Eine Niederlage, die guttun kann

Im siebten Spiel im Hallenstadion verlassen die ZSC Lions das Eis erstmals als Verlierer. Das 3:4 gegen den EV Zug dürfte auf dem Weg zur Heimmacht aber wertvoll sein.

Eine der nicht verwerteten Chancen der Lions: Chris Baltisberger gegen Zugs Goalie Leonardo Genoni.

Eine der nicht verwerteten Chancen der Lions: Chris Baltisberger gegen Zugs Goalie Leonardo Genoni. Bild: Ennio Leanza/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wer noch einen Beweis dafür sucht, dass Teamsportarten keine exakten Wissenschaften sind, der könnte die beiden ersten Saisonduelle zwischen den ZSC Lions und dem EV Zug heranziehen. Zweimal waren die Zürcher besser, zweimal hätte sich kein Zuger beklagen können, wenn es Niederlagen nach 60 Minuten abgesetzt hätte. Die Schlussresultate: 5:4 nach Verlängerung und 4:3. Beide Male für Zug. 5:1 Punkte statt 0:6.

War noch in der ersten Partie die Wende abrupt erfolgt, mit drei Zuger Toren ab der 58. Minute, erfolgte sie diesmal aus Sicht des ZSC schleichend. «Diese drei Punkte hätten wir holen müssen», sagte Stürmer Chris Baltisberger, «im zweiten Drittel hatten wir die Überhand. Vielleicht spielten wir dann etwas zu kompliziert oder zu überheblich.» 1:0 führte der Gastgeber da, seit dem Tor Noreaus (13.), gemessen an den Spielanteilen war es ein zu bescheidener Ertrag. Vor allem kurz vor Spielmitte vergaben die Lions Chancen im Multipack: Hollenstein zweimal, Pettersson, auch Baltisberger vermochte nach einem Fehler McIntyres den Zuger Goalie Genoni nicht zu bezwingen.

Das Zuger Power-Duo

Was folgte, war symptomatisch für den Saisonstart der Zentralschweizer: Längst spielen sie noch nicht auf dem Niveau, das ihnen nach zwei Finals in den letzten drei Saisons und der jüngsten Transferoffensive zugetraut wird. Die Fehlerquote ist noch zu hoch, und auch zwischen den Pfosten steht noch nicht der Übermann, den alle erwarten. Immer öfter finden sie aber einen Weg, die Schwächen zu kaschieren. Dieses Mal in Form überfallartig vorgetragener Konter, dreimal nach demselben Schema: Assist Klingberg, Vollendung durch Hofmann.

«Zug ist ein gutes Team und hat kaltschnäuzig ausgenützt, dass wir unsere Chancen nicht verwertet haben», anerkannte Baltisberger. Er sagte aber auch: «Wir müssen uns auch daran erinnern, woher wir kommen. Wir wussten, dass wir eine gewisse Zeit brauchen, um unser Spiel zu entwickeln, und dieser Prozess ist noch nicht fertig.»

«Später in der Saison werden wir vielleicht sogar sagen, dass die Art und Weise dieser Niederlage gut war.»Chris Baltisberger

Die 9240 Fans verliessen das Hallenstadion dennoch nicht allzu enttäuscht. Abgesehen vom Resultat, hatten sie einen weiteren Beweis dafür erhalten, dass Besuche in der Multifunktionsarena auch im sportlichen Kontext wieder Spass machen können. Es war der erste ZSC-Ausrutscher nach sechs Siegen in den ersten sechs Heimpartien. Kein Vergleich mit den letzten beiden Jahren, als es zehn respektive elf Niederlagen vor heimischem Anhang abgesetzt hatte – und der Unterhaltungsfaktor generell überschaubar war.

Es sei wichtig, wieder eine Heimmacht zu werden, bestätigt Vorkämpfer Baltisberger: «Die Fans haben sich das verdient.» Und wenn man so spiele wie in den bisherigen Partien, dann sei man auf gutem Weg: «Wenn wir hart arbeiten, defensiv kompakt stehen und viel laufen, wird es für jedes Team unangenehm. Offensiv haben wir unsere Qualitäten, und wenn wir auch noch gelegentlich mit der Brechstange Tore erzielen können, dann kommt es gut.»

1 Punkt Vorsprung statt 11

Elf Punkte könnte der Unterschied zwischen den beiden Teams betragen, wenn die Zürcher zweimal ihr Plus maximal umgemünzt hätten. Das wäre schon eine Minizäsur gewesen. Doch mit dem Konjunktiv ist es so eine Sache: Effektiv beträgt die Reserve des ZSC auf Zug nur einen Punkt, bei einem Mehrspiel. Baltisberger orientiert sich am Gesamtbild: «Später in der Saison werden wir vielleicht sogar sagen, dass die Art und Weise dieser Niederlage gut war.»

Wenige Meter weiter sprach EVZ-Trainer Dan Tangnes derweil davon, dass solche Partien zur Charakterbildung eines Teams beitragen. Auch in Zug wird man sich an diesen 12. Oktober noch eine Weile erinnern.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:

Erstellt: 14.10.2019, 09:19 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Diese Farben geben den guten Ton an

Never Mind the Markets Das griechische Zinswunder

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...