Kein Kinderspiel für den ZSC

Der Meister unterliegt dem arg dezimierten HC Davos im ausverkauften Hallenstadion 1:5. Diese Pleite dürfte Serge Aubin zu denken geben.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Man muss den ZSC Lions zugestehen, dass sie immer mal für eine Überraschung gut sind. In diesem Winter des Öfteren für eine böse. So wie am Sonntag. Der kriselnde HCD war mit dem ­letzten Aufgebot ins Unterland gereist, mit nur einem ausländischen Feldspieler (Lindgren), doch statt einer ZSC-Gala setzte es die höchste Saisonniederlage ab. Ein 1:5 gegen den Zweit­letzten.

Dabei wäre die Bühne für die Zürcher perfekt gewesen, um ­etwas PR in eigener Sache zu machen. 11 200 waren gekommen, darunter rund tausend Lion-Kids, also zukünftige Saisonkarteninhaber. Doch vom Anfang bis zum Schluss passte bei den Zürchern nichts zusammen.

Es begann damit, dass No­reau Spalier stand, als Frehner nach nur 96 Sekunden zum 1:0 für die Gäste ablenkte. Und endete mit dem verzweifelten Versuch Serge Aubins, mit sechs gegen vier Feldspielern das Anschlusstor zu erzwingen – worauf Ambühl noch zum 5:1 ins verlassene ZSC-Tor traf. «Es war einfach einer dieser Tage», stellte Aubin kopfschüttelnd fest. «Vom ersten Gegentor erholten wir uns nie mehr richtig.» Das ist für ein Team vom Kaliber der ZSC Lions doch erstaunlich. Je länger, desto hilfloser wurden die Zürcher Angriffe, je weniger funktionierte die Angriffsaus­lösung, je mehr verstrickten sich die Stürmer in aussichtslose Dribblings.

Am Freitag beim wilden Ritt zum 5:4 in Lausanne war noch die Sturmreihe um Prassl vorangeschritten. Diesmal funktionierte keine Linie so richtig, und als es Aubin zu Beginn des Schlussabschnitts mit neuen Kombinationen versuchte, handelte sich Prassl gleich eine Strafe ein, die zum 1:4 durch Lindgren (42.) führte.

Dünn auf der Centerposition

In Abwesenheit der verletzten Suter und Cervenka fehlt den Zürchern mindestens ein offensiv ausgerichteter Center. Man kann ja nicht erwarten, dass es Prassl jedes Mal richtet. Und bei Cervenka ist nach seiner Thrombose eine Rückkehr nicht absehbar. Wie Wick wird er in diesem Jahr den ZSC-Dress nicht mehr überstreifen. Es wäre überraschend, würde er sein Comeback vor Februar geben.

Angesichts dieser Probleme auf der Centerposition ist es gut, dürfte auf nächste Saison von Biel Dominik Diem zurückkehren und konnten die Verträge mit Prassl und Schäppi bis 2021 verlängert werden. Doch zurück zur Gegenwart: Mit 32 Punkten liegen die ZSC Lions auf Rang 7, punktgleich mit Servette auf Rang 9. Man hatte nach der Transferoffensive auf diese Saison hin schon etwas mehr erwartet. Und so richtig ist nicht abzuschätzen, wohin die Reise mit Serge Aubin geht. An schlechten Tagen wie am Sonntag sieht es aus, als spielten die Zürcher Freestyle-Eishockey ohne klare taktische Vorgaben.

Chris Baltisberger widerspricht: «Wir waren zuletzt auf einem guten Weg. Auch systemmässig.» Gegen Davos hätten einfach drei Flüchtigkeitsfehler zu den ersten drei Gegentoren geführt – und dann werde es schwer. «Vielleicht war das nur der Schritt zurück, um wieder zwei nach vorne zu machen», sagte Baltisberger. Nicht wegzudiskutieren ist aber, dass sich die ZSC Lions im Hallenstadion schwertun. Von acht Heimspielen haben sie nur zwei nach 60 Minuten gewonnen, ihre Ausbeute auf eigenem Eis (elf Punkte) ist die zweitschlechteste der Liga.

Weiter gegen den SC Bern

Weil die Zürcher ja bereits im Cup gescheitert sind, geht es für sie erst am Freitag weiter – gegen den SCB, erneut zu Hause. Am Samstag folgt die Fahrt nach Biel. «Es ist gerade gut, dass es gegen zwei Topteams weitergeht», fand Baltisberger. Das Selbstverständnis scheint beim Meister durch Niederlagen wie gegen den HCD jedenfalls nicht zu leiden.

ZSC Lions - Davos 1:5 (1:3, 0:0, 0:2)
11'200 Zuschauer (ausverkauft). SR Lemelin/Stricker, Kovacs/Wüst.
Tore: 2. Frehner (Dino Wieser) 0:1. 8. Bodenmann (Geering/Ausschluss Jung) 1:1. 19. (18:02) Kparghai (Pestoni) 1:2. 19. (18:23) Ambühl (Du Bois) 1:3. 42. Lindgren (Du Bois/Ausschluss Prassl) 1:4. 57. Ambühl (Lindgren/Ausschluss Lindbäck!) 1:5 (ins leere Tor).
Strafen: 2mal 2 Minuten gegen ZSC Lions, 5mal 2 Minuten gegen Davos.
PostFinance-Topskorer: Hollenstein; Pestoni.
ZSC Lions: Schlegel (21. Flüeler); Klein, Phil Baltisberger; Noreau, Geering; Blindenbacher, Marti; Ulmann, Berni; Pettersson, Schäppi, Bodenmann; Miranda, Shore, Hollenstein; Chris Baltisberger, Prassl, Bachofner; Karrer, Hinterkircher, Herzog.
Davos: Lindbäck; Du Bois, Jung; Heldner, Barandun; Kparghai, Payr; Buchli; Marc Wieser, Lindgren, Ambühl; Pestoni, Bader, Hischier; Frehner, Egli, Dino Wieser; Meyer, Aeschlimann, Kessler.
Bemerkungen: ZSC Lions ohne Cervenka, Nilsson, Suter, Sutter und Wick, Davos ohne Corvi, Nygren, Paschoud, Rödin und Stoop (alle verletzt). - Timeout ZSC Lions (56.).

Erstellt: 25.11.2018, 15:34 Uhr

Artikel zum Thema

Arcobello schiesst den SCB zur Tabellenführung

In einer spektakulären Partie gewinnt der SC Bern in Zug 4:3. Auch der ZSC gewinnt. Die Lions schlagen Lausanne 5:4. Mehr...

Der finnische Tiefschlag kurz vor Schluss

Video 73 Sekunden vor Spielende kassiert der ZSC in Oulu das entscheidende Gegentor. Nach dem 2:3 sind die Lions in der Champions Hockey League ausgeschieden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blogs

Sweet Home So wird das Stöckli wieder modern

Never Mind the Markets Wohneigentum wird unerschwinglich? Gut so!

Die Welt in Bildern

Spielvergnügen: Kinder spielen in einem 20'000 Quadratmeter grossen und zwei Kilometer langen Maislabyrinth bei «Urba Kids» in Orbe, Waadt. (22. August 2019)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...