Fialas Liebeserklärung

Der 22-Jährige blickt auf eine schwierige NHL-Saison zurück, wollte aber trotz auslaufenden Vertrags unbedingt an die WM kommen. Das Spiel gegen Schweden ist für ihn doppelt speziell.

Vier Tore hat Kevin Fiala an dieser WM schon erzielt und damit allen Grund zum Jubeln. Foto: Andy Müller (Freshfocus)

Vier Tore hat Kevin Fiala an dieser WM schon erzielt und damit allen Grund zum Jubeln. Foto: Andy Müller (Freshfocus)

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Es gibt Fragen, die mag Kevin Fiala mehr als jene nach seiner goldenen Chance in der Overtime des WM-Finals 2018 gegen Schweden. Doch am Tag vor dem Spiel gegen sie muss er nochmals darüber reden. «Jedes Mal, wenn ich mir die Szene anschaue, frage ich mich, wieso der Puck nicht reinging», sagt er. «Der Goalie wusste nicht, wo er ist. Der Schuss war nicht so schlecht, und der Puck lag danach noch auf ­seinem Schoner, er hätte auch reinrutschen können.»

Es war die 76. Minute, und hätte Fiala ein bisschen höher gezielt, der Puck wäre nicht am Schoner von Anders Nilsson gelandet, sondern im Tor. Und die Schweizer wären Weltmeister. Im Sommer sei die Szene bei ihm schon noch ein paarmal hoch­gekommen, sagt er. Danach habe er sie aber gut verdrängen können. Bis ihn die Journalisten nun wieder daran erinnerten.

Als Revanche sieht er das Spiel gegen Schweden nicht. «Das wäre es vielleicht, wenn es der Final wäre.» Aber speziell wäre die Partie für Fiala auch, wenn es jenes Endspiel nicht gegeben hätte. Denn Schweden spielt in seinem Leben eine wichtige Rolle. Dorthin zog es ihn, als er 16 war, er reifte in Malmö und Jönköping zu einem NHL-Stürmer. Und in Schweden lernte er seine Freundin Jessica Ljung kennen, die nun auch nach Bratislava gereist ist.

Auf Schwedisch am wohlsten

Den Sommer verbringt er nicht mehr in der Schweiz, sondern in Göteborg. Und weil er sich mit seiner Freundin auf Schwedisch unterhält, fühlt er sich nun sogar in dieser Sprache am wohlsten.

Im beschaulichen Zuzwil im Kanton St. Gallen aufgewachsen, ist Fiala zum Kosmopolit geworden. Der Ostschweizer hat ja auch tschechische Wurzeln und keine Probleme, sich in Bratislava zu verständigen. Dass er in der letzten NHL-Saison den Wohnort wechselte, war aber nicht freiwillig. Ende Februar wurde er im Tausch mit Mikael Granlund von Nashville nach Minnesota geschickt. Im ersten Moment ein Schock. «Zuerst riefen mich Journalisten an, und ich hatte da noch keine Ahnung», sagt er. Dann kam der Anruf des General Managers als Bestätigung.

«Ich dachte zuerst an meine Mitspieler in Nashville», sagt der 22-Jährige. «Dass es schade ist, sie nicht mehr Tag für Tag zu sehen. Und ich war nervös, weil ich in ein neues Team kam. Ich fragte mich: Wie werde ich als Mensch aufgenommen? Hockeymässig hatte ich keine Bedenken.»

Minnesota, State of Hockey

Er sei dann erleichtert gewesen, als ihn alle im Team nett empfangen hätten. Inzwischen sagt er: «Besser könnte es nicht sein. Minnesota ist ideal für mich.» Er spürt das Vertrauen von General Manager Paul Fenton, der viel von ihm hält. Deshalb ist es für ihn auch keine Frage, dass er einen neuen, wohl längerfristigen Vertrag erhält. Auch Coach Bruce Boudreau setze auf ihn, ist Fiala überzeugt. «Das ist wichtig für mich. Da ich ja ein kreativer Spieler bin, mehr Risiken eingehen muss.»

Minnesota verpasste das Playoff, der Begeisterung der Leute habe das keinen Abbruch getan: «Die Leute gehen mehr mit als in Nashville. Man sagt nicht umsonst, Minnesota sei der State of Hockey. Wie Toronto in Kanada.»

Mal spielte ich gut, dann schlecht, fand nie Konstanz.»Kevin Fiala

Für Fiala war der Transfer ein Bruch in seiner jungen Karriere, in der es zuvor fast nur bergauf gegangen war. 2017/18 hatte er in Nashville mit seinem Spielwitz begeistert, 48 Punkte geskort. Alle erwarteten diesen Winter den nächsten Schritt. Doch dann kam ein Schritt zurück. «Es war eine spezielle Saison», sagt Fiala. «Ich startete gar nicht gut und fand nie richtig den Tritt. Mal spielte ich gut, dann schlecht, fand nie Konstanz.» Solche Saisons gebe es, hätten ihn ältere Spieler beruhigt. Er nimmt sich vor: «Ich werde sehr hart arbeiten im Sommer, damit das nie mehr vorkommt.»

Trotz seines auslaufenden Vertrags war es für ihn klar, dass er an die WM kommt. «Es ist zwar ein kleines Risiko», ist er sich bewusst. «Aber ich bin so jung, ich will einfach spielen. Und was wir letztes Jahr schafften, ist unvergesslich. Ich liebe dieses Team!»

Jene Szene in der Overtime würde er gerne vergessen, die anderen Erinnerungen an Kopenhagen hütet er wie einen Schatz.

Erstellt: 18.05.2019, 17:06 Uhr

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