Er glaubt noch an den Meistertitel

Wieso ZSC-Kanadier Kevin Klein die Saison unbedingt mit einem Sieg abschliessen will – und was danach auf ihn wartet.

«Hallo, braucht ihr mich?» Kevin Klein möchte das Glück des ZSC schmieden.

«Hallo, braucht ihr mich?» Kevin Klein möchte das Glück des ZSC schmieden. Bild: Keystone

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Es kommt an diesem Montagmorgen im ZSC-Training zu einer rührenden Szene. Als das Team seine Einheit absolviert hat und sich die Spieler vor den Toren versammeln, um sich im Schiessen zu üben, wagt sich auch Christian Marti nach seiner Gehirnerschütterung zurück aufs Eis. Als der Verteidiger in seinem roten Leibchen den Rink betritt, beginnen einige ihre Stöcke aufs Eis zu schlagen, dann tun es ihnen alle gleich. Tosender Applaus für den Rückkehrer. Er bedankt sich verlegen.

Solche Momente würden ihm fehlen, sagt Kevin Klein ein paar Minuten später, in die Zukunft blickend. Der 33-Jährige rang monatelang mit sich und der Entscheidung, ob er nach dieser Saison aufhören solle. Zu Beginn des neuen Jahres stand sie fest. Wie für Mathias Seger sind für den Kanadier diese Playoff-Spiele die letzten. «Es ist bittersüss», sagt Klein. «Zusammen mit den Jungs zu sein, zu lachen, sich zu necken und Geschichten auszutauschen, das werde ich am meisten vermissen. Und natürlich den Wettkampf.»

Video: «Der ZSC hat eine Loser-Mentalität»

Er werde im Playoff «nochmals alles auf dem Eis lassen», sagt Klein. «Es war eines der besten Jahre, was die Atmosphäre im Team betraf. Und jetzt will ich es abschliessen mit einem Sieg.» Um dieses ambitiöse Ziel zu erreichen, brauchen die Zürcher nicht nur einen Erfolg, sondern zwölf. Doch das scheint Klein nicht zu beeindrucken. Mit dieser Mannschaft sei alles möglich, sagt er. «Natürlich hatten wir in der Regular Season ein Auf und Ab. Aber das können wir nun im Playoff korrigieren.»

Coach Hans Kossmann hat aufs 1:4 zum Viertelfinalauftakt in Zug reagiert und vier neue Linien zusammengestellt. Wie erwartet kehren Vey und Korpikoski zurück, sie sollen mit Pettersson den Paradesturm bilden. Die grünen Trikots der Überzähligen haben Pestoni und Künzle gefasst, auch Shore und Pelletier werden zuschauen. Unverzichtbar ist Klein, der nach Anpassungsproblemen eine starke Saison gespielt hat und nun im Playoff noch mehr physische Akzente setzen soll als bisher schon. «Aber wir müssen uns darauf fokussieren, von der Strafbank fernzubleiben», mahnt er. Es ist die Lehre aus dem ersten Spiel.

Der Sohn als Übersetzer

33 ist ein junges Alter, um die Karriere aus freiem Willen zu beenden. Doch Klein hat viel erlebt, spielte 13 Jahre in der NHL oder der Farmliga AHL - gegen 1000 Spiele. «Nun ist Zeit für die Familie», sagt er. «Ich habe einen neun- und einen sechsjährigen Sohn, ich will ihnen Stabilität geben. Sie sollen Freundschaften aufbauen, länger als ein Jahr in die gleiche Schule gehen können.» Wobei Klein stolz ist, wie gut sein älterer Sohn hier in der öffentlichen Schule Deutsch gelernt hat. «Er versteht schon fast alles, und wenn wir im Restaurant einen Übersetzer brauchen, ist er für uns da.»

Bilder: Die statistisch besten Spieler der ZSC Lions

Klein besitzt in der kanadischen Provinz Ontario ein Landstück von 20 Hektaren, wo er ein Haus für die Familie bauen wird. Eine geräumige Garage, wo er seine Oldtimer eingestellt hat und seinem neuen Hobby frönen kann, hat er schon errichtet: Er hat sich das Schmiedehandwerk via Youtube beigebracht, schon Messer und sogar Schwerter hergestellt.

In den nächsten Tagen und Wochen möchte er aber zuerst etwas anderes schmieden: das Glück der ZSC Lions. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.03.2018, 16:50 Uhr

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