Klasen stürzt den HC Lugano in ein Dilemma

Bei den Tessinern ist er meist überzähliger Ausländer, am Spengler-Cup ist der Schwede als Verstärkungsspieler des HCD die grosse Attraktion.

Bei Lugano nicht gebraucht, bei Davos wirbelt er: Linus Klasen.

Bei Lugano nicht gebraucht, bei Davos wirbelt er: Linus Klasen. Bild: Keystone

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Der HC Davos hat es primär Klasen zu verdanken, dass er am Heimturnier zwei Siege auf dem Konto hat und am Sonntagabend im Halbfinal gegen KalPa Kuopio steht. Der filigrane Stürmer bereitete beim 3:2 gegen Nürnberg zwei Tore mit Zuckerpässen vor und erzielte beim 3:1 gegen Trinec die beiden matchentscheidenden Tore selbst. Klasen ist die herausragende Figur am 92. Spengler-Cup.

Doch in Davos ist er nur als Gastspieler. Und bei seinem richtigen Arbeitgeber Lugano ist sein Alltag weniger berauschend. Zumeist ist der 32-Jährige Rotschopf in der Resega ein fürstliche entlöhnter Tribünenbesucher, denn sein dortiger Trainer Greg Ireland liess ihn in dieser Saison gerade mal während 11 Partien mitspielen.

Das Problem: Klasen ist ein Genie, aber auch ein Freigeist. Und Ireland ist ein kanadischer Trainer alter Schule, dem die Haare zu Berge stehen, wenn einer seiner Schützlinge zu kreativ wird und seine Position verlässt. Dass Klasen und Ireland das Heu nicht auf der gleichen Bühne haben, ist kein Geheimnis.

Ursprünglich war sein Davoser Gastspiel daher eine Win-Situation für alle. Der HCD bekommt für den Spengler-Cup einen attraktiven Verstärkungsspieler und Linus Klasen Spielpraxis, wovon ja auch der HC Lugano profitiert. Doch inzwischen heissen die Gewinner nur noch HC Davos und vor allem Klasen, während es für den aktuell nur auf Rang 9 liegenden HC Lugano und vor allem deren Trainer Ireland fast schon peinlich wird, weil ihr verstossenes Genie im Bündner Ferienort derart überragend auftritt.

Witolinsch würde Klasen am liebsten behalten

Das Schicksal will es jetzt auch noch, dass sich Davos und Lugano in der ersten Meisterschaftsrunde im neuen Jahr am 2. Januar gegenüberstehen. Klasen wird dann wieder ein Teil des HC Lugano sein, doch lässt ihn Ireland dann auch spielen? Eine Entscheidung von Brisanz, denn aufgrund der ungemütlichen Tabellenlage spielt Ireland im Januar nicht zuletzt auch um seinen Job. Mit oder ohne Klasen? Oder richtet die Klasen-Frage am Ende gar über seinen Arbeitsplatz?

HCD-Trainer Harijs Witolinsch ist jedenfalls begeistert von Klasen und würde ihn am liebsten nicht mehr hergeben, das sei «ein so guter Spieler und natürlich wäre er auch für die Meisterschaft eine gute Verstärkung für uns.» Etwas geheimnisvoll sagt Witolinsch auch noch: «Man weiss nie was kommt.»

Die Situation ist heikel

Wirklich realistisch erscheint es jedoch nicht, dass Lugano Klasen an Davos abtreten würde, denn erstens ist der HCD ein direkter Strichkonkurent der Tessiner und zweitens würden die üppigen Salärbezüge des Nordländers das Lohngefüge der Bündner sprengen.

Klasen selbst versucht sich so professionell wie möglich zu geben und will sich natürlich die Finger nicht verbrennen. Die Situation ist zu heikel. «Jetzt bin ich in Davos und mein ganzer Fokus gehört dem HC Davos. Danach werde ich wieder zurück in Lugano sein und mein ganzer Fokus gehört dem HC Lugano. Ich bin Profi und das ist ein Teil des Geschäfts», sagt der Schwede. Dass er in Lugano so wenig spiele, sei nicht seine Entscheidung. Er fühle sich in guter Form und auch sein Selbstvertrauen sei stets intakt gewesen, «aber ich bin Spieler und habe das zu tun, was mir der Coach sagt.»

Was Linus Klasen nicht sagt, aber ausser Frage steht: Ihm wäre es viel lieber wenn dieser Coach nicht Greg Ireland heissen würde.

Erstellt: 30.12.2018, 14:59 Uhr

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