Grande Zurigo

Die ZSC Lions feiern ihren 9. Meistertitel mit einem leidenschaftlich erkämpften 2:0 in Lugano.

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Zum Schluss konnte sich Hans Kossmann eine Geste leisten. Nachdem Kenins 19 Sekunden vor der Sirene zum 2:0 ins leere Lugano-Tor getroffen hatte, schickte der Coach für den letzten Einsatz die Nummer 15 aufs Eis, Mathias Seger. Und so war dieser der Erste, der Flüeler nach dem meisterlichen Shutout umarmen konnte. 2000 hatte Seger in einer epischen Finalserie gegen Lugano seinen ersten Titel gefeiert, 18 Jahre später trat er mit seinem sechsten ab. Solche Geschichten schreibt nur der Sport.


Video: ZSC-Fans drehen nach dem 2:0 durch

Grossartige Stimmung beim Public Viewing in der Messe Zürich: Video: Fabian Sanginés


Und es passte zur Karriere des 40-Jährigen, der stets das Team über alles stellte, dass die ZSC Lions dieses siebte Spiel mit einer solidarischen Mannschaftsleistung errangen. Sie wussten, sie würden in der Resega nicht viele Tore schiessen. Also kämpften sie wie verrückt, um möglichst keine zuzulassen. Ein paarmal war es knapp. Etwa in der 56. Minute, als Lapierres Direktschuss in in der ausgestreckten Fanghand Flüelers landete. Doch diesmal waren die Zentimeter wieder auf Zürcher Seite.

Dass sie, nachdem Lugano zwei Meisterpucks hatte abwehren können, das Momentum nochmals auf ihre Seite zerren konnten, zeugt von ihrer Willenskraft. Nicht mehr viel hatte nach dem 2:3 und der geplatzten Meisterparty vom Mittwoch in Zürich für sie gesprochen. Doch sie fanden nochmals die mentale und körperliche Energie, ein grosses Spiel zu zeigen. Ihr bestes gegen Lugano, das mit seinen überfallartigen Angriffen immer gefährlich blieb.

Meisterschütze Geering

Das goldene Tor zum Meistertitel schoss ausgerechnet Captain Geering, der nach einem fürchterlichen Check Lapierres in Spiel 4 gezeichnet schien, sich aber bis ans Ende dieser Serie quälte. Und eben dieses so wichtige Führungstor in der Resega erzielte – mit etwas Glück. Sein Schuss wurde in der 7. Minute vom heranstürzenden Wellinger für Merzlikins unhaltbar ins Lattenkreuz abgelenkt. So durften die Zürcher, die in dieser Serie meist Rückständen hinterhergerannt waren, erstmals seit Spiel 2 wieder mit einer Führung im Rücken spielen. Und das gab ihnen Aufschwung.


Video: Kossmanns letzte Rede und der Sechseläuten-Marsch

So feierten die ZSC-Spieler in der Kabine. Video: Tamedia/Simon Graf


In seiner ersten Saison als Captain wurde der 28-jährige Geering gleich Meister, doch der Ur-Zürcher gab sich ­bescheiden, ja selbstkritisch. So schlecht wie in diesem Final habe er noch selten gespielt, sagte er. «Darum bin ich jetzt umso erleichterter.» Er sei froh gewesen, habe er in diesem Winter noch ­Seger an seiner Seite gehabt. «Ich freue mich so sehr für ihn und für Kevin Klein. Alles ist für sie aufgegangen.»

Das 2:0 ins leere Tor. Video: SRF

Auch der Kanadier beendet mit diesem Höhepunkt ja seine Karriere, sofern er sich nicht mehr umstimmen lässt. Als Hommage an Seger, ihren langjährigen Captain, zogen sich, als alles vorbei war, viele Zürcher Spieler Masken mit dem Konterfei des Ostschweizers über. Eine schöne Geste.

Video - Mitspieler tragen Seger-Maske

Als wertvollster Spieler in diesem Playoff muss bei den Lions Klein gelten, der mit seiner unheimlichen Präsenz und Entschlossenheit das Team anführte. Er gewann auch gestern fast jeden Zweikampf und stürmte immer wieder mit kräftigem Schritt nach vorne. Doch auch die Leistungen von Flüeler, der wieder einmal einen Shutout in einem Spiel 7 feierte und nach zwei schwierigen Saisons wieder der Alte war, müssen lobend erwähnt werden.

Das Tor zum Meistertitel: Geerings 1:0. Video: SRF

Aber das Schlusswort soll Seger gehören. «Das Team hat das perfekte Auswärtsspiel gespielt», sagte er. «Es war genial, wie sie das gemacht haben. Vielleicht machten sie das auch ein wenig für mich.» Mit Schalk fügte er an: «Ich hatte den besten Platz im Stadion.»

Den 9. Meistertitel des ZSC beleuchtet der TA neben der aktuellen Berichterstattung und Würdigung mit einer Beilage. Sie finden die ZSC-Meisterzeitung im TA vom Montag, 30 April oder unter meisterzeitung.tagesanzeiger.ch

Erstellt: 27.04.2018, 23:24 Uhr

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