Die Sorgen eines Seriensiegers

Nach dem 3:1 gegen EVZ Academy beschäftigt sich Leader Kloten mit mentalen Mängeln und Transfers.

Mit Kloten obenauf: Per Tanberg und sein Team haben nun elfmal in Folge gewonnen. (Bild: Christian Merz)

Mit Kloten obenauf: Per Tanberg und sein Team haben nun elfmal in Folge gewonnen. (Bild: Christian Merz)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wenn ein Eishockeytrainer den Auftritt seiner Mannschaft mit Badminton vergleicht, ist das nicht als Kompliment gemeint. Genau das tat Kloten-Coach Per Hanberg nach dem 3:1 über die EVZ Academy. Und meinte speziell das torlose Startdrittel. Es passte so gar nicht zu einem Team, das drei Tage zuvor gegen denselben Gegner sechs Tore geschossen hatte. Es passte auch schlecht zu einem Team, dessen Siegesserie inzwischen elf Spiele lang ist. Aber es passte umso besser zum Applaus, mit dem dieser Sonntag zu Ende ging.

Als bester Spieler beim Leader wurde nämlich Luis Janett geehrt. Der 19-jährige Goalie, der 15 von 16 Zuger Abschlüssen pariert hatte, auch sein drittes Spiel in der Swiss League als Sieger ­verliess und seine Fangquote auf starke 93,3 Prozent erhöhte. «Ich bin nicht überrascht», lobte Hanberg, «Luis ist wirklich gut.»

Ansonsten war der Trainer wenig begeistert. «Das Resultat war gut, die Leistung nicht», bilanzierte der Schwede, Er sprach von einem mentalen Problem und davon, dass seine Spieler nicht bereit gewesen sein. «Das erste Drittel war wie ein Badminton-Match: keine Emotionen, keine Checks. Wir fuhren einfach ein bisschen herum.»

Die Probleme des Tabellenführers: noch ungewohnt

Das sah dann so aus, dass ­Figren, Faille und Knellwolf, dem zuletzt dominanten ersten Sturm, fast nichts gelang oder in bester Schussposition der Stock brach. Und dass sonst keiner bereit schien, in die Bresche zu springen. Womöglich sind das die noch ungewohnten Probleme eines Tabellenführers: dass die Stärkeverhältnisse im Voraus so klar sind, dass man glaubt, der Erfolg komme von selbst.

Hanberg sieht diesbezüglich Verbesserungspotenzial. Man müsse nicht nur seine Muskeln trainieren, sondern auch die mentale Einstellung, «Die Leute bezahlen Geld dafür, dass wir sechzig Minuten hart arbeiten – heute haben wir das nicht getan», so der 52-Jährige. Und schiebt nach: «Aber wir ­haben gewonnen. Und das macht mich glücklich.»

Das versöhnliche Ende verdanken die Klotener einer Steigerung nach der ersten Pause sowie der späten Erlösung, die Truttmanns 2:1 bedeutete (46.). Danach sicherte Janett mit ­mehreren Glanzparaden den Vorsprung, ehe Lemm im Powerplay die Entscheidung gelang.

«Eine dumme Regelung und Geldverschwendung für alle»

Genau 44 Tage ist es jetzt her, dass Kloten in der Meisterschaft zum letzten Mal verloren hat. Und genau 44 Tage dauert es noch, bis die Unterländer ins Playoff starten. Hanberg spricht davon, dass auch Leistungen wie gegen die Academy Lehren sein können. Und er hat ein Problem.

Denn wenn am 19. Februar das Playoff beginnt, ist der Spielermarkt bereits zu. Falls Kloten einen weiteren Ausländer verpflichten will, muss es das bis zum 15. Februar tun. Und könnte ihn dann im Extremfall über zwei Monate pausieren lassen, ehe es ihn in der Ligaqualifikation, wo pro Club drei Ausländer spielberechtigt sind, einsetzt. In der Swiss League wäre ein zusätzlicher Ausländer höchstens im Fall einer Verletzung von Faille oder Figren von Nutzen, denn auf diese beiden möchte Hanberg nicht verzichten. «Doch wie findet man einen Ausländer, der bereit ist, für zwei Monate zu kommen, aber nie zu spielen?», beklagt der Schwede den frühen Transferschluss. Der sei «eine dumme Regelung und Geldverschwendung für alle».

Ändern kann sie Hanberg allerdings ebenso wenig wie Sportchef Felix Hollenstein. Im Moment diskutieren die beiden das Thema, noch sei aber keine Entscheidung gefallen. Aus seinen eigenen Wünschen macht der ehrgeizige Hanberg keinen Hehl: «Natürlich will ich einen dritten Ausländer.»


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:

Erstellt: 05.01.2020, 20:13 Uhr

Artikel zum Thema

Der zehnte Sieg war harzig

Kloten spielt zwar schlecht, findet Trainer Per Hanberg, bezwingt zum Start ins 2020 die EVZ Academy dennoch 6:4. Mehr...

Mit dem Selbstvertrauen eines Leaders

Kloten schlägt im Spitzenspiel der Swiss League Olten 3:2 nach Verlängerung. Mehr...

Aus der Rücklage zum achten Sieg in Folge

Kloten lag in Biasca 0:1 und 1:2 zurück, siegte aber nach Penaltyschiessen 3:2. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Blogs

Mamablog Vaterschaftsurlaub – der Krimi geht weiter

Sweet Home Grosses Theater zu Hause

Die Welt in Bildern

Klebriger Protest: Eine PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) Aktivistin protestiert im Vorfeld der Mailänder Fashion Week gegen die Lederindustrie indem sie sich mit schwarzem Schleim übergiesst. (18. Februar 2020)
(Bild: Flavio Lo Scalzo) Mehr...