Er hat den Körper genug geschunden

Romano Lemm (35) steht mit Kloten an der Spitze der Swiss League. Der Center spricht über die Gründe des Erfolgs, und sein Karriereende.

«Ich werde nach dieser Saison aufhören»: Klotens Romano Lemm (67) am Spiel Kloten vs SC Langenthal in der Swiss Arena in Kloten am 25.1 Oktober 2019 Foto: Leo Wyden

«Ich werde nach dieser Saison aufhören»: Klotens Romano Lemm (67) am Spiel Kloten vs SC Langenthal in der Swiss Arena in Kloten am 25.1 Oktober 2019 Foto: Leo Wyden

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Nach den verkorksten letzten Jahren steht Kloten wieder einmal an der Spitze, auch wenn es nur die Swiss League ist. Was sind die Gründe dafür?
Wir haben ein Jahr Erfahrung in der Swiss League. In der letzten Saison haben wir das vielleicht unterschätzt. Das Niveau und die Spielweise sind anders, daran muss man sich gewöhnen. Dazu haben wir zwei neue Coaches, die wissen, was es braucht, es gab auch gute Transfers. Es passt vieles zusammen. Die Trainer sind fordernd, gewisse Junge wie zum Beispiel Marco Lehmann und ­Ramon Knellwolf sind zu den Spielern geworden, die sie sein können. Und auch wir älteren mussten dazulernen.

Was gab es denn für die Leute mit langer National-League-­Erfahrung zu lernen?
Wir sind zum Beispiel in der letzten Saison mit der Erwartung in die Spiele gegangen, dass wir dominieren würden. Wir kamen ja aus der höheren Liga. Und dann mussten wir feststellen, dass wir das nicht tun konnten, einfach so dominieren war nicht möglich. Das hat uns ziemlich heruntergezogen. Man muss sich auch in dieser Liga manchmal ein paar Minuten zurücknehmen, um zum Beispiel an einem Tag, an dem es nicht so läuft, enge Partien zu gewinnen.

Das haben Sie und Ihre ­Kollegen offenbar kapiert. Kloten ist Leader und hat zuletzt mehrere enge Spitzenspiele für sich entschieden.
Ja, und jetzt macht das Eis­hockeyleben schon wieder einiges mehr Spass. Wir sind ge­festigter, unsere Defensive ist besser, das Spiel ist besser abgestimmt, Goalie Dominic Nyffeler ist stark. So haben wir auch Partien gewonnen wie im November, als wir nicht auf unserem besten Niveau spielten.

Nehmen Sie eigentlich wahr, dass Sie nur in der zweit­höchsten Liga spielen?
Wenn du im Rhythmus von ­Trainings und Matches bist, dann ist es so wie ­immer. Aber wenn du dann am Abend am Fernseher vielleicht die Zusammenfassungen der National-League-Spiele siehst, merkst du, dass etwas fehlt. Über die Swiss League wird am öffentlichen Sender nicht berichtet, man erfährt nicht einmal die Resultate. Der Aufwand ist der gleiche, die Medienpräsenz eine ganz andere.

«Wir müssen weiter auf diesen vorderen Plätzen der Tabelle spielen, wir dürfen nie selbstzufrieden werden.»

Die Zuschauer in Kloten aber machen weiter mit. Der aktuelle Schnitt beträgt 4602 Besucher pro Match, in der letztenNL-Saison waren es 5356.
Das zeigt, wie die Leute hinter dem Club stehen. Wenn wir gute Auftritte zeigen, dann können wir die Anhänger ­zurückholen. Und wie loyal die Stehplatzfans sind, all jene, die an unsere ­Auswärtspartien ­reisen, das ist grandios.

Was braucht es, damit Kloten ein gutes Saisonende erlebt?
Wir müssen weiter auf diesen vorderen Plätzen der Tabelle spielen, wir dürfen nie selbstzufrieden werden. Die Gefahr ist gross: Die letzten paar Jahre ­waren ja nicht so toll, da könnte man nun schon ab und zu der Versuchung erliegen, ein wenig durchzuatmen. Die Bescheidenheit muss auch im Training bleiben. Was wir bis jetzt gezeigt ­haben, war gut. Aber es muss eine Steigerung geben, wir müssen die Playoff-Spielweise finden. Ein diszipliniertes Körperspiel wie zum Beispiel vor eineinhalb Wochen im Match gegen Thurgau oder am Samstag in Pruntrut gegen Ajoie.

In welcher Liga feiert der EHC Kloten 2020 Weihnachten?
Ich will und kann nicht zu weit nach vorne schauen. Mein Wunsch ist natürlich, dass ­Kloten wieder oben spielt.

«Ich arbeite schon jetzt zwei Nachmittage im Büro einer Pensionskassen-Geschäftsführung, nachher wird es mehr sein.»

Sind Sie dann noch Teil des Teams?
Ich finde, ich habe meinen Körper genug geschunden. Ich habe noch immer Spass am Eishockey, aber die Entscheidung ist gefallen, ich werde nach dieser Saison aufhören. Ich arbeite schon jetzt zwei Nachmittage im Büro einer Pensionskassen-Geschäftsführung, nachher wird es mehr sein. Aber ich werde auch weiterhin im Eishockey etwas machen. Ich habe vor zwei Jahren meine Trainerausbildung begonnen.

Sie werden nach dem Rücktritt über 20 Jahre im Club gespielt haben, der letzte Woche seinen 85. Geburtstag feierte.
Das war eine spannende Zeit. Ich bin als 13-Jähriger von Urdorf ­gekommen, ich hatte lange nur ausländische Trainer wie Mirek Hybler, Jaroslav Horacek oder Wladimir Jursinow. Mit dem Club und in den zwei Jahren mit ­Lugano hat es leider nie ganz nach vorne gereicht.

Sie mussten im Herbst 2011 einen Hirnnerventumor entfernen lassen. Der Weg zurück war lang, einiges, das Sie vorher ausgezeichnet hatte, fehlte. War das nicht frustrierend, sich immer wieder zu motivieren, wenn man weiss, dass man nicht mehr ganz der Gleiche ist?
Am Anfang überhaupt nicht. Da ging es zwei, drei Jahre darum, einigermassen durchzukommen. Mit der Zeit dann habe ich schon registriert, dass ich Dinge nicht mehr konnte, die mir früher gelangen. Aber irgendwann fängst du an, Energie aus anderen Bereichen zu ziehen. Ich habe mich zum Beispiel auf das Boxplay konzentriert oder auf das Blocken von Schüssen. Zwischendurch, wenn etwas mit der Scheibe nicht funktioniert, kommt schon ab und zu ein Fluch über meine Lippen.

Wer war der Beste, mit dem Sie im gleichen Team spielten?
NHL-Star Olli Jokinen war nur kurz hier, Jussi Jokinen im letzten Herbst auch nur für einen Monat. Ich wähle Kimmo Rintanen, er war so lange in Kloten und hat hier so viel bewirkt.

Erstellt: 10.12.2019, 14:12 Uhr

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