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Kapitän auf stürmischer See

Verteidiger Patrick Geering trägt seit dieser Saison das «C» bei den ZSC Lions und kämpft an allen Fronten gegen die Krise an.

Auch offensiv immer aktiver: Patrick Geering bejubelt sein 3:2 in Ambri. Foto: Gabriele Putzu (Keystone/Ti-Press)
Auch offensiv immer aktiver: Patrick Geering bejubelt sein 3:2 in Ambri. Foto: Gabriele Putzu (Keystone/Ti-Press)

Patrick Geering winkt lachend ab auf die Frage, ob er ein Boot auf dem Zürichsee habe. Nein, er gehe im Sommer nur ab und zu in einem Gummiboot auf die Limmat. Als neuer Captain, Pardon ­Kapitän, der ZSC Lions steht er nun aber einem ziemlich grossen Dampfer vor. Und pflegt dieser sonst ganz ruhig durch die Qualifikation zu ­tuckern, ist er nun bereits im September in grössere ­Turbulenzen geraten.

Geering gibt sich alle Mühe, das Schiff auf Kurs zu halten. Am Samstag beim 5:4 in Ambri ist er omnipräsent, über 25 Minuten auf dem Eis, Schütze des 3:2 und Assistent beim Siegestor Petterssons in der Overtime. «Es war ein Chrampf und Kampf», sagt er. «Wir wussten: Wir müssen gewinnen.»

Es ist für den 27-Jährigen kein sanfter Einstieg in die neue ­Aufgabe. Nicht, dass er sich beklagen würde. Er sagt: «Letztes Jahr spielten wir am Anfang auch nicht gut und kamen meistens noch durch. Diesmal halt nicht mehr. Das muss gar nicht schlecht sein. Es zeigt uns, dass wir noch viel Arbeit haben. Vor allem die Fehler gilt es auszumerzen.»

Die Rolle nicht aktiv gesucht

Geering suchte die Captainrolle nicht ­aktiv. Als 2016 der ­damalige Sportchef ­Edgar Salis das Thema erstmals aufbrachte, sagte er, dass er diese Rolle nicht möchte, solange Seger noch dabei sei. In diesem Sommer kam nun Sven Leuenberger auf ihn zu und fragte ihn, ob er ZSC-Captain werden wolle. Gee­ring willigte ein, nachdem er sich mit Seger unterhalten hatte. «Er sagte, er werde mich zu 100 Prozent unterstützen.» Was wie eine Floskel klingen mag, charakterisiert Geering gut: «Ich möchte das Beste fürs Team. Und wenn die ­anderen finden, es sei besser, wenn ich Captain sei, sage ich nicht Nein.»

Seger ist der einzige Captain, den ­Geering beim ZSC erlebte. «Für mich ist er der klassische Leader», sagt der Verteidiger. «Mit seiner Leidenschaft und seiner sozialen Kompetenz. Ich kann mir keinen besseren Captain vorstellen.» ­Geering ist ein anderer Typ, ruhiger, einer, der primär mit seinem guten Beispiel ­voranschreitet. Er wolle sich durch das «C» nicht gross verändern, sagt er. «Ich bin in der Garderobe immer noch mehr oder weniger der Gleiche. Wenn ich das Gefühl habe, ich müsse etwas ­sagen, sage ich es. Wenn nicht, dann nicht. Es wäre nicht glaubwürdig, wenn ich meinen würde, ich müsse jetzt die grossen Reden schwingen.»

Er sei in der Schule kein Alphatier gewesen, erzählt Geering. «Aber bei Projektarbeiten, die mich interessierten, übernahm ich gerne den Lead.» Und das Projekt ZSC Lions liegt ihm am Herzen. In Schwamendingen aufgewachsen, zwei Kilometer vom Hallenstadion ­entfernt, ist er das klassische «Eigen­gewächs». Er sagt: «Ich finde es cool, wenn Eigene die Captainrollen übernehmen. Auch bei anderen Teams. Das ­fördert die Identifikation.»

Er durchlief alle Nachwuchsstufen und debütierte mit 18 in der ersten Mannschaft. Seitdem gehört er zum Inventar. Es fällt schwer, ihn sich im Dress eines anderen NLA-­Teams vorzustellen. Auch wenn er vor seiner Vertragsverlängerung bis 2019 mit dem SCB flirtete.

Bob Hartley als Lieblingstrainer

Mit seinen 1,78 Metern in der Verteidigergilde einer der Kleineren, zeichnete sich Gee­ring schon früh durch seine Hart­näckigkeit in den Zweikämpfen und Wendigkeit aus. Der Trainer, der ihn am meisten prägte, war Bob Hartley. Obschon der Kanadier nur für die Meistersaison 2011/12 blieb. «Von ihm habe ich viel profitiert, weil er extrem auf Details achtete. Er lehrte mich Dinge, die ich zuvor noch nie gehört hatte. Etwa, wie man den Stock auf dem Eis halten muss, um Passwege zuzumachen. Hartley dachte immer ein, zwei Spielzüge voraus.»

Dass Geering ausgerechnet den Drillmeister als seinen bevorzugten Trainer nennt, zeigt, dass er kein Problem damit hat, hart zu arbeiten. Und so hat er sich kontinuierlich entwickelt, ist er auch einer der besseren Offensivverteidiger geworden. Er musste sich lange gedulden, bis er endlich einen Platz im Powerplay erhielt. Marc Crawford traute ihm das nicht zu, Hans Wallson baute ihn im Verlaufe der letzten Saison in Überzahl sein. Aktuell lenkt er an der blauen Linie das erste ZSC-Powerplay.

Aber ist es für Geering nicht schwierig, dass Überfigur Seger noch dabei ist? «Nein, gar nicht», sagt er. «Und Seger ist immer noch gleich kommunikativ wie ­immer.» Vielleicht hat er Geering schon erzählt, dass auch sein erstes Jahr als Captain, als Nachfolger Mark Streits, alles andere als reibungslos verlief. 2005/06 retteten sich die ZSC Lions erst nach drei Trainerwechseln im Playout-«Final» gegen Fribourg vor dem ­Abstieg.

Trotzdem wurde aus Seger ein ganz passabler und erfolgreicher Captain.

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