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Kloten und sein fragiles Glück

Die Siegesserie des EHC ging gegen Ajoie nach zwölf Spielen zu Ende. Und doch könnte es beim Leader der Swiss League kaum besser laufen.

Kein Grund traurig zu sein: Dominic Nyffeler und seine Teamkollegen vom EHC Kloten sind trotz der Niederlage gegen Ajoie Tabellenführer. Bild: Leo Wyden
Kein Grund traurig zu sein: Dominic Nyffeler und seine Teamkollegen vom EHC Kloten sind trotz der Niederlage gegen Ajoie Tabellenführer. Bild: Leo Wyden

Es gibt zwei Arten von Glück. Das eine verdankt sich dem Zufall– wenn zum Beispiel die Roulettekugel auf die erhoffte Zahl fällt. Das andere Glück ist nachhaltiger. Es stellt sich ein, wenn man viel investiert hat – und ­dafür belohnt wird. Es bleibt auch bestehen, wenn es einmal nicht läuft wie gewünscht. «Das tut uns gut», sagt Pascal Signer, ein paar Sekunden nachdem ­seine Mannschaft die Overtime gegen Ajoie verloren hat. Es ist Klotens erste Niederlage nach zwölf Siegen in Folge.

Seit dem Abstieg 2018 ist der Ostschweizer CEO des EHC. Er verfolgt den Match zusammen mit Mike Schälchli, dem interimistischen Verwaltungsratspräsidenten. Die beiden sehen, wie ihr Club die ersten Drittel jeweils 0:1 verliert. «Sie können immer reagieren», ist Schälchli in der zweiten Pause trotzdem überzeugt.

Er bekommt recht. Mit der Selbstverständlichkeit des Leaders erzielt Forget den Anschlusstreffer. «Jetzt wirds spannend», kündigt Signer an. Eine Minute später erhält Kloten einen Penalty. «Lemm», sagt der CEO, noch ehe der Trainer einen Schützen aufs Eis geschickt hat. Lemm läuft an und trifft zum 2:2. Die Swiss-Arena tobt. Die komplette Wende bleibt nur aus, weil Topskorer Faille später den Pfosten trifft und Kindschi in der Verlängerung entscheidend den Puck verliert. Es ist das erste Mal diese Saison, dass Kloten nach über sechzig Minuten Spielzeit unterliegt.

Lächeln trotz Niederlage

Ein Stimmungskiller ist das nicht. «Wir haben das Selbstvertrauen, dass nach einer Niederlage alle wissen: Das war ein ­Ausrutscher, das nächste Spiel gewinnen wir wieder», so Signer. Die Zahlen bestätigen das: In 36 Meisterschaftsspielen gab es für Kloten kein einziges Mal zwei Niederlagen in Folge.

So endete am Samstag eine ­Serie, ohne dass irgendjemand in ­Kloten unglücklich wirkte. Schälchli und Signer konnten im 2:3 einen Charaktertest erkennen. Trainer Hanberg erklärte zwar, dass er gar nicht glücklich sei über das Ende der Serie – aber er lächelte dazu. Und das Publikum sorgte bis lange nach Spielschluss dafür, dass die Stadionbar «Wöschchuchi» aus allen Nähten platzte.

Kurz: Kloten im Januar 2020 ist ein glücklicher Club mit glücklichen Fans. Es ist ein Moment, in dem eigentlich die Zeit stehen bleiben sollte. Denn das Glück ist fragil und wird bedroht – auch durch den eigenen Erfolg.

«Wir wollen in den Final»

All die Siege, die Tabellenführung, die beste Abwehr der Liga, die beste Tordifferenz, das beste Powerplay, der höchste Zuschauerschnitt, die beste Stadionauslastung deuten nämlich darauf hin, dass der EHC für die Swiss League fast zu gut ist. Es klingt bescheiden, wenn Schälchli sagt: «Wir wollen in den Final.»

Damit wären bei Kloten erstmals seit über einem Jahrzehnt schwarze Zahlen in der Jahresrechnung möglich. Es wäre die Belohnung für vieles, was sie beim EHC seit dem Abstieg 2018 geschafft haben. Die klare Trennung von Sport und Administration vor allem sowie die breitere Abstützung durch vier Eigentümer und ein Dutzend sogenannter «Freunde», die dem Club per Defizitgarantie zur Seite stehen. Der Präsident, den Schälchli ­lieber «Vorsitzender» nennt, soll nicht wie früher Alleinherrscher sein. Der vorweihnachtliche Abgang von Rolf Tresch nach wenigen Monaten Amtszeit ist in diesem Licht zu sehen: Der Zuger hätte wohl gerne mehr bewegt.

Aber könnte dieses System auch eine Liga höher funktionieren, wenn das Budget plötzlich 15 statt 9 Millionen Franken beträgt? Und umgekehrt: Wie reagiert das Publikum, falls Kloten über Jahre ohne Titel in der Swiss League bleibt? Ein zweites Olten wollen sie auf keinen Fall werden im Unterland. So, wie es heute ist, wäre es eigentlich perfekt.

3. Ausländer soll kommen

Trotzdem agieren die Klotener, wie ein aufstiegswilliger Club das muss. Sie werden in den kommenden Wochen einen dritten Ausländer verpflichten – das Überangebot an Stürmern im Team spricht eher dafür, dass es ein Verteidiger wird. Sie betonen, dass bis zum Playoff-Start am 19. Februar noch viele wichtige Spiele anstehen. Man könnte auch sagen: Sie leben im Moment. In einem Moment, der für sie voller Glück ist. Was bedeutet da das Ende einer Siegesserie?

Eine aufschlussreiche Antwort gibt Olten. Wie Kloten ­verloren die Solothurner an einem 23. November ihren letzten Match und setzten dann zur Siegesserie an. Wie bei Kloten fand diese Serie an einem 11. Januar ihr Ende. Der Unterschied: Bei Olten geschah das vor sechs Jahren, lagen 14 Siege zwischen den Niederlagen. Auf eine weitere Parallele würden sie im Unterland gerne verzichten: Qualifikationssieger Olten schied danach in der ersten Playoff-Runde sang- und klanglos aus.

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