den Club fliesst.

Reicht das Gedächtnis sechs bis acht Jahre zurück, trauert man vielleicht den grossen, auf Pump gekauften Mannschaften nach, die einem die Identifikation sportlich und menschlich so leicht machten – und den Club doch um ein Haar ruiniert hätten. Reicht das Gedächtnis ein bis fünf Jahre zurück, kann kein normaler Mensch die Situation heute für vergleichsweise schlecht halten. Sportlich gab es wenig zu feiern in dieser Zeit – und wenn der Preis für eine einzige Finalteilnahme ein Betriebsverlust von fast 30 Millionen Franken ist, dann müsste man jeden Tag neu bejubeln, dass der EHC statt pleite noch immer in der NLA ist. Dass er sein Defizit von 7,6 auf gut 1,5 Millionen senken konnte.

Ohnmächtige Leader

Dumm nur: Das Gedächtnis reicht auch bis November 2016. Bis zur Länderspielpause, als Kloten auf Rang 5 lag, die zweitbeste Offensive von allen hatte. Und fast übermächtig ist die Erinnerung an die Monate, die folgten. An diesen epischen Kollaps, den weder Trainer Tirkkonen noch die Leader auf dem Eis zu verhindern vermochten. An Santalas Abgang, Cuntis fruchtlosen Zuzug, an Niederlage um Niederlage, bis der EHC das schlechteste Heimteam der Liga war und mit seinen ewigen Fehlstarts ein Fall für den Sportpsychologen.

Es ist diese jüngste Erinnerung, die am stärksten ist und im Sport mehr zählt als alle Erfolge der Vergangenheit. Der Cupsieg lässt sich als Lohn ansehen für den Einsatz, den Spieler, Club und Fans in schwierigen Jahren erbrachten. Doch er ändert nichts daran, dass 2016/17 enttäuschend verlief. Und das, obwohl fast alle Zuzüge zu den Besten gehörten. Shore, Sanguinetti, Grassi, Schlagenhauf, Ramholt: Sie alle bewährten sich. Was passiert erst, wenn Sportchef Pascal Müller bei seinen sommerlichen Transfers einmal danebengreift?

In Kloten müssen sie hoffen, dass man es nicht bald herausfindet. Dass sich auch nächsten Sommer gute Ausländer finden, die für 150 000 Franken ihre Karriere neu lancieren wollen. Dass die wieder erstarkenden Junioren bald regelmässig NLA-taugliche Spieler produzieren. Dass bis dahin die wenigen Leistungsträger wie Praplan oder Hollenstein erhalten bleiben und auch der Trainer aus einem verkorksten 2016/17 die Lehren gezogen hat. Wenn das alles passiert, erinnert man sich vielleicht daran, dass die vergangene Saison für Kloten doch nicht in jeder Beziehung schlecht war. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.03.2017, 22:46 Uhr

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