Ein Königstransfer für Zugs Titeljagd

Der EVZ rüstet weiter auf und verpflichtet Stürmer Grégory Hofmann ab kommender Saison. Den HC Lugano schmerzt der Abgang seines Topskorers sehr.

Letzte Saison war Grégory Hofmann (26) der beste Schweizer Skorer der Liga – und auch jetzt ist er wieder in den Top 10.

Letzte Saison war Grégory Hofmann (26) der beste Schweizer Skorer der Liga – und auch jetzt ist er wieder in den Top 10. Bild: Gabriele Putzu/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine Überraschung war es dann doch, als das Communiqué so plötzlich kam. Dass der EV Zug Grégory Hofmann holen würde, darüber war schon länger gemunkelt worden – doch die Verhandlungen zogen sich hin. ­Luganos Topskorer hat bei den Zentralschweizern für vier Jahre und ohne Ausstiegsklausel für die NHL unterschrieben. «Wir haben diese schon einmal diskutiert, aber jetzt ist sie nicht nötig», sagt Reto Kläy. Dem Sportchef ist die Erleichterung anzuhören: «Ich bin froh, dass es ein gutes Ende genommen hat. Es war eine lange Sache.»

Praktisch zeitgleich mit Zug verschickte Lugano eine Mitteilung mit der Information, Hofmann verlasse das Südtessin. Seine Destination wurde nicht erwähnt. Dass man sich mit dem Abgang des 26-jährigen Flügels schwertut, beweisen mehrere Passagen. Zuerst hiess es, man kommentiere solche Abgänge normalerweise nicht, müsse dies aber wegen des «grossen Medieninteresses» tun und tat dies dann in aller Ausführlichkeit. Man habe Hofmann einen «extrem kompetitiven» Vorschlag gemacht. Dessen Attraktivität habe sowohl auf den «sportlichen Ambitionen des Clubs, als auch auf absoluten ­finanziellen Modalitäten und der Vertragsdauer» beruht. Frei übersetzt: Grégory Hofmann hätte in Lugano über eine sehr lange Zeit sehr viel Geld verdienen können.

Erinnerungen an die TV-Szene mit Del Curto

Wie viel, lässt sich nur schätzen: Immer wieder machten Gerüchte die Runde, sein künftiges Salär werde bei rund 700 000 Franken pro Jahr liegen, der Steuervorteil in der Zentralschweiz ist da aber nicht berücksichtigt.

Nie in der jüngeren Vergangenheit hat Lugano einen Spieler an einen Ligakonkurrenten verloren, den es unbedingt halten wollte und für den es bereit war, tief in die Kasse zu greifen. Dass die Luganesi im nächsten Jahr auf zwei bisherige Zuger Stürmer zählen können, Reto Suri und Dominic Lammer, ist da ein schwacher Trost.

Hofmann wird sich damit im Sommer seinem vierten Club in der National League anschliessen. Die ersten drei Jahre hatte der ehemalige Junior von La Chaux-de-Fonds in Ambri verbracht, danach schliff ihn Arno Del Curto drei Jahre in Davos, ehe er nun vier Spielzeiten für die «bianconeri» bestritt. Auch seine letzte Wechselankündigung hatte für Gesprächsstoff gesorgt, Del Curto hatte ihm damals vor laufenden TV-Kameras geraten, doch zuzugeben, dass er unterschrieben habe.

Genoni und ein ZSC-Jungstar sind auch dabei

War Hofmann 2015 ein noch nicht fertiger Spieler, ist er nun ein Schlüsselspieler. Schnell, ein guter Schuss und direkter Zug aufs Tor – er vereinigt viele Qualitäten, die hierzulande selten sind. Im Vorjahr war er mit 60 Punkten in 63 Spielen bester Schweizer Skorer der Liga, auch jetzt figuriert er mit 22 Punkten aus 22 Partien wieder in den Top 10.

Der EVZ hat damit ein zweites Ausrufezeichen gesetzt. Schon im August hatten alle aufgehorcht, als das Werben zwischen Bern, Zürich und Zug um Leonardo Genoni mit der Unterschrift des Startorhüters unter ein Zuger Fünfjahrespapier ein frühes Ende fand. Hofmann, Genoni, dazu ZSC-Jungstar Jérôme Bachofner: Zug hat drei Leistungsträger verpflichtet und drei Konkurrenten um den Meistertitel geschwächt. Und nichts anderes als dieser kann beim EVZ ab 2020 das Ziel sein. Sportchef Kläy mag dies nicht in Abrede stellen: «Wir können uns nicht immer verstecken, es ist ganz klar, dass wir irgendwann den zweiten Titel wollen.»

Ruhiger geworden ist es um den Davoser Enzo Corvi, Kläy gibt sich bezüglich einer Verpflichtung des Bündners eher skeptisch: «Im Moment glaube ich eher weniger, dass er nach Zug kommt.» Ausschliessen will er den Zuzug aber nicht kategorisch: «Sag niemals nie.» Es wäre ja nicht das erste Mall, dass der EVZ in diesem Winter schweizweite Schlagzeilen generiert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.12.2018, 21:33 Uhr

Artikel zum Thema

Davos chancenlos, die Lions verlieren in Biel

In der National League überholen Bern und Biel dank Heimsiegen den bisherigen Leader Zug. Die Rapperswil-Jona Lakers feiern den ersten Auswärtssieg der Saison. Mehr...

Bern schlägt den ZSC dank starkem Powerplay

Der SC Bern entschied auch das dritte Duell in dieser Saison gegen den Schweizer Meister ZSC Lions. Zug gewinnt den Spitzenkampf gegen die Tigers und bleibt Leader. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Blogs

Nachspielzeit Die Zitrone Champions League ist ausgepresst

Politblog So reden Verlierer

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...