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Jung, exotisch, erfolgreich

Beim heutigen ZSC-Gegner hat sich in kurzer Zeit vieles verändert. Verantwortlich dafür ist ein Mann, der noch keine Playoff-Serie gewonnen hat: Trainer Dan Tangnes.

Marco Keller
Wenn Dan Tangnes an der Bande steht lauschen alle gespannt seinen Worten.
Wenn Dan Tangnes an der Bande steht lauschen alle gespannt seinen Worten.
Peter Klaunzer, Keystone

Es erinnert an ein Familientreffen auf der Medientribüne der Bossard-Arena. David McIntyre scherzt mit Carl Klingberg, dann gesellt sich Tobias Stephan dazu. Die Stimmung ist gut: Ihre Teamkollegen führen nach 40 Minuten gegen Genf-Servette 5:1.

Dass drei Leistungsträger fehlten, wirkte sich kaum aus, und das ist ein Markenzeichen des «neuen» EV Zug. Das Motto lautet: Es ist egal, wer spielt und wer pausieren muss. So ist Pontus Widerström der Ausländer mit den meisten Einsätzen – der Schwede war nur für die EVZ Academy vorgesehen. Sportchef Reto Kläy sagt: «Wenn jemand fehlt, ist das eine Chance für andere.» Welch Kontrast zur Vorsaison: Die Schlüsselspieler genossen unter Harold Kreis Eiszeit à discrétion, waren aber im Playoff ausgebrannt, sodass die ZSC Lions im Viertelfinal leichtes Spiel hatten.

«Ich will aus jedem Spieler das Maximum herausholen, egal, ob jung oder älter.»

Dan Tangnes

Es folgte Dan Tangnes, als erster nordeuropäischer Coach seit Rauno Korpi 1999, ein Mann aus der nicht klassischen Eishockeynation Norwegen. Für Kläy kein Problem: «Ich hätte auch einen Pakistani verpflichtet, wenn der so gut zu unserer Philosophie gepasst hätte.»

Die EVZ-Philosophie besagt, dass mit einer Mischung aus starken Führungsspielern und eigenen Jungen an den sportlichen Machtverhältnissen gerüttelt werden soll. Spätestens, wenn 2020 das 100 Millionen teure Athletik- und Forschungszentrum On Your Marks von Präsident Hans-Peter Strebel eröffnet wird. Und wenn dann auch noch Leonardo Genoni und Grégory Hofmann im Team stehen, noch mehr.

Tangnes schien der ideale Kandidat für diesen Paradigmenwechsel. «Kaum jemand hat mehr Spieler in die NHL begleitet», lobt Kläy. Dabei verfolge er stets das gleiche Credo, sagt der Norweger: «Ich will aus jedem Spieler das Maximum herausholen, egal, ob jung oder älter.»

Der Erstkontakt in der Bar

Tangnes ist erst 39 und doch ein Routinier: Mit 31 übernahm er bei Rögle die U-20, später die erste Mannschaft in der zweiten Liga. Es folgten der Aufstieg, der direkte Wiederabstieg, die Degradierung zum Assistenten, im Oktober 2013 die Entlassung. «Von diesen Erfahrungen habe ich profitiert», sagt er. Später führte er dreimal das junge Team von Linköping ins Playoff, schied aber immer im Viertelfinal aus.

«Er ist ein hervorragender Kommunikator und fordert jeden Einzelnen täglich, das habe ich so ausgeprägt noch nie erlebt.»

Fabian Schnyder

Während jener Zeit wurde auch Kläy auf Tangnes aufmerksam. Das erste Beschnuppern erfolgte nicht via klassisches Bewerbungsgespräch. Kläy sagt lachend: «Wir trafen uns in einer Bar in Malmö.» Beim Zuprosten fand man sich offensichtlich sympathisch: Der Kontakt riss nie mehr ab, und im April wurde der Vertrag unterzeichnet, kurz zuvor hatte Tangnes sein Arbeitspapier in Schweden aufgelöst.

Nun arbeite er zusammen mit den Assistenten Josh Holden und Stefan Hedlund akribisch daran, sein Credo umzusetzen, sagt Teamroutinier Fabian Schnyder: «Er sieht nicht nur das Gesamtbild, sondern das Individuelle. Er ist ein hervorragender Kommunikator und fordert jeden Einzelnen täglich, das habe ich so ausgeprägt noch nie erlebt.» Der Erfolg lässt sich sehen: Lino Martschini hat seine Allround-Qualitäten klar verbessert, seine Plus-Minus-Bilanz gegenüber dem Vorjahr von Plus 2 auf Plus 15 gesteigert. Raphael Diaz schiesst so häufig wie nie und hat schon doppelt so viele Treffer erzielt wie in der gesamten letzten Qualifikation. Und da sind natürlich die Jungen: Stadler, Zehnder, Leuenberger, aber auch Thiry und Senteler: Sie alle spüren das Vertrauen des Trainers in Form von viel Eiszeit.

Die Zwischenbilanz ist gut: Der EVZ ist Erster und steht im Cupfinal. Noch wichtiger sei ein anderer Faktor, sagt Kläy: «Das Energiemanagement stimmt.» Denn vor allem geht es darum, das Image der letzten Jahre abzustreifen. Mit Ausnahme des Ausreissers mit dem Final 2017 gelten die Zuger als Playoff-Versager. Das soll ändern, sagt Schnyder: «Die Qualifikation ist nicht unwichtig, aber wir wollen nachher eine Schippe drauflegen. Darauf arbeiten wir hin, in jedem Warmup, jedem Training, jedem Match.» Auch heute im Hallenstadion gegen die ZSC Lions.

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