Ein Stau und ein Scharfschütze stoppen den ZSC

Die Lions verlieren in Lugano 1:3 und so erstmals nach vier Siegen. Zuerst werden sie auf der Carfahrt aufgehalten, dann auf dem Eis. Fazzini brilliert mit zwei Toren.

Sie hüpften um ihn und schossen auf ihn: Joni Ortio wehrte sich oft erfolgreich gegen die Luganesi, kassierte aber 2 Tore. Foto: Freshfocus

Sie hüpften um ihn und schossen auf ihn: Joni Ortio wehrte sich oft erfolgreich gegen die Luganesi, kassierte aber 2 Tore. Foto: Freshfocus

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Im Finish gemahnte die Intensität in der Cornèr Arena sogar an frühere Playoff-Duelle der beiden alten Rivalen. Die ZSC Lions stürmten wütend an, die Luganesi wehrten sich mit allem, was sie hatten. Und Zurkirchen gemahnte in dieser hektischen Phase plötzlich an seinen Vorgänger Merzlikins, stoppte einen Schuss nach dem anderen.

Zweieinhalb Minuten vor Schluss ersetzte Rikard Grönborg den bei seiner Premiere fehlerfreien Goalie Joni Ortio durch einen sechsten Feldspieler, 69 Sekunden vor der Sirene traf Zangger noch zum 3:1 ins verlassene ZSC-Tor. Die Zürcher Erfolgsserie wurde bei vier Spielen gestoppt, derweil jene von Lugano weitergeht: Es war für die Bianconeri der dritte Sieg in Folge.

2018 hatten sich die ZSC Lions und Lugano noch im Final duelliert, jetzt versuchen sich beide nach einer verpatzten Saison an einem Neustart. Und die Umwälzungen waren in Lugano mit den Abgängen der Schlüsselspieler Merzlikins und Hofmann sowie dem Trainerwechsel von Greg Ireland zu Sami Kapanen sogar noch etwas grösser als in Zürich.

Die grossen Namen, um das Offensivspektakel früherer Tage aufzuführen, fehlen den Bianconeri. Und Zurkirchen, die neue Nummer 1 im Tor, ist nicht über alle Zweifel erhaben. Kapanen legt daher grossen Wert auf ein kompaktes Auftreten und eine gute Arbeitshaltung.

Der NHL-Crack schaut zu

Ein Spieler, der dabei durchs Raster gefallen ist, ist der Kanadier Spooner. Dabei waren grosse Erwartungen gesetzt worden in den 27-jährigen Spielmacher, war er mit einem eindrücklichen Palmarès angereist: 167 Punkte in 329 NHL-Spielen. Doch in Lugano durfte er nur die ersten zwei Partien mittun, seitdem ist er überzählig. Nicht gut genug, lautete das Fazit Kapanens, und ihm fehlte bei Spooner auch der unbedingte Wille, sich aufzudrängen. Die Resultate gaben dem Finnen recht: Nach zwei Niederlagen zum Auftakt punktete Lugano sechsmal in Serie. Auch den ZSC Lions machten es die Tessiner äusserst schwer, ihr Offensivspiel aufzuziehen. Sie schirmten Zurkirchen exzellent ab, machten die Räume eng.

Die Partie hatte erst mit einer halben Stunde Verspätung begonnen, weil die ZSC Lions im Stau aufgehalten worden waren. Ein Unfall im San-Salvatore-Tunnel hatte einen Rückstau bis nach Rivera verursacht. Dabei waren die Zürcher, um wegen des Ferienverkehrs auf Nummer sicher zu gehen, extra noch über den San Bernardino angereist. Um 14.15 Uhr in Oerlikon abgefahren, trafen sie erst um 19 Uhr in Lugano ein.

Stau war dann auch das Thema der Partie, es gab nur selten freie Fahrt für die Spieler. Es war denn auch bezeichnend, dass die ersten zwei Tore im Powerplay fielen: Zuerst traf Suter in der 16. Minute per «Buebetrickli», mit dem er Zurkirchen überraschte. Wenig später glich Fazzini (19.) im ersten Lugano-Überzahlspiel mit einem platzierten Handgelenkschuss zum 1:1 aus.

Der 24-jährige Flügel, in der Saison 2017/18 Luganos Topskorer, letzten Winter dann aber von Ireland alles andere als forciert, bekommt von Kapanen wieder mehr Vertrauen. Und er zahlt es zurück. Auch das 2:1 in der 46. Minute erzielte er – mit einem Handgelenkschuss, der härter war als der Slapshot der meisten seiner Berufskollegen. Sein fünfter Saisontreffer war der Unterschied in dieser Partie. Und er könnte für Fazzini doppelt wertvoll sein: Er verhandelt derzeit über einen neuen Vertrag.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:


Lugano - ZSC Lions 3:1 (1:1, 0:0 2:0)
5734 Zuschauer. – SR Hebeisen/Mollard, Altmann/Bürgi. – Tore: 16. Sutter (Pettersson/ Ausschluss Romanenghi) 0:1. 19. Fazzini (Klasen/Ausschluss Noreau) 1:1. 46. Fazzini 2:1. 59. Zangger 3:1. – Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Lugano, 1-mal 2 Minuten gegen ZSC Lions. – PostFinance-Topskorer: Sannitz; Roe.
Lugano: Zurkirchen; Ohtamaa, Chorney; Löffel, Vauclair; Chiesa, Jecker; Riva; Klasen, Lajunen, Zangger; Fazzini, Romanenghi, Suri; Bürgler, Sannitz, Bertaggia; Jörg, Haussener, Lammer.
ZSC Lions: Ortio; Noreau, Marti; Phil Baltisberger, Geering; Trutmann, Berni; Sutter; Pettersson, Prassl, Chris Baltisberger; Bodenmann, Diem, Hollenstein; Simic, Schäppi, Pedretti.
Bemerkungen: Lugano ohne Morini (verletzt) und Spooner (überzähliger Ausländer), ZSC Lions ohne Blindenbacher (verletzt) sowie Krüger (überzähliger Ausländer). – 800. NL-Spiel von Sannitz. – NLA-Debüt von Joni Ortio. – Timeouts: 58. ZSC Lions, 59. Lugano. – ZSC Lions von 57:48 bis 58:51 ohne Torhüter.

Rangliste: 1. ZSC Lions 10/20 (38:27). 2. Biel 10/18 (22:21). 3. Genève-Servette 10/17 (25:23). 4. Zug 8/14 (33:27). 5. Lugano 8/13 (20:20). 6. Lausanne 8/12 (25:29). 7. Rapperswil-Jona Lakers 8/12 (18:17). 8. Bern 9/12 (26:28). 9. SCL Tigers 9/12 (20:25). 10. Ambri-Piotta 9/10 (19:22). 11. Davos 5/8 (15:11). 12. Fribourg-Gottéron 6/2 (8:19).

Erstellt: 04.10.2019, 23:16 Uhr

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