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Guerra und Frieden zum Advent

Ein Eishockeymatch mit der Familie hat von Schubiger so einiges abverlangt.

Für Schubiger war es stets eine Herausforderung, das Hallenstadion nicht mit seiner gewohnten ZSC-Familie zu besuchen, sondern mit der Schubiger-Familie. Denn Frau Schubiger hatte ihm in den eigenen vier Wänden bisher wesentlich mehr Glück gebracht als seinem Team auf dem Eis. Und der kleine Schubiger sorgte vor dem Sonntagsspiel für zusätzliche Besorgnis, indem er erklärte, dass er für den HCD sei, falls dieser gewinnen würde. Doch die Drohung stellte sich noch vor dem ersten Bully als Finte heraus, um einen neuen ZSC-Schal als kleines Vorweihnachtsgeschenk zu ergattern. Und alle Befürchtungen Schubigers erwiesen sich im Verlauf des Spiels als unbegründet. Das 4:1 gegen den Leader war viel zu hoch, aber hochverdient.

So bestand Schubigers Herausforderung an diesem friedlichen dritten Advent darin, seine Vorbildrolle jederzeit wahrzunehmen. Etwa durch Verzicht auf den zu einem normalen Match­abend gehörenden Bierkonsum. Oder durch massvolle Reaktionen auf die Arbeit respektive Untätigkeit des Schiedsrichters, der nicht nach den Spielregeln pfiff, sondern offensichtlich nach einem Fingerspitzengefühl, das ihn je nach Situation die eklatantesten Vergehen ignorieren liess. Doch so willkürlich der Ref das Spiel managte, so souverän managte Schubiger seine Impulse: Anstatt Kraftausdrücke von sich zu geben, erklärte er den kleinen Schubigers besonnen, dass Regeln im Sport wie im Leben wichtig sind und man sie einhalten soll, auch wenn der Polizist wegschaut.

Der sportlich wie erzieherisch erfolgreiche Familienausflug neigte sich schon seinem glücklichen Ende zu, als er doch noch auf eine schiefe Bahn geriet. Schuld war ZSC-Verteidiger Bergeron, der sich diesen «Lion Kids Day» ausgesucht hatte, um den vielen Kinderaugen im Hallenstadion mit zwei Boxkämpfen in den Schlussminuten zu zeigen, dass ihm in seiner kanadischen Heimat zu Unrecht mangelnde Härte nachgesagt wird. Der erste gegen Sciaroni endete unentschieden. Im zweiten wuchtete er den sieben Jahre jüngeren und einen halben Kopf grösseren Davoser mit dem Furcht einflössenden Namen Guerra schwungvoll aufs Eis. Es war keine bewusste und wohl auch keine gute Entscheidung Schubigers, Bergerons Sieg mit warmem Applaus zu würdigen. Die kleinen Schubigers klatschten freudig mit. Frau Schubiger warf ihm einen Blick wie einen K.-o.-Schlag zu.

schubiger@tages-anzeiger.ch

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