«Wenn man das Gespräch verweigert, dann gibt es nie eine Lösung.»

Kloten-Präsident Hans-Ulrich Lehmann über die Hoffnung, dass sein Vorgänger Philippe Gaydoul die Millionen-Forderung des EHC begleicht.

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Warum betreibt die EHC Kloten Sport AG Philippe Gaydoul über eine Million Franken?

Weil Philippe Gaydoul 2015 einen Vertrag mit dem EHC Kloten unterschrieben hat, der dem Club drei Millionen Franken zusicherte. Das war sein Austrittsgeld beim Verkauf an die nordamerikanische ASE-Gruppe. Zwei Millionen waren fällig für die Saison 2015/16, eine für 2016/17. Die erste Tranche hat er ­bezahlt, die zweite ist nicht geflossen.

Und Sie wussten von dieser ­Forderung, als Sie den Club 2016 übernahmen?

Natürlich, das war damals gar kein Thema. Verträge sind ja da, um ein­gehalten zu werden. Und als das nicht geschah, mussten wir eben die Betreibung einleiten.

Haben Sie vor diesem Schritt mit Herrn Gaydoul gesprochen?

Bevor ich den Club übernahm, haben wir ein paar Mal miteinander gesprochen. Danach habe ich nichts mehr von ihm gehört. Über Mittelsmänner habe ich gehört, er sei sehr verletzt, aber ich kam nicht mehr an ihn heran. Auf SMS hat er nicht reagiert. Vor vierzehn Tagen hat er dann zum ersten Mal eine Anfrage von mir beantwortet, ob wir uns nicht zusammensetzen sollten.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen Gaydouls Zahlungsweigerung und den negativen Äusserungen, die Sie bei der Clubübernahme über Ihren Vorgänger machten?

Ich habe mich nicht negativ über ihn ­geäussert, im Gegenteil. Ich habe ihm gedankt dafür, was er alles geleistet hat für den Club. Und das meine ich auch so. Aber ich habe eben auch die Wahrheit darüber gesagt, dass er manchmal nicht genau hingeschaut hat. Und das hat er offenbar als etwas Negatives empfunden. Es ging mir überhaupt nicht darum, ihm wehzutun, aber er hat das offenbar anders aufgefasst.

Können Sie sich vorstellen, dass einer, der über 20 Millionen ­Franken in den EHC investiert hat, es als Undank empfindet, wenn man nun eine weitere fordert?

Als ich übernahm, war die Ära Gaydoul längst vorbei, da ging es nur um Gaydouls Nachfolgerin ASE, die den Club verkaufen wollte. Mit denen habe ich den Übernahmevertrag gemacht. Natürlich wusste ich, dass Gaydoul zuvor sehr, sehr viel Geld investiert hatte, aber das war ja seine Entscheidung. Ich konnte ihm nicht Danke sagen, nachdem ich von der ASE dieses Problemkind übernommen hatte. Ich war ja nie scharf auf diesen Club, ich hätte es einfach schade gefunden, wenn in der Region eine wichtige Institution wie der EHC Kloten kaputt gegangen wäre. Es ist jetzt eine relativ grosse Herausforderung, den ­Laden wieder auf gesunde Beine zu stellen. Und wir fahren jetzt halt eine andere Linie als unsere Vorgänger.

Aber hätte es zur Lösung des ­Konflikts mit Gaydoul keine andere Lösung als die Betreibung gegeben?

Wenn man miteinander redet, gibt es immer andere Lösungen. Aber wenn man das Gespräch verweigert, dann gibt es nie eine Lösung.

Gaydoul sagt, er habe den strittigen Millionenbetrag auf ein Sperrkonto überwiesen. Wissen Sie davon?

Nein. Wir warten auf die Zustellung der Pfändungsurkunde. Das ist unser Stand.

Die juristischen Rechnungen, die jetzt anfallen, bezahlt diese die EHC Sport AG?

Selbstverständlich. Sie ist ja auch die Gläubigerin.

Haben Sie darüber nachgedacht, was die öffentliche Wirkung einer Pfändung ist – für den Club wie für Herrn Gaydoul?

Klar, darüber haben wir am Freitag ja noch gesprochen. Ich habe ihm gesagt: «Philippe, du kannst doch nicht einfach wegschauen, nimm das ernst, wenn das rauskommt . . .» Ich habe versucht, ihm eine Brücke zu bauen. Aber das interessiert ihn gar nicht, er ist wie taub auf ­diesem Ohr. Dabei hatten wir ein gutes Gespräch, ich kann gar nichts Schlechtes über ihn sagen. Aber irgendwann muss er einfach einsehen, dass er diese Million zahlen muss. Nicht weil ich es ­gesagt habe. Sondern weil das Gericht so entschieden hat.

Wie würden Sie Ihr persönliches Verhältnis zu Philippe Gaydoul beschreiben?

Ungetrübt, ich habe keinen Stress mit ihm, null. Wieso sollte es anders sein? Er hat mir ja nichts zuleide getan. Ich kann mich in vielem sogar sehr gut in einfühlen: Er hat schon sehr wenig Dankbarkeit für alles erhalten, was er gemacht hat. Ich kann das menschlich völlig nachvollziehen, nur hilft mir das nichts.

Sie würden also noch einmal so handeln und Gaydoul betreiben?

Natürlich, jeder würde das tun. Das hat doch nichts mit mir zu tun. Wenn ­jemand dem EHC eine Million schuldet, muss man die einfordern. Alles andere wäre für ein Unternehmen grobfahr­lässig.

Wie geht es nun weiter?

Ich hoffe, er wird vernünftig, zahlt diese Million, und dann ist das ganze Theater vorbei. Ich will Ruhe.

Und wenn nicht? Gaydoul hat gegen die Forderung in Bülach eine ­Aberkennungsklage eingereicht . . .

Dann warten wir ab.

Wie lange dauert es, bis in dieser Sache eine Entscheidung gefallen ist?

Keine Ahnung. Da müssen Sie den Richter fragen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.09.2017, 23:35 Uhr

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