Eine Attraktion im Training des Meisters

NHL-Star Patrik Laine (21) hat ein Faible für die PlayStation, eine bewundernswerte Schusstechnik – und trainiert seit gestern mit dem SC Bern.

st sich das hellste Rampenlicht der NHL gewohnt – doch derzeit hält sich Patrik Laine weit weg davon in Bern fit.

st sich das hellste Rampenlicht der NHL gewohnt – doch derzeit hält sich Patrik Laine weit weg davon in Bern fit. Bild: Getty Images/Christian Petersen

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Tiefe Decke, graue Wände, kaltes Ambiente: Wer an NHL-Glamour denkt, der hat eher weniger die Trainingshalle des SC Bern vor dem inneren Auge. Am Montag aber steht dort einer auf dem Eis, der in den letzten drei Saisons in der National Hockey League die fabelhafte Marke von 118 Toren erreicht hat. Während des Trainings versammeln sich für einmal die Berner Elitejunioren am Rand. Sie suchen und finden ihn rasch, weil er nicht zu übersehen ist. Patrik Laine fällt auf. 194 Zentimeter gross, markantes Gesicht – und vor allem: Er hat einen Schuss, der seinesgleichen sucht.

Assistenztrainer Jukka Varmanen verlässt das Eis. Das Gesicht verrät tiefe Spuren von Begeisterung. «He’s different», sagt er. «Er ist anders.» Dann erzählt Varmanen von der U-18-Weltmeisterschaft 2015 in Zug, vom Spiel zwischen Finnland und Tschechien, als Laine und Jesse Puljujärvi einen Konter starteten: «Zwei gegen zwei, Laine zieht nach aussen, schiesst aus dem Handgelenk unter die Latte. Sein Schuss hat eine derartige Geschwindigkeit, dass die Trinkflasche auf dem Tor in hohem Bogen nach hinten an die Bande fliegt. Dieses Bild vergesse ich nicht mehr.» Und noch einmal: «He’s different.» Punkto Qualität. Punkto Talent. Punkto Charakter.

Cool und feurig

Mit 16 Jahren drohte Laine einem finnischen Nachwuchstrainer, nachdem ihn dieser an einem Turnier in der Schlussminute auf der Bank gelassen hatte. Die Verantwortlichen schickten den Jungspund zurück nach Tampere mit der Bitte, nicht wiederzukommen. Der Stürmer reagierte, arbeitete mit einem Mentaltrainer an der Psyche. Und er arbeitete an seinem Schuss – selbst als er am Knie verletzt war, samt Krücken, stundenlang auf einem Bein. Eine Saison später gewann Tampere den Titel, Laine wurde zum Spieler des Jahres gewählt und im NHL-Draft hinter Auston Matthews an zweiter Stelle gezogen.

In Winnipeg machte er sich einen Namen als cooler Torschütze und feuriger Gamer. Letzteres tut er im Duell mit Teamkollegen auch gern auf zwei Bildschirmen. Bekannt ist die Episode vom Gastspiel Winnipegs in New York, als in Laines Hotelzimmer nur ein Fernseher zur Verfügung stand, er kurzerhand in einem Geschäft ein zweites Gerät kaufte und dieses bei der Abreise im Zimmer liess. Im Onlinemagazin «Players Tribune» liess sich Laine zitieren, sein Tagesablauf bestehe aus «Aufstehen, Frühstück, Training, Playstation».

Vertreibt sich der 21-Jährige die Zeit auch künftig in Winnipeg? Die Parteien haben sich noch nicht auf eine Vertragsverlängerung geeinigt, weshalb er nicht mit dem NHL-Team trainieren darf. Laine erzählt: «Mein Agent sagte zu mir: ‹Wird es dir in Finnland langweilig, dann gibt es viele finnische Trainer im Ausland, die ich anfragen kann.› Er sprach mit Kari Jalonen, und nun bin ich da.»

Sightseeing auf Finnisch

Der Starstürmer trifft in Bern auf etliche Bekannte: Jalonen coachte ihn an der A-WM. Assistent Varmanen kennt den Flügel von Finnlands Nachwuchsauswahlen. Goaliecoach Petri Tuononen war mit Laine bei Tampere. «Es hat genügend Finnen hier, die mir die Stadt zeigen können», sagt Laine und schmunzelt.

Über die Zukunft mache er sich nicht gross Gedanken. «Meine Verantwortung ist, in Bern in Form zu kommen, damit ich bereit bin, sobald es etwas Neues gibt.» Möchte er in Winnipeg bleiben? «Winnipeg ist ein guter Ort, ich kann nichts Schlechtes sagen. Aber: Vieles kann passieren. Ich mache mir keine Sorgen.» Eine Option schliesst er aus: «Für den SCB werde ich nicht spielen.»

Laine plant, vorerst zwei Wochen lang in Bern zu trainieren. Er residiert in einem Hotel. Über die Ausstattung des Zimmers ist nichts bekannt.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

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Erstellt: 17.09.2019, 11:22 Uhr

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