Flüelers Weihnachtsguetsli

ZSC-Goalie Lukas Flüeler feiert beim 4:0 über Biel den zweiten Shutout des neuen Jahres. Der Meister findet allmählich zu alten Tugenden zurück.

Lukas Flüeler kassierte 2019 noch kein Tor. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

Lukas Flüeler kassierte 2019 noch kein Tor. (Bild: Ennio Leanza/Keystone)

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Im Finish, nach Bodenmanns 4:0 ins leere Bieler Tor, wagte es der ZSC-Anhang wieder einmal, die beliebten «Meischter, Schwiizer Meischter»-Sprechchöre zu intonieren. In den letzten Wochen von 2018 hätte das nicht gepasst. Es hätte geklungen, als wolle man die Augen vor der wenig gloriosen Gegenwart verschliessen. Doch nun sind die Lions zwar nicht glanzvoll, aber kämpferisch und solidarisch ins neue Jahr gestartet. Auf das erkrampfte 1:0 gegen die Lakers liessen sie einen Sieg über ein Topteam folgen, das Biel in dieser Saison ist.

Und phasenweise kamen tatsächlich Erinnerungen auf an ihren Playoff-Run des Frühlings. Nicht, was das Spielerische betraf, sondern punkto Aufopferungswille. Als die ZSC Lions kurz nach Spielmitte in Unterzahl gerieten und Bodenmann zu allem Überfluss seinen Stock verlor, wehrten sich er und seine Kollegen mit Händen und Füssen, blockten sie einen Schuss nach dem anderen. Und es wurde laut im Hallenstadion. «Unglaublich, die Jungs!», schwärmte Coach Serge Aubin später. «Wie sie sich in die Schüsse warfen!» Im Playoff war dies ja die Spezialdisziplin der Lions gewesen, und offenbar sind sie daran, sie wiederzuentdecken.

Natürlich half es, dass Biels Topskorer Rajala wenig später seinen Penalty an die Latte setzte und Noreau (35.) im Gegenzug auf 2:0 erhöhte. 2:0 statt 1:1 – das machte einen Unterschied. Darauf schienen die Zürcher mehr Vertrauen zu schöpfen, zudem hatten sie in Flüeler den nötigen Rückhalt. Der 30-Jährige feierte seinen zweiten Shutout in Serie, hat sich seit 138 Spielminuten und 18 Sekunden nicht mehr bezwingen lassen.

Shores Abschiedspräsent

Vielleicht war das in extremis erkämpfte 3:2 gegen Fribourg in der Overtime am 23. Dezember ja der Wendepunkt. Dazu gibt es eine schöne Geschichte: Pettersson, der die Partie mit zwei späten Toren drehte, hätte gar nicht spielen sollen, weil er angeschlagen war. Doch weil der inzwischen abgereiste Shore Durchfall hatte, schnürte der Schwede die Schlittschuhe trotzdem – und entschied das Spiel.

Aber vielleicht hat sich Flüeler am 31. Dezember ja einfach vorgenommen, im neuen Jahr keine Tore mehr zuzulassen. Er schmunzelte. «Es liegt wohl eher daran, dass ich so viele Weihnachtsguetsli gegessen und darum keine Lücken mehr habe», scherzte er.

Vor Sulanders Augen

Jedenfalls passte es, dass gegen Biel auch Ari Sulander auf der Tribüne sass, weil er seinen 50. Geburtstag vom Sonntag vorzog und in Zürich feierte. «Es ist ­immer schön, wenn Sulander kommt», sagte Flüeler. «Dann lassen sich auch Mathias Seger und Claudio Micheli wieder einmal blicken im Hallenstadion.»

Flüeler und Sulander trafen sich schon Ende Oktober beim Champions-League-Rückspiel in Oulu. «Ich glaube, er könnte heute noch ins Tor stehen», mutmasst Flüeler, der lange der Lehrling des Finnen war und ihm freundschaftlich verbunden ist. «Und ich glaube, zwei, drei meiner Aktionen haben ihm heute nicht so gefallen. Er ist eben immer noch mit ganzem Herzen dabei, schaut genau zu.»

Am Samstag folgt in Bern der nächste Härtetest für Flüeler und die ZSC-Abwehr. Der künftige SCB-Goalie Schlegel fällt aktuell ja verletzt aus. So löblich zum Jahresbeginn der Einsatz der Zürcher war, spielerisch haben sie noch viel Luft nach oben, wie auch Bodenmann bemerkte. Doch es ist nur schon einmal beruhigend, nicht mehr unter dem Strich zu sein. Aktuell sind die Zürcher Siebte, doch es ist alles eng beisammen. Den Vierten Ambri trennen nur sechs Punkte vom Zehnten Servette. Ausruhen dürfen sich die ZSC Lions ganz bestimmt nicht.

Erstellt: 04.01.2019, 23:34 Uhr

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