Es rumort bei den ZSC Lions

Das 1:4 in Davos war die dritte Niederlage in vier Spielen. Und Sportchef Sven Leuenberger schreckt nicht davor zurück, sich unbeliebt zu machen.

Noch sind die ZSC-Spieler in der Kritik, nicht der Trainer. Bild: Keystone.

Noch sind die ZSC-Spieler in der Kritik, nicht der Trainer. Bild: Keystone.

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Es rumort bei den ZSC Lions hinter den Kulissen. Sportchef Sven Leuenberger wurde nach dem blamablen Auftritt in Klagenfurt (1:2 nach Penaltys) laut, machte den Spielern klar, dass er eine solch large Einstellung nicht akzeptieren könne. Und am Samstag in Davos fehlte Severin Blindenbacher auf dem Matchblatt. Krank gemeldet. Tags zuvor hatte sich der Verteidiger noch guter ­Gesundheit erfreut. Blindenbacher huste stark, sagte Leuenberger. «Aber er wäre sowieso überzählig gewesen.»

Der Satz lässt aufhorchen. Die Coachs haben sich offenbar entschlossen, bei ihren ­Bemühungen, das Team auf Kurs zu bringen, auch vor grossen Namen nicht zurückzuschrecken. Blindenbacher ist seit Jahren ein Schlüsselspieler der Lions – in dieser Saison steht er aber bisher meist neben den Schlittschuhen.

Auch ohne Blindenbacher setzte es eine weitere Niederlage ab, die dritte in den letzten vier Spielen, Champions League inklusive. Am Einsatzwillen der Zürcher gab es diesmal nichts zu bemängeln, dafür aber an der Effizienz. Trotz 31:13 Torschüssen unterlagen sie 1:4. Die letzten beiden Treffer fielen ins verlassene ZSC-Tor.

«Vielleicht realisieren langsam alle, dass wir in dieser Verfassung keine Top-4-Mannschaft sind», sagte Leuenberger. «Alleine mit der Einstellung gewinnst du in Davos nicht. Die Latte liegt höher.» Der Sportchef findet, dass das Team auf Rang 7 genau dort stehe, wo es hingehöre. «Gegen die Teams vor uns verlieren wir – gegen die hinter uns gewinnen wir.»

«Keine Trainerdiskussion»

Leuenberger sieht noch viel Arbeit und schreckt nicht davor zurück, sich unbeliebt zu machen. Eines macht er aber klar: «Es ist keine Trainerdiskussion im Gange.» Die Option, an der Bande einen Wechsel vorzunehmen, dürfte er sich für später aufsparen. Im Fokus steht das Team, das zwischen Unsicherheit und Überheblichkeit schwankt.

Und bei dem vermeintliche Schlüsselspieler wie Shore, Wick, Blindenbacher oder Sjögren weit von ihrer Bestform entfernt sind. Nichts vorwerfen kann man Spielern wie Geering, Schäppi oder Chris Baltisberger, von denen in dieser Saison verlangt wird, prominentere Rollen einzunehmen. Doch wenn Schäppi der beste ZSC-Center ist, ist das kein gutes Zeichen.

Pius Suter ist nach dem Camp in ­Ottawa noch nicht richtig in Zürich angekommen, kämpft glücklos. Shore hat so wenig Selbstvertrauen, dass er es schafft, aus guter Position zwei Meter neben das Tor zu schiessen. Und Sjögren ist gezeichnet von seinen Verletzungen, einen Schritt langsamer als zu Beginn seiner ersten Zürcher Saison.

Ein zusätzlicher ausländischer Center könnte helfen, Leuenberger beobachtet den Markt. Abgesehen von Pettersson, der sich in den letzten Spielen aber auch schwerer tat, hat noch keiner der Neuen überzeugt. Klein sucht seine Identität auf den grösseren Eisfeldern, Dave Sutter konnte sich noch nicht entfalten, und Shore erweckt beinahe schon Mitleid.

Alte Muster

In Davos waren die Lions zwar zwei Drittel lang das bessere Team, doch im letzten Abschnitt, als sie ein 1:2 drehen mussten, verloren sie sich wieder zusehends in Einzelaktionen und in den Ecken. «Wenn sich gewisse Muster über Jahre eingeschliffen haben, bringt man sie nicht so schnell weg», konstatierte Leuenberger. Coach Hans Wallson ­bemühte sich hingegen, das Positive zu betonen.

«Das Team zeigte viel Energie und Emotionen», lobte er. «Es ist hart für die Boys, wenn sie so gut spielen und nicht belohnt werden.» Dann fügte er an: «Eine Hockeysaison ist lang. Die Gruppe wird getestet. Wir sprechen täglich miteinander, suchen Lösungen. Das bringt uns einander näher.»

Dumm ist nur: Wenn ein Problem gelöst ist, kommt schon das nächste. Patzerten die Lions anfangs in der Defensive, schiessen sie nun keine Tore mehr.

Das Team braucht Kampfgeist

Auch wenn es von aussen vielleicht nicht so aussehe, so bewege sich diese Mannschaft in die richtige Richtung, sagt Chris Baltisberger: «Die ersten fünf Spiele waren wir recht desolat hinten. Jetzt sind wir besser organisiert. Und wir haben genug Qualität vorne, um die Tore zu schiessen.» Jetzt müsse die Mannschaft nur noch den richtigen Kampfgeist entwickeln.

Diese Woche mit vier Spielen wäre ein geeigneter Zeitpunkt dafür. Heute gastiert Ambri im Hallenstadion, am Mittwoch Klagenfurt in Dübendorf, dann folgen am Freitag und Samstag zwei Duelle mit Spitzenteams: in Bern und gegen Zug. Es rumort bei den ZSC Lions. Fragt sich nur, wann das endlich einen Prozess auslöst.

Erstellt: 08.10.2017, 20:09 Uhr

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