ZSC gewinnt drittes Spiel knapp – Bern verliert

Den Lions reicht im dritten Spiel gegen Lugano ein einziges Tor zum Sieg. Der SC Bern muss sich zuhause von Biel 3:6 geschlagen geben.

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ZSC-Coach Hans Wallson hatte auf die Niederlage in Lugano reagiert und setzte erstmals auf Niklas Schlegel statt Lukas Flüeler im Tor. Zudem beorderte er den physisch starken Chris Baltisberger anstelle von Fabrice Herzog in die erste Sturmlinie. Beide Schachzüge zahlten sich letztlich aus. Herzog sperrte an der Seite von Reto Schäppi auf perfekte Art den Weg frei für Patrick Geerings Siegtor und Schlegel zeigte eine grossartige Leistung und wehrte 24 Schüsse ab.

Vor 10'500 Zuschauern im Hallenstadion liessen die beiden Erzrivalen keine Wünsche offen. Noch mehr als in den jeweils 4:3 für das Heimteam ausgegangenen ersten beiden Spielen haben die ZSC Lions und der HC Lugano längst Playoff-Betriebstemperatur erreicht. In einem Kampf mit Haken und Ösen und 42 Strafminuten ging es gleich von null auf hundert los.

Penalty in der ersten Minute

Nach nur 47 Sekunden entwischte Herzog und konnte von Ryan Wilson nur regelwidrig gestoppt werden. Der ZSC-Stürmer scheiterte aber mit seinem Penalty am erneut starken Lugano-Goalie Elvis Merzlikins. Umgekehrt agierten die Tessiner im Mitteldrittel während mehr als eineinhalb Minuten mit fünf gegen drei Spielern, scheiterten aber immer wieder am überragenden Schlegel. Allerdings bekundeten die Bianconeri mit drei Stangentreffern auch einiges Pech. Dennoch war der Sieg der Zürcher nicht gestohlen. Sie hatten ein wenig mehr vom Spiel, vermissten aber die Genialität ihres verletzten Topskorers Robert Nilsson schmerzlich.

Biel überrennt den Meister

Der SC Bern wird nicht in einer Sänfte in die Playoff-Halbfinals getragen. Für die Stadtberner endet der dritte Viertelfinal gegen Biel mit einer 3:6-Heimniederlage nach einer 1:0-Führung. Das Abwehr-Dispositiv von Berns Coach Kari Jalonen stürzte nach 20 Minuten wie ein Kartenhaus ein. Marco Pedretti glich elf Sekunden vor der ersten Pause in Überzahl zum 1:1 aus. Nach der Pause besorgten Thomas Wellinger (2:1), Philipp Wetzel (3:1), Robbie Earl (4:1) und Jakob Micflikier (5:1) mit vier weiteren Toren innerhalb von 15 Minuten mehr als eine Vorentscheidung. Biel hätte nach 40 Minuten sogar noch klarer führen können.

Die Bieler schossen sich den Frust vom Leib. In den ersten beiden Spielen der Serie (1:2 n.V. und 0:3) war nicht viel für die Seeländer gelaufen. 142 Minuten und 13 Sekunden lang war Biel nach dem frühen Führungstor in Spiel 1 kein Torerfolg mehr gelungen. Jonas Hiller schien das Duell der prominenten Goalies gegen Berns Leonardo Genoni klar zu verlieren. Am Donnerstag aber war plötzlich alles anders: Genoni liess beim 1:3 den Puck unter seinen Schonern durchrutschen und sah bei mindestens zwei Gegentoren nicht gut aus. Am Donnerstag gewann Hiller (39 Paraden) das Duell der Torhüter gegen Genoni (18 Paraden) deutlich.

Warnschuss für den SCB

Zumindest verhinderte der SC Bern mit einer beherzten Leistung im Schlussabschnitt und der Resultatkosmetik vom 1:5 zum 3:6 ein historisches Debakel. Die zwei 0:4-Niederlagen gegen den HC Ambri-Piotta im Februar 2000 und gegen den EV Zug im März 2013 bleiben so Berns deutlichste Playoff-Heimniederlagen der Klubgeschichte. Und wie deutlich Spiele in den Playoffs verloren gehen, spielte noch nie eine Rolle. Vor vier Jahren holte der SCB unter Trainer Antti Törmänen trotz des 0:4 gegen Zug den Meistertitel. Aber: Ein Durchmarsch wie vor einem Jahr ist nicht mehr möglich. Damals gewann der SCB auf dem Weg zum Titel alle Playoff-Heimspiele. Bern hofft nun, dass die Heimniederlage vom Donnerstag wie ein Warnschuss vor den Bug wirkt. Auf das letzte Heimdebakel reagierte Bern in dieser Saison gut. Am 19. November ging Bern in der PostFinance-Arena gegen Kloten 1:8 unter. Daraufhin starteten die Berner eine äusserst beeindruckende Heimserie ohne eine Niederlage in 60 Minuten, die nun gegen Biel ihr Ende fand.

Zug braucht noch einen Sieg zur Halbfinal-Qualifikation

Der EV Zug erkämpft sich mit einem ungefährdeten 5:1-Sieg gegen Genève-Servette ein 3:0 in der Playoff-Viertelfinalserie und damit vier Pucks für den Vorstoss in die Halbfinals. David McIntyre traf für den klar besseren EVZ dreimal, davon zweimal in Überzahl. Der Kanadier realisierte ausgerechnet in seiner 50. NLA-Partie erstmals drei Tore in einem Meisterschaftsspiel in der Schweiz. McIntyre erhöhte damit sein NLA-Saison-Total auf 22 Tore und insgesamt 53 Skorerpunkte. Reto Suri veredelte im Schlussdrittel den Sieg des EVZ mit einem Shorthander zum 5:1, wobei Fabian Schnyder den Treffer mit letztem Einsatz an der Bande im Kampf um die Scheibe vorbereitete.

4:0 nach 26 Minuten

Die Partie war früh entschieden, da Zug bis zur 26. Minute ein 4:0 vorlegte. Beim inferioren Team von Chris McSorley brachte wie bei der 2:5-Heimschlappe der Genfer am Dienstag ein abermaliger Goalie-Wechsel keine Wende. Auch diesmal kassierte Robert Mayer vor seiner Auswechslung das 0:4 aus Genfer Sicht von McIntyre - am Donnerstag war dies vier Minuten später (26.) der Fall gewesen. Zug leitete den ungefährdeten Erfolg in Spiel 3 mit einem Doppelschlag zum Ende des Startdrittels ein. Der Genfer Keeper Mayer liess einen Schuss von Timo Helbling aus spitzem Winkel passieren. Und nur 29 Sekunden später oder nur eine Sekunde vor Ende des Startdrittels erhöhte McIntyre nach einem weiteren Fehler von Mayer, einem verunglückten Ausflug mit Scheibenverlust, auf 2:0. Wenigstens konnte Mayer dann zu Beginn des Mitteldrittels mit einer gekonnten Fussabwehr das zweite von drei Toren von McIntyre noch hinauszögern.

Erstmals seit 2013 und nach zuletzt drei Playoff-Halbfinals in Folge droht den Genfern nun bereits in den Viertelfinals das Ausscheiden. Umgekehrt steht der EVZ erstmals seit 2013 dicht vor dem Vorstoss in die Top 4 der NLA-Playoffs. Der EV Zug hatte im Vorfeld von Spiel 3 noch gegen den Entscheid der National League, den Servette-Verteidiger Daniel Vukovic nur für ein Spiel zu sperren, Rekurs eingelegt. Aus Sicht der Zentralschweizer ist das Strafmass zu gering. Vukovic war nach einem beidhändigen Stockschlag gegen den Zuger Sven Senteler in der zweiten Playoff-Partie mit einer Matchstrafe und einer Sperre für Spiel 3 vom Donnerstag belegt worden.

Davos mit der Vorentscheidung in der Serie gegen Lausanne

Mit einem 3:2-Sieg im Penaltyschiessen schafft Davos in Lausanne das zweite Break und führt in der Viertelfinal-Serie vorentscheidend 3:0. Marc Wieser ist als Einziger im Shootout erfolgreich.

Die Moral des Lausanne HC ist ungebrochen. Dennoch stehen sie nach einem 85-minütigen Krimi vor dem Aus. Weder die erste 20-minütige Verlängerung noch die zusätzlichen fünf Minuten brachten eine Entscheidung. Im Penaltyschiessen war dann Marc Wieser, der bereits in den ersten zwei Partien getroffen hatte, der Einzige der zehn Schützen, der reüssierte. Als Letzter traf der Lausanner Schelling nur den Pfosten. Zweimal holten die Waadtländer in der dritten Partie gegen Davos einen Rückstand innert kurzer Zeit auf. Im Mitteldrittel reagierte Joël Genazzi auf Mauro Jörgs 0:1 nach 3:21 Minuten mit dem Ausgleich, als er im fünften Powerplay Lausannes endlich etwas Zählbares zustande brachte. Und im Schlussdrittel brauchte Thomas Déruns sogar nur 2:07 Minuten, um das 1:2 Robert Kousals - fünf Sekunden nach einem Timeout von HCD-Coach Arno Del Curto - zu egalisieren.

Dass beide Treffer erarbeitet und ins Tor gestochert waren, war kein Zufall. Nach dem offensiven Spektakel im ersten Spiel und der fast kompletten Unterlegenheit in der zweiten Partie kehrte Lausanne zur defensiven Nüchternheit zurück. Zudem fiel mit Nicklas Danielsson Lausannes drittbester Vorbereiter bereits im Startdrittel aus. Trotz Feldunterlegenheit durften die Waadtländer aber darauf hoffen, wieder Spannung in die vermeintlich ausgeglichene Serie zu bringen. Bis zum bitteren Ende im Penaltyschiessen.

ZSC Lions - Lugano 1:0 (0:0, 1:0, 0:0)
10'500 Zuschauer. SR Eichmann/Kurmann, Bürgi/Kovacs.
Tore: 40. (39:40) Geering (Thoresen/Ausschluss Furrer) 1:0.
Strafen: 7mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions, 9mal 2 plus 10 (Lapierre) Minuten gegen Lugano.
PostFinance-Topskorer: Thoresen; Klasen.
ZSC Lions: Schlegel; Blindenbacher, Siegenthaler; Rundblad, Geering; Seger, Marti; Guerra, Phil Baltisberger; Thoresen, Suter, Chris Baltisberger; Herzog, Schäppi, Kenins; Pestoni, Shannon, Wick; Künzle, Trachsler, Bachofner.
Lugano: Merzlikins; Chiesa, Furrer; Ulmer, Wilson; Hirschi, Ronchetti; Sartori; Bürgler, Martensson, Klasen; Fazzini, Lapierre, Reuille; Walker, Gardner, Morini; Bertaggia, Sannitz, Hofmann; Romanenghi.
Bemerkungen: ZSC Lions ohne Sjögren und Nilsson (beide verletzt), Lugano ohne Kparghai, Brunner (beide verletzt), Vauclair (gesperrt) und Zackrisson (überzähliger Ausländer). 1. (0:47) Herzog scheitert mit Penalty an Merzlikins. Pfosten-/Lattenschüsse: Sannitz (34.), Bürgler (54.), Hofmann (58.). 59. (58:31) Timeout Lugano. Lugano von 58:25 bis zum Schluss ohne Goalie.

Bern - Biel 3:6 (1:1, 0:4, 2:1)
17'031 Zuschauer (ausverkauft). SR Stricker/Vinnerborg, Castelli/Wüst.
Tore: 14. Ebbett (Ruefenacht, Arcobello/Ausschluss Wetzel) 1:0. 20. (19:48) Pedretti (Dave Sutter, Wellinger/Ausschluss Untersander) 1:1. 22. Wellinger (Rajala) 1:2. 23. Wetzel 1:3. 28. Earl (Micflikier, Hiller/Ausschluss Andersson) 1:4. 35. Micflikier (Pedretti, Dave Sutter/Ausschluss Beat Gerber) 1:5. 45. Noreau (Arcobello, Lasch/Ausschluss Tschantré) 2:5. 52. Arcobello (Ebbett/Ausschluss Pedretti) 3:5. 60. (59:57) Rajala 3:6 (ins leere Tor).
Strafen: 7mal 2 plus 10 Minuten (Scherwey) gegen Bern, 12mal 2 Minuten gegen Biel.
PostFinance-Topskorer: Arcobello; Earl.
Bern: Genoni; Untersander, Blum; Jobin, Krueger; Noreau, Beat Gerber; Kamerzin, Andersson; Luca Hischier, Martin Plüss, Scherwey; Ruefenacht, Arcobello, Simon Moser; Lasch, Ebbett, Bodenmann; Alain Berger, Marco Müller, Gian-Andrea Randegger.
Biel: Hiller; Dufner, Nicolas Steiner; Dave Sutter, Wellinger; Hächler, Maurer; Jecker; Pedretti, Pouliot, Micflikier; Rajala, Earl, Julian Schmutz; Rossi, Jan Neuenschwander, Fabian Lüthi; Horansky, Tschantré, Wetzel; Fabian Sutter.
Bemerkungen: Bern ohne Reichert (verletzt) und Gagnon (überzähliger Ausländer), Biel ohne Fey, Gaëtan Haas, Joggi (alle verletzt) und Mike Lundin (überzähliger Ausländer). - Pfosten-/Lattenschüsse: Luca Hischier (47./Latte), Blum (49.), Andersson (55.); Rossi (11./Latte). - Timeout Bern (28./Coach's Challenge).

Zug - Genève-Servette 5:1 (2:0, 2:1, 1:0)
6888 Zuschauer. SR Wehrli/Wiegand, Fluri/Progin.
Tore: 20. (19:30) Helbling (Klingberg) 1:0. 20. (19:59) McIntyre 2:0. 24. McIntyre (Martschini/Ausschluss Douay, Jeremy Wick) 3:0. 26. McIntyre (Ausschluss Douay) 4:0. 40. (39:51) Loeffel (Gerbe/Ausschluss Helbling, Morant) 4:1. 43. Suri (Fabian Schnyder/Ausschluss Nolan Diem!) 5:1.
Strafen: 12mal 2 Minuten gegen Zug, 16mal 2 plus 5 Minuten (Traber) plus Spieldauer (Traber) gegen Genève-Servette.
PostFinance-Topskorer: Martschini; Spaling.
Zug: Stephan; Helbling, Alatalo; Diaz, Morant; Erni, Schlumpf; Simon Lüthi; Klingberg, Immonen, Senteler; Martschini, Järvinen, Suri; Lammer, McIntyre, Zangger; Peter, Nolan Diem, Fabian Schnyder.
Genève-Servette: Mayer (26. Bays); Loeffel, Mercier; Eliot Antonietti, Bezina; Petschenig; Jacquemet, Fransson; Gerbe, Almond, Spaling; Traber, Rubin, Douay; Jeremy Wick, Paré, Rod; Simek, Romy, Riat; Heinimann.
Bemerkungen: Zug ohne Holden (verletzt), Markkanen (überzähliger Ausländer) und Grossmann (gesperrt), Genève-Servette ohne Kast (verletzt), Slater und Ehrhardt (überzählige Ausländer) sowie Vukovic (gesperrt). - 9. Pfostenschuss Fabian Schnyder.

Lausanne - Davos 2:3 (0:0, 1:1, 1:1, 0:0, 0:0) n.P.
7600 Zuschauer (ausverkauft). SR Massy/Prugger, Borga/Küng.
Tore: 36. Jörg (Simion, Du Bois) 0:1. 39. Genazzi (Trutmann, Schelling/Ausschluss Sciaroni) 1:1. 52. Kousal 1:2. 54. Déruns (Miéville) 2:2. - Penaltyschiessen: Aeschlimann - (gescheitert), Herren - (verschiesst); Ambühl - (scheitert), Harri Pesonen - (scheitert); Kessler - (verschiesst), Jeffrey - (scheitert); Marc Wieser 0:1, Junland - (verschiesst); Simion - (scheitert), Schelling - (verschiesst).
Strafen: je 8mal 2 Minuten.
PostFinance-Topskorer: Jeffrey; Ambühl.
Lausanne: Huet; Gobbi, Fischer; Borlat, Junland; Trutmann, Genazzi; Nodari; Herren, Froidevaux, Harri Pesonen; Danielsson, Jeffrey, Sven Ryser; Lardi, Kneubuehler, Augsburger; Schelling, Miéville, Déruns; Conz.
Davos: Senn; Du Bois, Rahimi; Heldner, Forster; Schneeberger, Paschoud; Jung; Ambühl, Ruutu, Kessler; Marc Wieser, Lindgren, Kousal; Sciaroni, Corvi, Dino Wieser; Simion, Walser, Jörg; Aeschlimann.
Bemerkungen: Lausanne ohne Antonietti, Savary, Walsky (beide verletzt), Ledin und Hovinen (überzählige Ausländer), Davos ohne Axelsson, Egli (beide verletzt) und Spylo (überzähliger Ausländer). 7. Ruutu verletzt ausgeschieden. 17. Danielsson verletzt ausgeschieden. 52. Timeout Davos. 65. Pfostenschuss Sciaroni.
(lif/sda)

Erstellt: 09.03.2017, 20:02 Uhr

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