Flyers-Präsident erwirbt Lausanne

Ken Stickney springt in Kloten ab. Doch die kanadische Investorengruppe Avenir Sports Entertainment will bleiben.

Wie lange kann in der Swiss-Arena noch gejubelt werden? Die Kloten Flyers durchleben turbulente Zeiten.

Wie lange kann in der Swiss-Arena noch gejubelt werden? Die Kloten Flyers durchleben turbulente Zeiten. Bild: Keystone

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Die Kloten Flyers sind immer wieder gut für Knalleffekte. Man schrieb den 5. Juni 2012, als bekannt wurde, dass Verbands­präsident Philippe Gaydoul beim überschuldeten Traditionsclub als Retter einsteigt. Vorerst mit 6 Millionen Franken. Als der Denner-Erbe erfahren musste, dass erstens dieser Zuschuss nirgendwo hin reicht und er zweitens nicht die Anerkennung erhält, die er sich wohl erhofft hatte, verkaufte er den Club wieder. Für einen Franken. Am 29. April 2015 gab er ihn in die Hände der kanadischen Investorengruppe ­Avenir Sports Entertainment (ASE).

Die vier neuen Männer, die angetreten waren, den Turnaround zu schaffen, strahlten in die Kameras und verbreiteten Optimismus: Präsident Ken Stickney, Besitzer Bill Gallacher, der operative ­Manager Doug Piper sowie Bob Strumm, Hockeyverantwortlicher bei ASE. Kein Jahr hat es gedauert, schon ist ihr amerikanischer Präsident wieder weg. Stickney übernimmt per sofort die Aktienmehrheit Lausannes von Hugh Quennec.

Dies indes kommunizierten nicht die Flyers, sondern die Lausanner. Der neue Besitzer freue sich, sich schon bald den Fans vorzustellen, liessen die Waadt­länder verlauten. Stickneys Einstieg bei Lausanne bedingte, dass dieser bei den Flyers von allen Funktionen zurücktritt. Das hat er getan. Auch bei der ASE musste er austreten. Sonst hätte dem Verkauf an der gestrigen Ligaversammlung nicht zugestimmt werden können. Dort wurden gleich noch neue Bestimmungen beschlossen, die Ver­strickungen verhindern sollen: Wenn ­jemand mehr als 25 Prozent der Aktien eines ­Nationalligaclubs besitzt, muss er dies erstens offenlegen und darf er ­zweitens bei keinem Konkurrenten der gleichen Liga beteiligt sein oder eine operative oder strategische Funktion ausüben.

Piper wohl neuer Präsident

«Die neuen Vorschriften wurden beim Verkauf Lausannes eingehalten», bestätigte Liga-Geschäftsführer Ueli Schwarz. So weit, so gut. Der Fall Quennecs, der gleichzeitig Besitzer von Servette und Lausanne war, ist also gelöst. Allerdings mit dem Resultat, dass die Kloten Flyers nun auf einen Schlag ohne Präsident ­dastehen. Dies bestätigte gestern Abend Geschäftsführer Matthias Berner nach ­einer Videokonferenz mit Nordamerika. Er hielt aber auch fest: «Für uns ändert sich nur, dass die Person auf dem Präsidentenstuhl nicht mehr Ken Stickney heisst. Nicht aber das Commitment der ASE.» Er bedaure den Abgang Stickneys, der gute Ansätze gebracht und auch viel über Westeuropa gelernt habe. «Etwa, dass hier der Einkommensfranken mehr vom Sport abhängt als vom Entertainment. Aber das ist in Lausanne nicht ­anders als in Kloten.»

Wer der neue Präsident wird, dürfte erst nach der Saison geregelt werden. Man darf annehmen, das Doug Piper vom ­Vizepräsidenten zum Präsidenten nachrückt. Eingefädelt wurde der Verkauf der Lausanner Aktien an Stickney von Servettes Chris McSorley. Quennec dürfte für die Anteile, die er einst für 2,3 Millionen Franken erwarb, rund 3 Millionen erhalten haben. Dass Stickney, dem ein ­beträchtliches Vermögen nachgesagt wird, in Lausanne einiges vorhat, zeigen seine Pläne, zusätzlich ­gegen 6 Millionen Franken ins neue Stadion zu investieren. 2019 soll es stehen.

McSorley und Stickney kennen sich aus Las Vegas, wo sie beim IHL-Club Thunder von 1995 bis 1998 Headcoach ­respektive Teambesitzer waren. Dass zwischen Exponenten von Clubs enge persönliche Beziehungen beständen, könne die Liga nicht verhindern, sagt Schwarz. «Und das ist in der Wirtschaft nicht anders. Auch da kann der Verwaltungsratspräsident einer Firma befreundet sein mit dem eines Konkurrenten.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 17.02.2016, 14:49 Uhr

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