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Kloten im freien Fall

Der Rückstand aufs Playoff wächst. Nach der 11. Niederlage in 12 Spielen rücken für den EHC andere Ziele in den Fokus.

Dass die Qualifikation mit 50 Spielen zu lang sei, ist eine sogar von Fans oft gehörte Klage. Welche Bedeutung hat da die einzelne Runde noch? Deutlich Antwort auf diese Frage gab der Samstag: eine immense. Gut möglich, dass das Rennen ums Playoff 2017 an einem verschneiten Januarwochenende entschieden wurde.

Das liegt einerseits an Davos und Servette, die ihre Auswärtsspiele gegen die Tabellenletzten gewannen. Und es liegt an Kloten und den SCL Tigers, jenen Teams, die auf den Rängen 9 und 10 die nächste Konkurrenz um den letzten Playoff-Platz waren. Weil Kloten verlor, beträgt die Differenz zwischen Playoff und Nicht-Playoff neu 7 Punkte.

Es liessen sich nun allerhand Rechnungen anstellen. Dass Lugano zwei Spiele mehr bestritt als der EHC und darum eigentlich bloss einen Punkt vorne liegt. Dass der EHC noch 12 Partien absolvieren kann, theoretisch also 36 Punkte holen könnte. Dass im Schnitt 69 Punkte reichen, seit die Liga das Pensum auf 50 Saisonspiele erhöhte. Und dass dem EHC nur 23 Punkte bis zu dieser Marke fehlen – eine machbare Ausbeute.

Das Dumme an solchen Beispielen ist nur: Sie haben nicht das Geringste mit der Klotener Wirklichkeit zu tun. Diese 23 Punkte aus 12 Spielen sind der Wert eines Spitzenteams. Bern, Lausanne, Zug und der ZSC erreichten ihn in ihrem letzten Dutzend Spiele, sonst niemand. Und die Klotener sind kein Spitzenteam, sondern das genaue Gegenteil.

Das ahnt, wer sie in den letzten Wochen spielen sah. Das zeigt sich in der aktuellen Negativserie, die bei 11 Niederlagen in 12 Spielen steht. Und das bestätigt der Vergleich mit der Konkurrenz. In der Tabelle seit Anfang Dezember ist der EHC mit 5 Punkten aus 12 Spielen abgeschlagen Letzter.

Und weil mit Ambri und den SCL Tigers auch die anderen beiden Teams, die immer noch aufs Playoff hoffen, die Top 8 der jüngeren Vergangenheit verpassen, haben Biel, Davos, Servette und Lugano wenig Anlass, den Angriff eines formstarken Teams zu fürchten.

Die vier erfolglosesten Mannschaften der NLA sind leicht zu bestimmen, und der EHC Kloten ist von ihnen die schlechteste.

Nun ist es im Eishockey wie im russischen Roman. «Jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich», heisst es in «Anna Karenina», und das Unglück der Klotener Eishockeyfamilie unterscheidet sich durchaus von jenem ihrer Schicksals­genossen. Von der ewigen Selbstüberschätzung bei Fribourg, dem ewigen Existenzkampf in Ambri und der bemerkenswerten Emmentaler Fähigkeit, aus wenig Mitteln das Beste zu machen und auch einen 10. Rang als kulturelle Leistung zu empfinden – der Anschluss an die Grossclubs ist ja immer noch gegeben. 6000 kamen für dieses Erlebnis am Samstag in die Ilfishalle, sie war zum 8. Mal ausverkauft.

Von solcher Auslastung, solcher Begeisterung können sie in Kloten nur träumen. Ihre neue Bescheidenheit mag sich in einem besseren Jahresergebnis niederschlagen, doch die Zuschauer goutieren den EHC noch nicht wie gewünscht, und ein einziger Sieg seit November ist auch nicht dazu angetan, mehr Publikum anzulocken.

Unterschätzter Sanguinetti?

Erklärungen fürs Tief scheint es mehrere zu geben, überzeugen tut fast keine. Viele, auch prominente Verletzte hatte Kloten Anfang Saison schon, nur drei Ausländer ebenfalls. Der Abgang von Santala tut weh, doch die Niederlagenserie fing bereits drei Wochen vorher an. Das einzige Ereignis, das mit der Misere zusammenfällt, bleibt die Hirnerschütterung von Bobby Sanguinetti. Seit er fehlt, geht fast nichts mehr. Womöglich ist der Amerikaner, dessen Rückkehr fürs Wochenende erhofft wird, doch weit mehr als ein Offensivverteidiger.

Dass er seinen Club ins Playoff führt, erscheint mittlerweile unwahrscheinlich. Doch Punkte braucht der EHC so oder so: Notfalls für die Platzierungsrunde, wo die letzten vier in einer Doppelrunde gegeneinander antreten. Weil anschliessend die letzten zwei ausmachen, wer in die Ligaqualifikation muss, wäre der rettende 10. Platz das nächste Saisonziel. 75, 71 und 78 Punkte reichten dafür in den bisherigen Austragungen. Aus Kloten-Sicht gesagt: mindestens 25 Punkte aus 18 Spielen, 1,39 im Schnitt.

Das sind mehr, als der EHC in dieser Saison holte (1,21), über dreimal so viele, wie es seit Dezember gab (0,42). Der Steigerungsbedarf in Kloten ist enorm – nicht nur mit Blick aufs Playoff.

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