Dieser SCB lässt sich nicht unterkriegen

Gregory Sciaroni schiesst in der Verlängerung das 3:2 für den SC Bern und gleicht so die Finalserie gegen den EV Zug aus. Es ist der verdiente Lohn für die Berner, die sich nicht vom Weg abbringen lassen.

Zu früh gefreut: Kurze Zeit später konnten Gregory Sciaroni und Tristan Scherwey dann aber doch noch das SCB-Siegtor bejubeln.

Zu früh gefreut: Kurze Zeit später konnten Gregory Sciaroni und Tristan Scherwey dann aber doch noch das SCB-Siegtor bejubeln. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Jubeltraube der Berner hat sich wieder aufgelöst, ein Teil der Zuschauer die Plätze schon verlassen, als in der ausverkauften Bossard-Arena das vermeintliche Siegtor Tristan Scherweys auf dem Videowürfel in mehreren Perspektiven gezeigt wird. In einer Einstellung ist eine Kickbewegung erkennbar. Zu diesem Schluss kommen auch die Schiedsrichter, welche sich die strittige Szene auf einem kleineren Bildschirm ebenfalls ansehen. Das Verdikt ist klar: Der Treffer wird annulliert, die Verlängerung in der zweiten Partie des Playoff-Finals zwischen dem SC Bern und dem EV Zug fortgesetzt.

Die Besucher machen weiter, als wäre nichts geschehen. Sie setzen die Zentralschweizer unter Druck und schliesslich nach 64 Minuten und 28 Sekunden, weniger als drei Minuten nach den aberkannten Treffer, doch noch schachmatt. André Heim umkurvt Miro Zryd und passt zur Mitte, wo Gregory Sciaroni EVZ-Keeper Tobias Stephan bezwingt – 3:2. Kurz darauf beschreibt Sciaroni die entscheidende Szene kurz und bündig: «Ich sah, die Scheibe war drin, dann jubelte ich.»

«Egal, wir gehen weiter!»

Die Schlussphase in Zug passt bestens ins Bild, das die Akteure aus Kari Jalonens Mannschaft im Playoff abgeben: Sie bieten nicht immer zauberhaftes Eishockey, aber sie sind stets mit Leidenschaft bei der Sache. Und vor allem: Sie lassen sich nicht unterkriegen. Eine bittere Heimniederlage zum Auftakt einer Serie? Die Berner schlagen zurück. Zwei Gegentore in letzter Minute? Die Berner reüssieren in der Verlängerung. Ein aberkanntes Tor in der Overtime? Die Berner lassen die Köpfe nicht hängen. «Solche Sachen gehören dazu. Wir sagten sofort: Es spielt keine Rolle, wir machen einfach weiter und schiessen noch ein Tor», erzählt Sciaroni.

«Diese Mannschaft hat in diesem Playoff so viel durchgemacht, so viele Rückschläge weggesteckt. Die Jungs machen einfach immer weiter.»Kari Jalonen

Und Gaëtan Haas erklärt: «Wir sahen die Wiederholung auf dem Videowürfel, und es war sofort jedem klar: Das war kein reguläres Tor gewesen. Scherwey fand auf der Bank die richtigen Worte. Er sagte: Egal, wir gehen weiter! Das taten wir, und wir wurden belohnt.» Coach Jalonen meint, er habe nichts sagen müssen. «Diese Mannschaft hat in diesem Playoff so viel durchgemacht, so viele Rückschläge weggesteckt. Die Jungs machen einfach immer weiter.»

Die Leistung der Mutzen war nach dem enttäuschenden Auftritt zwei Tage zuvor erstaunlich. Bei Vollbestand drückten sie dem Geschehen mehrheitlich den Stempel auf, wobei die Rückkehrer Haas und Thomas Rüfenacht für Schwung sorgten. «Wir hatten diesmal viel mehr mentale Energie als im ersten Match. Ich hatte nach dem siebten Spiel gegen Biel mit den starken Emotionen befürchtet, dass es in der ersten Finalpartie schwierig werden würde. Deshalb haben wir der Mannschaft am Freitag freigegeben, das war eine gute Entscheidung», berichtet Jalonen.

Auf dem Eis ging es diesmal gesitteter zu und her, auch wenn drei Aktionen für Aufregung sorgten. Dominic Lammer checkte Daniele Grassi im ersten Drittel, kurz nachdem dieser abgezogen hatte. Der SCB-Flügel verletzte sich am Arm und musste ausgewechselt werden. Heute werden weitere medizinische Abklärungen vorgenommen, aber SCB-Sportchef Alex Chatelain sagt, «es sieht nicht gut aus».

Kurz vor der zweiten Pause wurde Yannick-Lennart Albrecht wegen Goaliebehinderung bestraft. SCB-Keeper Leonardo Genoni hatte sich zumindest nicht gegen den Sturz gewehrt. Im Schlussabschnitt musste Scherwey nach einem Zusammenstoss mit EVZ-Topskorer Lino Martschini die Strafbank aufsuchen. Die Aktion sah auf den ersten Blick brutal aus, auf den zweiten aber harmlos und nicht nach einem Foul. Glücklicherweise schlugen weder die Berner noch die Zuger Profit.

«Es soll Fairplay herrschen»

Jalonen ist zwar auch der Meinung, Scherwey habe sich keinen Regelverstoss geleistet, doch der Finne hält fest. «Es ist ein guter Final, es soll Fairplay herrschen, auch gegenüber den Schiedsrichtern.» Fairplay ist nicht nur moralisch, sondern auch sportlich im Sinn des SCB – denn Zug schoss beide Treffer in Überzahl.

Zweimal nützten die Gastgeber Strafen aus, die sich die Mutzen durch Vergehen in der Offensivzone eingehandelt hatten. Solch unnötige Fouls werden sie sich kaum immer leisten können, denn die erste EVZ-Powerplay-Formation ist brandgefährlich. «Fünf gegen fünf waren wir diesmal besser. Aber das Zuger Powerplay ist sehr gut; wir müssen nun analysieren, was wir dagegen unternehmen können», erklärt Jalonen.

Intensiv über die Taktik Gedanken machen wird sich nach der ersten Heimniederlage im Playoff mit seinen Mitarbeitern auch EVZ-Trainer Dan Tangnes. Morgen Abend kommt es in der Postfinance-Arena zur dritten Runde zwischen dem SCB und dem EVZ. Wer hat diesmal mehr Energie? Und die besseren Nerven?

Erstellt: 15.04.2019, 07:40 Uhr

Artikel zum Thema

Bern gleicht die Serie nach Overtime-Sieg aus

Video Der SC Bern hat sich den Heimvorteil zurückgeholt. In einer spektakulären Partie setzen sich die Berner nach Verlängerung 3:2 durch. Mehr...

Der unerwartete Bösewicht

Zwei Checks gaben im ersten Spiel des Playoff-Finals Bern – Zug zu reden. Der eine dürfte eine lange Sperre nach sich ziehen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Geldblog So sparen Sie bei Haussanierungen Steuern

Geldblog Investieren Sie 3.-Säule-Gelder vorsichtig

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Reparaturen am Schiff: Ein Mann arbeitet auf einer Werft entlang des Buriganga Flusses am südlichen Rand der Stadt Dhaka in Bangladesch. (15. Oktober 2019)
(Bild: Zakir Hossain Chowdhury/NurPhoto/Getty Images) Mehr...