Funkstille zwischen den Studienkollegen

ZSC-Goalie Lukas Flüeler duelliert sich zum 4. Mal im Playoff mit Leonardo Genoni. Sie haben viel gemein – und sind doch sehr verschieden.

Flüelers Vorfreude auf den Halbfinal: «Bern gegen Zürich ist etwas vom Schönsten in unserem Eishockey.» Foto: Thomas Egli

Flüelers Vorfreude auf den Halbfinal: «Bern gegen Zürich ist etwas vom Schönsten in unserem Eishockey.» Foto: Thomas Egli

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Goalies werden im Playoff ganz schweigsam – sie sprechen selten oder gar nicht mehr in der Öffentlichkeit. Leonardo Genoni gab sein letztes Interview vor dem Viertelfinal, seitdem herrscht beim SCB-Torhüter «silenzio stampa». Auch Luganos Elvis Merzlikins ist verstummt. Lukas Flüeler ist da ­etwas lockerer. Der ZSC-Goalie steht zwischen den Serien zur Verfügung. Doch auch bei ihm merkt man, er ist im Playoff-­Modus. Und das heisst: ganz ­fokussiert auf die Dinge, die ihm wichtig und produktiv erscheinen.

Über seine unliebsamen Playoff-­Erfahrungen der letzten zwei Jahre will er nicht mehr reden. Auch nicht über seine komplizierte Verletzungs­geschichte, die überstanden scheint. Er hat bereits jetzt nur noch eines im Kopf: den nächsten Dienstag, Halbfinalauftakt in Bern. «Das ist unser mit Abstand wichtigstes Spiel der Saison», sagt er. «Bern gegen Zürich ist etwas vom Schönsten, das es in ­unserem Eishockey gibt.»

2012 stellten die beiden Grossclubs mit ihrem Final einen Rekord auf – mit insgesamt 102 124 Zuschauern in sieben Spielen. «Ich freue mich unglaublich auf diese Serie. Wir müssen es ­geniessen», sagt Flüeler. Um nachzuschieben: «Und natürlich hart arbeiten.»

Nur die Masterarbeit fehlt noch

Eine besondere Note erhält der Halb­final für ihn durch das Goalieduell mit Genoni. Sie studieren gemeinsam Betriebswirtschaft an der Fernfachhochschule in Regensdorf, SCB-Stürmer ­Simon Bodenmann ist der Dritte im Bunde. Alle drei sind gleich weit, sie müssen nur noch ihre Masterarbeit schreiben. «Die Prüfungen haben wir schon hinter uns, deshalb können wir uns derzeit zu 100 Prozent aufs ­Eishockey konzentrieren», sagt Flüeler. «Wir haben keine gemeinsamen Präsenzvorlesungen mehr. Das ist auch gut so. Denn im Playoff will man nichts mit dem Gegner zu tun haben.»

So gut sich Genoni und Flüeler verstehen, über das Studium und das Eis­hockey gehe ihr Kontakt nicht hinaus, sagt der ZSC-Goalie. Anders ist es bei ­Bodenmann, mit dem er früher eine Wohngemeinschaft bildete. Während des Viertelfinals 2011 zog der damalige Klotener Stürmer zu seinen Eltern, ­damit er Flüeler nicht in die Quere kam. «Jetzt ist es einfacher», sagt Flüeler. «Sie sind in Bern, und ich bin hier. Während der ­Serie haben wir sicher keinen Kontakt. Die Rivalität ist viel zu gross.»

Von einem Duell gegen Genoni mag Flüeler aber nicht sprechen. «Ich muss nicht auf Leo schauen. Es sind unsere Feldspieler, die gegen ihn spielen. Aber ja, wir hatten schon gute Serien gegeneinander.» Der ZSC-Goalie führt mit 2:1, gewann die Viertelfinals 2012 und 2013. Im ­Final 2015 triumphierte der HCD dank eines überragenden Genoni.

«Wir wissen alle, dass Leo seine ­Sache gut macht», sagt Flüeler. «Er ist auch im Playoff sehr stabil. Deshalb können wir uns nicht mehr so viele Strafen erlauben wie gegen Zug. Gegen den SCB werden wir kaum mehr Spiele 5:4 gewinnen.»

Flinker Genoni, grosser Flüeler

Spiele mit wenigen Toren, wie sie Flüeler erwartet, würden den Fokus noch mehr auf die beiden Goalies lenken. Und auf ihre unterschiedlichen Stile. Als sie in einem Doppelinterview mit der «SonntagsZeitung» einmal gefragt wurden, welche Eigenschaft sie gerne vom anderen hätten, sagte Flüeler: «Ich wäre gerne so flink wie Leo.» Und Genoni: «Lukas macht es exzellent auf der Linie. Er setzt seine Grösse sehr gut ein.» Die zehn Zentimeter, die er seinen Kontrahenten überragt, lassen sie bei der Arbeit ganz unterschiedlich aussehen.

ZSC-Sportchef Sven Leuenberger dürfte ihr Fernduell genau beobachten. Genoni hat seinen 2019 auslaufenden Vertrag in Bern noch nicht verlängert, und es wird gemunkelt, der Kilchberger liebäugle mit einer Rückkehr nach ­Zürich. Und eines ist klar: Flüeler und Genoni können gemeinsam studieren, aber nicht beide das ZSC-Tor hüten.

Erstellt: 23.03.2018, 15:59 Uhr

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