Christian Dubé ist einer für alle

Der Kanadier (42) war ein Ausnahmekönner auf Kufen. Nun lädt der Ex-SCB-Spieler bei Gottéron als Headcoach und Sportchef Verantwortung auf sich. Warum tut er sich das an?

Nicht der erfahrene Coach steht im Fokus: Christian Dubé ist bei Fribourg-Gottéron an der Bande der Chef, der frühere Nationaltrainer Sean Simpson (l.) wirkt als Berater. (Foto: Jürgen Staiger/Keystone)

Nicht der erfahrene Coach steht im Fokus: Christian Dubé ist bei Fribourg-Gottéron an der Bande der Chef, der frühere Nationaltrainer Sean Simpson (l.) wirkt als Berater. (Foto: Jürgen Staiger/Keystone)

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Auf dem Whatsapp-Bild von Christian Dubé ist ein Löwe. Und ein Text: «Ich kämpfe seit meiner Kindheit. Ich bin kein Überlebender. Ich bin ein Krieger.»

Der Krieger ist adrett gekleidet und sitzt in der Lounge des Hotels Schweizerhof in Bern. Hose, Pullover und Mantel aufeinander abgestimmt, Bart und Haare gepflegt. Man hat Christian Dubé auch schon als den bestgekleideten Sportchef bezeichnet – etwas seltener als den besten, seit er vor vier Jahren bei Gottéron das Amt übernommen hat. «Sport ist ein hartes Business. Du musst dir deinen Weg ebnen», sagt Dubé. «Ich habe immer gekämpft. Das ist mein Charakter. Mein Motto.»

Nun hat Dubé, 42, das harte Business für sich noch etwas härter gemacht. Er steht bei Fribourg in doppelter Verantwortung – als Sportchef und seit Anfang Oktober auch als Cheftrainer. Am Lac de la Gruyère hat er sich unlängst ein Haus gekauft. Dort lasse es sich als Familie ein schönes Leben führen, sagt der Kanadier, dessen Söhne 9 und 11 Jahre alt sind. Allein: Zeit für die Familie bleibt im Moment kaum, was Dubé als «sehr hart» empfindet. «Die Doppelrolle ist keine Langzeitlösung. Aber Gottéron braucht zurzeit keinen Coach, der alles ändert. Gottéron braucht Selbstvertrauen.» Dubé könnte auch sagen: Gottéron braucht einen wie ihn. «Ich hatte nie ein Problem mit dem Selbstvertrauen – nicht als Spieler, nicht jetzt.»

«Es war schwierig, mich nicht spielen zu lassen»

Christian Dubé als Spieler: Das war ein Ästhet auf Kufen – und ein unerfülltes Versprechen. Als 13-Jähriger trainierte er bereits mit den Aktiven. Unmittelbar vor dem 15. Geburtstag debütierte er unter Vater und Trainer Normand Dubé mit Martigny in der Nationalliga B. 1993 kehrte die Familie nach Kanada zurück, um die Chancen des Sohnes im NHL-Draft zu verbessern. Die New York Rangers zogen Dubé 1995 in der zweiten Runde. Es blieb bei 36 NHL-Spielen und einem Tor, erzielt gegen Pittsburgh auf Pass von Wayne Gretzky. Gefühlte 100 Jahre sei das her, sagt Dubé und fläzt sich im Sessel.

Den Grossteil seiner Übersee-Zeit verbrachte er in der rauen AHL, die nicht gemacht war für den feingliedrigen Center. Dubé fand, er habe Besseres verdient. Und beschloss 1999, mit seiner Schweizer Lizenz Reibach zu machen. Allein das Buhlen um seine Dienste in der Schweiz war grosses Kino. Zürich schickte Stürmer Dan Hodgson ins Rennen, der mit Landsmann Dubé eine Bootsfahrt machte. Später war der Umworbene bei ZSC-Trainer Kent Ruhnke zum Barbecue eingeladen. Als Dubé im Clubauto des HC Lugano vorfuhr, wusste Ruhnke bereits vor dem ersten Bissen, dass seine Grillkünste zur Makulatur verkommen würden.

«Ich wollte immer Eiszeit und Verantwortung»Christian Dubé

Im Tessin startete der Stürmer seine beeindruckende NLA-Karriere: 16 Saisons, 816 Spiele, 839 Punkte. Wobei sich der Output an Meistertiteln (2004 und 2010 mit Bern) in tieferen Sphären bewegt. Dubé war ein Ausnahmekönner mit hervorragendem Auge fürs Spiel. Er war fordernd, bekundete Mühe mit der Gleichgültigkeit einiger Mitspieler, wenn nach Niederlagen in der Garderobe gelacht wurde. Und er hatte den Ruf, egoistisch zu sein. «Als ich jung war, wollte ich skoren. Als älterer Spieler wollte ich gewinnen. Was ich immer wollte: Eiszeit und Verantwortung.» Dann sagt Dubé: «Ich gab immer mein Bestes. Es war schwierig für einen Coach, mich nicht spielen zu lassen.»

Dubé ist einer, der die Dinge selbst in die Hand nehmen will

Gegen Ende von Dubés Zeit in Bern war Larry Huras sein Trainer (2009 bis 2011). Huras, mittlerweile 64, steht ebenfalls nicht im Verdacht, über wenig Selbstvertrauen zu verfügen. Er beginnt die Unterhaltung über Dubé mit einem Witz: «Wie weisst du, dass ein Eishockeyspieler gestorben ist? Er beklagt sich nicht mehr.»

Huras sagt, die meisten Offensivkünstler seien ein bisschen egoistisch. «Aber was Dubé wirklich antrieb, war nicht Egoismus, sondern sein ehrlicher Glaube daran, dass die Erfolgsaussichten für das Team am besten waren, wenn er auf dem Eis stand.» Huras’ Aufgabe sei es gewesen, den Stürmer davon zu überzeugen, «dass wir ein besseres Team sind, wenn wir ein bisschen mehr auf seine Mitspieler zählen».

«Dubé ist ein Winnertyp»Philippe Furrer

Verteidiger Philippe Furrer, 34, war einer dieser Mitspieler in Bern. Nun erlebt er Dubé als Sportchef und als Trainer in Fribourg. Furrer sagt: «Er hat Energie, ist ein Winnertyp. Und Dubé war schon immer einer, der die Dinge selbst in die Hand nehmen wollte.»

Einer, der die Dinge selbst in die Hand nehmen will: Vielleicht ist das die beste Erklärung dafür, weshalb Dubé direkt vom Spieler zum Sportchef aufgestiegen ist. Weshalb er nach der Entlassung von Mark French den Job des Headcoach übernommen hat. Weshalb er den wesentlich erfahreneren Sean Simpson nicht als Cheftrainer, sondern als Berater engagiert hat. Dubé sagt: «Ich will mein Schicksal in meinen Händen halten. Einige denken, ich sei verrückt. Aber ich zeige Eier, übernehme die Verantwortung.»

Wer sich derart exponiert, wird auf dem Feld der Kritiker zum Vogelfreien. Und dieses Feld ist weitläufig in Fribourg, wo die Leistungen von Gottéron die Launen einer ganzen Region takten. Rang 12 sorgt für viel Unzufriedenheit. Selbst Clubpräsident Hubert Waeber fühlte sich genötigt, den negativen Tenor mit seiner Stimme zu verstärken. Er sagte, Dubé habe die Konsequenzen zu tragen, sollten die Ziele verpasst werden. Der Kanadier zuckt mit den Schultern. «Jeder Coach muss mit einer Entlassung rechnen. Dasselbe gilt für den Sportchef. Dieses Team ist gut genug fürs Playoff. Aber ich bin nicht blöd und wusste, ich würde in der Doppelrolle Hilfe benötigen. Deshalb ist Simpson gekommen.»

Keine Lösung auf Dauer – aber er muss tun, was zu tun ist

Bei den ersten gemeinsamen Auftritten an der Bande – Pavel Rosa komplettiert das Trio – übernahm Simpson sogleich viel Verantwortung. Was bei Beobachtern zur Frage führte, wer denn wirklich der Chef sei. Dubé schüttelt den Kopf. Er verweist auf Clubs wie Bern, die ebenfalls drei Trainer unter Vertrag hätten, wobei der dritte für die Videoaufzeichnung auf der Tribüne sitze. «Wir haben stattdessen die dritte Person an der Bande, weil ich eben dort die Unterstützung brauche.» Dass Simpson im Verlauf der Saison zum Chef aufsteige, sei nicht geplant. Und Dubé will danach «wieder ausschliesslich Sportdirektor sein. Aber nun muss ich tun, was zu tun ist.»

Simpsons Erfahrung, Dubés Spielverständnis: Das könne funktionieren, meint Larry Huras. Und die Rollenverteilung? «Dubé glaubt, er wisse, was das Beste für das Team sei, welches er zusammengestellt hat – und dass die jetzige Konstellation ihm und seinem Team die beste Chance zum Gewinnen gibt. Das ergibt absolut Sinn … in Dubés Welt.»

Christian Dubé sagt: «Es ist die beste Lösung.»

Erstellt: 29.10.2019, 10:49 Uhr

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