Gute Laune im Stadiönli vor dem Mini-Playoff

Die ZSC Lions kämpfen gegen die Vienna Capitals um einen Platz in der K.-o.-Phase der Champions League.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die knapp 20 Feldspieler der ZSC Lions strecken alle die Arme in die Höhe. Gezählt hat die Tore im Spiel auf massiv verkürztem Feld niemand – wer gewonnen hat, ist auch sekundär. Gute Laune pur im «Stadiönli», der Trainingshalle in Oerlikon – alle dürfen sich als Sieger fühlen.

Welch Unterschied zur Phase vor zwei Wochen, als das Team mit drei Niederlagen aus vier Spielen eine erste leichte Krisensituation durchlebte. Es folgten acht Punkte aus drei Spielen – ein besseres Medikament hätte kein Arzt verschreiben können. «Wir haben in vielen Bereichen Fortschritte gemacht», sagt Coach Serge Aubin nach dem Training, «natürlich bleibt viel Arbeit, aber wir haben nun als Team gespielt.»

Kaum Gegentore

Wo die Arbeit geleistet werden muss, zeigt ein Blick auf die Torbilanz. Weniger als zwei Treffer haben die Lions pro Spiel kassiert, zusammen mit Biel und nach Bern ist das der beste Wert der Liga. Umgekehrt sind zwei Plustore pro Partie für ein Team mit dieser Feuerkraft viel zu wenig. Dem Trainer ist es lieber so als umgekehrt: «Wenn die Defensive funktioniert, haben wir ­immer Chancen zu gewinnen.» Und es tönt wie eine versteckte Drohung an die Konkurrenz, als er sagt: «Um die Offensive mache ich mir keine Sorgen.»

Eine nächste Chance, ihr wahres Potenzial zu zeigen, haben die Zürcher heute gegen die Vienna Capitals. 2016/17 gewannen die Wiener unter Aubin den zweiten Meistertitel der Clubgeschichte, im Playoff blieben sie ohne Niederlage. «Die beiden Jahre in Wien waren fantastisch, der Titel war natürlich das Highlight», blickt Aubin zurück. Der Mann, der normalerweise nicht gerade Emotionen à discrétion zeigt, strahlt, als er die Erinnerungen aufarbeitet: «Die Euphorie war gross, ein paar Tage später haben wir in der Arena gefeiert, danach wurden wir noch in einen Palast eingeladen.» Den Namen weiss er nicht mehr, aber es sei ihm verziehen: Wien ist nicht arm an architektonisch prächtigen Bauten.

Nur teilweise speziell

Zeit für Sentimentalitäten bleibt nicht: Statt Stephansplatz heisst es Sechseläutenplatz, und Aubin sagt, die Affiche sei für ihn nur teilweise speziell: «Jetzt reden alle davon, aber an meiner Herangehensweise ans Spiel ändert das nichts.» Die Ausgangslage scheint trotz drei punktgleicher Teams klar. Frölunda ist gegen Aalborg klarer Favorit, deshalb dürfte als zweites Team der ­Gewinner des Mini-Playoffs ­zwischen Lions und Capitals in die K.-o.-Phase einziehen.

Aubin erwartet von seinem ehemaligen Team heute und in einer Woche, dass «es sehr hart arbeiten wird». Drei Stammverteidiger haben Wien verlassen – geschwächt scheint der Club aber nicht: Die Capitals führen die ­Tabelle nach acht Spielen an, mit nur einem Punktverlust und schon acht Zählern Vorsprung auf Graz und Bozen. Mannschaften aus Ungarn, Italien, Kroatien und Tschechien komplettieren die «internationale österreichische Meisterschaft».

Verblasster Glanz

Dem Team fehlt ein Aushängeschild mit Strahlkraft wie früher Pat Lebeau, Dieter Kalt oder Oliver Setzinger. Der neue Headcoach David Cameron setzt auf Tempo, der Kanadier war bis 2016 Headcoach der Ottawa Senators, wurde dann aber durch das Duo Guy Boucher/Marc Crawford ersetzt.

Das österreichische Eishockey wird hierzulande etwas belächelt, obwohl zum Beispiel die Capitals letztes Jahr in der Champions League Zug besiegten und die Duelle auf Nationalmannschaftsebene oft umkämpft sind. Die Unterschiede seien nicht überall so gross wie bei den Salären, warnt Aubin: «Vielleicht sind die Skills hier etwas ausgeprägter und die Teams in den dritten und vierten Linien breiter besetzt, was sich über eine ganze Saison auswirken kann. Aber wir müssen heute auf jeden Fall bereit sind, sonst gibt es einen langen Abend.» Sein Tonfall verrät: Eine Niederlage wäre ein Stimmungskiller.

Erstellt: 09.10.2018, 18:55 Uhr

Artikel zum Thema

ZSC siegt dank Blitzstart, Bern mit Galavorstellung

Aufwärtstrend bestätigt: Die Lions gewinnen auswärts gegen Fribourg. Der SCB lässt Ambri keine Chance. Mehr...

ZSC siegt gegen Ambri in der Overtime

In einem wilden Spiel erringen die Lions gegen Ambri den ersten Heimsieg. Maxim Noreau lässt die Zürcher jubeln. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Trost aus der Pfanne

Mamablog Es gibt nicht nur Heteros!

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Logenplätze: Die Bewohner der nepalesischen Ortschaft Bode verfolgen den Nil-Barahi-Maskentanz von ihren Fenstern aus. Während des jährlichen Fests verkleiden sich Tänzer als Gottheiten und ziehen durch die Strassen. (20. August 2019)
(Bild: Navesh Chitrakar) Mehr...