«Ich werde 24 Stunden pro Tag für Lugano da sein»

Mit NHL-Legende Sami Kapanen (45) übernimmt erstmals seit 2010 ein Nordländer das Traineramt beim HC Lugano. Der Finne setzt vor allem auf Teamwork.

Will im Tessin seine Trainerkarriere vorantreiben: Der neue HC-Lugano-Coach Sami Kapanen. (Bild: Melanie Duchene/Keystone)

Will im Tessin seine Trainerkarriere vorantreiben: Der neue HC-Lugano-Coach Sami Kapanen. (Bild: Melanie Duchene/Keystone)

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Bei seinem Stammclub Kalpa Kuopio war Sami Kapanen der Mann für alle Fälle, er war gleichzeitig Besitzer, Vorstandsvorsitzender und Cheftrainer. In Lugano werde er nun «nur» Cheftrainer sein, präzisierte Medienchef Luca Righetti zu Beginn der Vorstellung Kapanens, um Gerüchten den Nährboden zu nehmen, er aspiriere auf zusätzliche Rollen.

«Ich will mich hier voll auf meine Trainertätigkeit konzentrieren, das ist für mich eine riesige Gelegenheit, in meiner Karriere weiterzukommen», erklärte Kapanen im Medienraum der Corner-Arena, wie die Resega seit bald einem Jahr offiziell heisst. Pluspunkte hatte er bereits mit seinem ersten Statement gesammelt: «Il mio nome è Sami Kapanen. Ho 45 anni.» Das sei allerdings alles, was er derzeit mit Selbstvertrauen auf Italienisch sagen könne, erklärte er mit einem Schmunzeln, bevor er auf Englisch wechselte.

Die Familie bleibt in Finnland

Seine Kenntnisse in der Sprache Dantes dürften bald zunehmen. In den nächsten Monaten wird der Nachfolger von Greg Ireland und erste nordische Lugano-Coach seit dem Schweden Kent Johansson (bis 2010) oft aus Finnland in die Schweiz fliegen, um «die bestmöglichen Grundlagen für nächste Saison zu schaffen.» Wohnsitz beziehen wird er im Südtessin allein, seine Frau und die schulpflichtigen Kinder bleiben in Finnland zurück. «Wir haben das gemeinsam entschieden, und die Familie unterstützt mich voll und ganz.» Es werde zwar nicht immer einfach sein, er freue sich aber sehr auf die Herausforderung: «Ich werde jeden Tag 24 Stunden für Lugano da sein.»

Am Morgen lernte er die Schweizer Spieler kennen, die das Off-Ice-Training nach zwei Wochen Pause wieder aufnahmen. Nach dem Medientermin folgten Einzelgespräche. Den Spielern will er möglichst rasch seine Vorstellung von Eishockey vermitteln: «Der Teamgedanke steht über allem, ich will aber auch ein Team, das mit Spass spielt. Wer zu viel Angst vor Fehlern hat, wird sie fast sicher auch machen.»

Die Persönlichkeit Kapanens habe überzeugt, ebenso seine Leidenschaft, der Wille, in Lugano etwas zu bewegen, sowie seine «360-Grad-Kenntnis» vom Eishockey, sagte Andy Näser, der Vizepräsident, der im Verwaltungsrat für den Sport zuständig ist. Die Tatsache, dass er gut und erfolgreich mit jungen Spielern zusammenarbeite, sei aufgrund der Philosophie des HCL ebenfalls zentral gewesen: «Die Millennials haben viel mehr Fragen als früher, und er wird ihnen Antworten geben.»

Einfach wird die Aufgabe beim Playoff-Finalisten 2018 nicht. Nach einer enttäuschenden Saison, die im 0:4-Out im Viertelfinal gegen Zug ihren unschönen Epilog fand, verlor Lugano auch noch seine zwei wichtigsten Einzelspieler: Goalie Elvis Merzlikins, der nach Nordamerika in die Organisation von Columbus wechselte, und Topskorer Gregory Hofmann, den es nach Zug zieht. Allzu lange aufhalten mag sich Kapanen damit nicht: «Erstens kann ich das nicht beeinflussen, und zweitens ist dies auch eine Chance für andere Spieler, grössere Rollen zu bekommen.»

Die Nationalmannschaft im Visier

Als Spieler war Kapanen schon eine Legende: 918 NHL-Spiele und ein halbes Dutzend WM- und Olympiamedaillen sorgen dafür, dass den einstigen Stürmer jeder Hockeyfan in Finnland kennt. Grosse Ambitionen hat er nun auch als Trainer: «Die Konkurrenz ist zwar gross, eines Tages möchte ich aber die finnische Nationalmannschaft trainieren.»

Option auf Chorney eingelöst

Auch personell gab es News. Die Option auf Taylor Chorney wurde eingelöst, damit bleibt der amerikanische Verteidiger auch nächste Saison im Team. Der Assistenztrainer Kapanens sollte in den nächsten Wochen bestimmt werden, daneben läuft die Suche für den Nachfolger von Sportchef Roland Habisreutinger auf Hochtouren.

Erstellt: 08.04.2019, 13:25 Uhr

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