Gorillas statt Puck

Das schöne Leben des Arno Del Curto nach 22 Jahren Davos. Und seine wiederentdeckte Liebe zu Afrika.

8154 Tage war Arno Del Curto beim HC Davos – jetzt hat er alles endgültig abgebrochen.

8154 Tage war Arno Del Curto beim HC Davos – jetzt hat er alles endgültig abgebrochen.

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Er habe es gespürt. Sagt er heute. Er sei kaputt gewesen. Sagt er heute. Es habe etwas nicht mehr gestimmt. Sagt er heute. Es habe Leute gegeben, die gegen ihn gearbeitet hätten. Sagt er heute.

Heute würde er anders entscheiden als damals vor genau einem Jahr, als es immer noch heisse Spätsommertage waren und er immer wieder an den Winter dachte.

Arno Del Curto in Davos. 22 Jahre lang, seit 1996, in jenem Jahr, als die Staatsmänner noch Kohl und Clinton hiessen, war er dort, und war es immer gleich, Tag für Tag, nur den HCD im Kopf. Aber eben, in diesen Tagen im August 2018 spürte er, dass etwas nicht mehr gleich war, es rumorte im Bauch, auch der Kopf hatte grosse Zweifel. Er hätte es beenden sollen, sie haben ihn überredet, zu bleiben.

Wir reden darüber, er sitzt im Auto, irgendwo im Prättigau, runter nach Landquart, er hat endgültig alles abgebrochen in Davos, seine Wohnung abgegeben. Im November war es so weit gewesen, nach 8154 Tagen und 1286 Spielen hatten sich der Club und Del Curto doch getrennt. Nur zwei ­Monate später war er Trainer beim ZSC – wie zwei, die sich einst innig liebten, nach Jahren endlich wieder zusammenkommen, es nochmals versuchen, eine Seite ist immer noch verliebt, aber es fehlt die Kraft. Er bereue seine Rückkehr nicht, sagt Del Curto, er sei einfach kaputt gewesen.

Und jetzt sagt er auf die Frage, was er erfahren habe in diesen Monaten ohne Puck und Eis: dass das Leben heute so viel schöner ist, als er es während vielen Jahren glaubte. Del Curto geniesst. Drei Tage beim Schwingfest, er reist viel, war in Afrika, wo er Ende der Siebzigerjahre in Lagos für eine Baufirma gearbeitet hatte. Er hätte damals nur kurz als Praktikant bleiben sollen, sie hatten aber den Finanzchef verhaftet, er musste die Arbeit als Chief Accountant für 3000 Angestellte übernehmen, er blieb fast ein Jahr. Eine typische Del-Curto-Geschichte. Und jetzt schwärmt er wieder, von Tansania, Sansibar, den Tieren, aber vor allem den Menschen dort, wie die mit wenig leben und doch so ­zufrieden sind, bald will er nach Ruanda, die Gorillas sehen.

Und Hockey? Er habe abgeschlossen, sagt er, es fehle ihm nicht. Nie mehr? Er glaube Nein, sagt er und redet von Freunden, denen er bei ­Start-ups helfe, es mache Spass. Er redet und redet. Und zuletzt sagt er: Aber wenn ich doch irgendwo unter­schreibe – versprochen, einen Tag vorher komme ich nach Zürich, für einen schönen Abend. In der für ihn schönsten Stadt.

Erstellt: 03.09.2019, 13:24 Uhr

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