Keine Revolution, aber vielversprechend

Der Auftakt ins neue ­TV-Zeitalter im Eishockey mit ­Mysports ist geglückt. Die eigene Vorgabe des ­Senders ist aber zu hoch.

Der Eischockey-Start auf Mysports mit Steffi Buchli ist mit vielen guten Ansätzen durchaus geglückt.

Der Eischockey-Start auf Mysports mit Steffi Buchli ist mit vielen guten Ansätzen durchaus geglückt. Bild: Keystone

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Von der Revolutionierung der Hockey-Berichterstattung war bei Mysports die Rede gewesen. Wer das ankündigt, muss sich mit Nordamerika und den Bildern und Formaten, die aus der grossen NHL produziert werden, vergleichen lassen: Die Art und Weise, das Eis­hockey medial zu verkaufen, ist in den USA und Kanada einzigartig. Und wird es wohl auch ­bleiben – schon nur, um in diese Nähe zu kommen, fehlen Mysports schlicht die Ressourcen.

Und bleibt man beim harten Vergleich mit Nordamerika und dem ­Anspruch des Fachsenders, fehlt es nach den ersten zwei Sendetagen vorerst auch noch ein wenig an Tiefe und vor ­allem an Tempo. Letzteres gehört zu einer schnellen Sportart wie Eishockey, gerade die Premiere am Freitag war bei der Einleitung und den Analyse-Elementen zu langatmig.

Viele gute Ansätze sind aber da, auch wenn die gewollte Abgrenzung von Teleclub, dem Vorgänger, dem man die Rechte an den Livespielen für 35 Millionen Franken pro Jahr weggeschnappt hat, nicht fundamental ist. Vieles wirkt vertraut, auch weil diverse Moderatoren und Kommentatoren vom Rivalen abgeworben wurden.

Appetit auf Signorells Film

Auch Mysports setzt auf das bewährte Format des langen Eishockeyabends mit Diskussionen und Analysen im Studio vor, während und nach den Livespielen. Dieses steht und fällt mit den ­geladenen Gästen. Der Samstag brachte da einen erfrischend guten Mix mit der Sachlichkeit des Nachwuchstrainers und früheren Spielers Dario Kostovic und dem Schalk des Genfer Stürmers Tanner ­Richard – vor allem Ersterer war eine positive Überraschung. Appetit machte am Freitag auch der Teaser für die Dokumentation des Filmemachers und ehemaligen Stürmers Riccardo Signorell, der drei NLA-Akteure im Sommertraining begleitet hat. Sie wird heute Abend in voller Länge ausgestrahlt.

Es gibt und gab auch Kritikpunkte. Dass in der Nachbetrachtungssendung «Back Check» nur ein kleiner Bruchteil aller Tore des Abends gezeigt wird, ist unbefriedigend, auch wenn beim Wunsch auf Vollständigkeit der Verweis auf die Onlineplattform von Mysports erfolgt. Die kleinen Pannen und Verwirrungen am Freitag bei den Wechseln zwischen den Formaten «Holy Shift» (Pre-Game-Talk), Livematch und «Back Check» können als Startschwierigkeiten abgehakt werden. Ärgerlicher sind eher Momente, wenn im Studio der Experte mit Bildbeweis und Analyse vom ersten Tor des ZSC-Jünglings Raphael Prassl schwärmt, während auf dem 18 Meter breiten Megascreen dahinter klar zu ­erkennen ist, dass der Torschütze Chris Baltisberger ist.

Die erste Kuriosität hat Mysports ebenfalls bereits hinter sich. Studiogast Eric Blum, ein verletzter SC-Bern-Spieler, verliess am Freitag die Sendung bereits um 19.40 Uhr, also unmittelbar vor den Livespielen. Wie Moderatorin Steffi Buchli erklärte, sei dies den SCB-Regeln vor Spieltagen geschuldet. Auch wenn in Bern die Existenz solcher Regeln ­dementiert wird – in der Hockeyszene sorgte das Episödchen unter dem Motto «Der kleine Eric muss ins Bett» für ein oder zwei Lacher. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2017, 17:36 Uhr

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