Hilflose Versuche in der Strafenflut

Die Klotener verlieren beim 2:4 in Ambri zum sechsten Mal in Folge, weil sie mit der neuen Strenge der Schiedsrichter weniger gut umgehen als der Gegner und im Powerplay versagen.

Mit dem Stock nachgehakt: Klotens Luca Homberger kann Ambris Mark Bastl nicht stoppen. Foto: Samuel Golay (Ti-Press, Keystone)

Mit dem Stock nachgehakt: Klotens Luca Homberger kann Ambris Mark Bastl nicht stoppen. Foto: Samuel Golay (Ti-Press, Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Klotener hatten ihre Mützen tief ins Gesicht gezogen und stapften in die Nacht. Irgendwo im Dunkeln wartete der Teambus. Ja, wenn nicht in Ambri, wo sollen sie denn sonst gewinnen? 10 der letzten 11 Partien hatten sie hier zuvor gewonnen, seit 2006 überhaupt nur dreimal verloren. Doch in der aktuellen Krise will dem EHC auch in der Leventina nichts gelingen – das 2:4 war bereits die sechste Niederlage in Folge.

Er wusste, dass er die Schuld nur bei sich zu suchen hatte. Denn dieses Ambri, der Tabellenletzte, trat keineswegs überzeugend auf. Vor allem offerierten die Tessiner mit neun Strafen genügend Möglichkeiten, sich in Überzahl zu versuchen. 195 Sekunden lang konnten die Klotener sogar in doppelter Überzahl antreten. Doch ihre Versuche waren an Harmlosigkeit kaum zu überbieten. Ambri wiederum münzte seine zwei Chancen mit zwei Mann mehr zu Treffern um. Vom 0:2 zur Spielmitte ­erholten sich die Zürcher Unterländer nicht mehr. Die Powerplays machten den Unterschied. Und das kam nicht ganz überraschend.

100 Strafen an einem Abend

2005 hatte der Weltverband die sogenannte Nulltoleranz eingeführt. Vergehen wie Stockschlag, Haken, Halten und Behinderung sollten vehement geahndet werden. Angekommen ist die strenge Regelauslegung auf Schweizer Eis indes erst jetzt, über elf Jahre danach.

Ausschlaggebend war ein Treffen der Nationalliga-Sportchefs mit den beiden Schiedsrichter-Chefs Beat Kaufmann und Brent Reiber vorige Woche. Die Clubfunktionäre forderten eine härtere Gangart der Refs. Zuvor hatte schon ­Nationalcoach Patrick Fischer mit demselben Anliegen vorgesprochen. Aus ­gutem Grund: Die Schweizer hatten an der letzten WM zu viele Strafen wegen Stockvergehens gefasst und in Unterzahl dafür bezahlt. Sie waren sich aus der heimischen Liga gewohnt, dass ihnen derlei Aktionen oft durchgelassen werden.

Die Schiedsrichter taten nach der ­Sitzung wie geheissen: Am Dienstag verteilten sie in 5 Partien 65 Zwei-Minuten-Strafen. Gestern ging es munter weiter: In den 6 Spielen wurden sagenhafte 100 kleine Strafen ausgesprochen. Bei manchem Schiedsrichter würde es nicht erstaunen, wenn er heute mit Muskelkater im Arm aufgewacht ist.

Verunsicherte Spieler

In Ambri gab es acht Vergehen wegen Stockschlags oder Hakens. «Ich bin mir nicht mehr sicher, was überhaupt noch erlaubt ist», sagte Kloten-Verteidiger Back stellvertretend für die verunsicherten Spieler. «Ich glaube, die Schiedsrichter wissen selbst noch nicht genau, was sie pfeifen sollen. Ich meine, bei der kleinsten Berührung . . .» Back hinterfragte vor allem den Zeitpunkt der neuen ­Regelauslegung mitten in der Saison.

Sein Coach Pekka Tirkkonen befürwortet die striktere Interpretation, der Finne ist sie sich aus seiner Heimat gewohnt. Vor dem Match hatte er seine Spieler darauf hingewiesen: «Die Schweizer müssen sich diese kleinen Fouls abgewöhnen. Wir sind eine läuferische, spielerische Mannschaft, die vom neuen Stil profitieren könnte.» Nur müsste sie dafür auch einmal im Powerplay treffen. Doch ohne Santala fehlte da spürbar ein Passeur, und der neue Verteidiger Hecquefeuille, eigentlich ein Spezialist, sorgte mit seinen Puckverlusten an der blauen Linie für Unverständnis. Fast wirkte es so, als würden sich die Klotener wohler fühlen, wenn sie bei Vollbestand der Kräfte spielen konnten.

Erstellt: 22.12.2016, 23:32 Uhr

Artikel zum Thema

Für einmal kein Zürcher Drama an der Saane

Dezimierte ZSC Lions siegen in Fribourg souverän 4:1. Blindenbacher trifft doppelt, Goalie Schlegel hält stark. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Geldblog So machen Sie mehr aus Ihrem Vorsorgegeld

Sweet Home Mehr als Fensterkleider

Die Welt in Bildern

Wasser marsch! Die Feuerwehr bekämpft einen Brand auf dem Gelände einer Abfallentsorgung im österreichischen Mettmach. (16. Juli 2019)
(Bild: APA / Manfred Fesl) Mehr...