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Es reicht nicht, nur den Trainer zu wechseln

Die Schweizer Eishockeyaner haben das Ziel WM-Viertelfinal klar verpasst. Jetzt den Nationalcoach als alleinigen Sündenbock hinzustellen, genügt bei der Aufarbeitung des Scheiterns nicht.

Das Ziel war vor der Gruppenphase klar definiert worden: Mindestens ein Platz unter den Top 8 muss her, und auch das direkte Ticket für das olympische Turnier 2014 in Sotschi soll gesichert werden. Nun, nach vier aufeinanderfolgenden Niederlagen in Helsinki, ist klar: Das Schweizer Team hat das primäre Ziel WM-Viertelfinal nicht geschafft. Und so, wie sich die Mannschaft am Wochenende bei der 2:4-Blamage gegen Frankreich und beim 0:1 gegen die Slowakei präsentierte, muss man realistisch festhalten: Diese Schweizer haben in dieser Verfassung gegen die jungen, bissigen Amerikaner am Dienstag keine Chance auf einen Punktgewinn. Man muss davon ausgehen, dass die direkte Qualifikation für Olympia in grosse Gefahr gerät.

Gewiss, die Schweiz hatte während des Turniers personelle Ausfälle zu beklagen. In einigen Situationen wurde sie von Göttin Fortuna nicht begünstigt oder wurde von den Referees stiefmütterlich behandelt. Aber das erklärt nicht, warum das Team von Sean Simpson nach zwei Ruhetagen ausgerechnet in der Partie gegen Aussenseiter Frankreich nicht bereit für die Aufgabe war, weder physisch noch psychisch. Diese unangenehme Frage müssen sich nicht nur die Spieler, sondern muss sich auch der Trainer stellen. Er ist der Chef der Truppe. Er ist verantwortlich für die Verfassung seines Teams. Und er ist mitverantwortlich, ob die Mission WM sportlich zu einem Erfolg wird oder nicht.

Nicht nur Verbandspräsident Philippe Gaydoul ist enttäuscht über das Abschneiden an dieser WM. Als nüchtern denkender Unternehmer weiss er: Die Vorgaben wurden nicht erfüllt, obwohl das Schweizer Kader so prominent und ausgeglichen besetzt war wie noch nie an einer WM. Da Gaydoul nicht das gesamte Personal entlassen kann, muss der Headcoach dran glauben. So läuft es in der Wirtschaft, so läuft es auch im Sport. Simpson hat vieles richtig gemacht, aber der Trainer hat es – wie im Vorjahr bei der WM-Pleite gegen Norwegen – nicht verstanden, in einem kapitalen Duell gegen einen Aussenseiter das Team richtig einzustellen, es heiss zu machen oder während der Partie entscheidende Impulse zu geben. Nimmt man den Faktor Leistung als obersten Massstab, so fällt die WM-Bilanz der Schweiz in der Simpson-Ära zu mager aus. Wenn Gaydoul seinen Nimbus als erfolgreicher Manager in der Öffentlichkeit nicht verlieren will, so hat er (und der Verband) keine andere Wahl, als den Coach zu entlassen. Auch wenn dessen Vertrag noch bis Ende Saison 2014 läuft.

Simpson als einzigen Sündenbock für das misslungene Turnier hinzustellen, wäre zu einfach, zu billig. Die Spieler sind mitverantwortlich für die Pleiten gegen die Slowaken und Franzosen, wie es Captain Mark Streit richtigerweise formuliert hat. Solange die Schweiz noch keine Stürmer stellt, die regelmässig in der NHL Tore schiessen, solange die Schussqualität beim durchschnittlichen Nationalspieler nur Mittelmass, aber nicht Weltklasse ist, wird es dieses Land nie schaffen, an einem wichtigen Eishockeyturnier für einen grossen Coup zu sorgen. Und wer die Resultate und Vorstellungen der U-20-Nati und der U-18-Auswahl verfolgt, wird feststellen, dass der Abstand zu den besten Junioren der Welt wieder viel grösser geworden ist. Beide Juniorenequipen konnten nur mit Müh und Not dem Abstieg aus der A-Gruppe entrinnen. Mit anderen Worten: Die Zukunft der Landesauswahl wird in ein paar Jahren kaum besser aussehen als in der Gegenwart. Eigentlich wäre gerade diese Schweizer Nati auch von der Altersstruktur her fähig gewesen, um in Helsinki für Furore zu sorgen.

Simpson einfach durch einen anderen Mann zu ersetzen, reicht nicht. Es muss im Nachwuchs besser und intensiver gearbeitet werden, aber auch in der National League. Man muss generell die Strukturen im Schweizer Eishockey überdenken. Und Gaydoul wäre nicht er selbst, wenn er nicht das Kosten-Nutzen-Verhältnis des reichlich bestückten Staffs der Schweizer A-Nationalmannschaft einer genaueren Prüfung unterziehen würde.

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