Klotens monumentaler Absturz

Kloten verlor das fünfte Playoff-Viertelfinalspiel in Langenthal 1:4. Die Entlassung von André Rötheli konnte das frühe Scheitern nicht verhindern.

Konnte Klotens Playoff-Aus nicht mehr abwenden: Assistenztrainer Waltteri Immonen. (Bild: Keystone)

Konnte Klotens Playoff-Aus nicht mehr abwenden: Assistenztrainer Waltteri Immonen. (Bild: Keystone)

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Es hätte fast ein kleines Wunder passieren müssen, damit Klotens erste Saison in der Swiss League doch noch länger dauert. Im Prinzip war die Hoffnung auf die positive Überraschung bereits nach 73 Sekunden im fünften Spiel vorbei. Langenthal führte, kaum hatte das Spiel begonnen, 2:0.

André Rötheli war als Trainer am späten Freitagabend entlassen worden, nachdem sein Team in Spiel 4 das erste Drittel 0:5 verloren hatte. Die Mannschaft schien also auch mit dem neuen Trainertrio Waltteri Immonen, Felix Hollenstein und Beat Equilino keine Wende herbeiführen zu können. Sie war bemüht, sie hatte in der Folge ein bisschen mehr vom Spiel - aber das Toreschiessen, das war nicht Klotens Disziplin. Zwei Partien gegen Langenthal gingen ohne Klotener Goal zu Ende, dass gestern doch noch ein Tor fiel, hatte keine Bedeutung mehr. Egli traf in der 57. Minute zum 1:3 aus Klotener Sicht.

Schwaches Powerplay

«Wir haben so viele Powerplays spielen können. Im Playoff müsste man in Über- und Unterzahl den Unterschied machen», sagte Hollenstein, der als «Koordinator» auf der Bank war. Equilino kümmerte sich um die Verteidiger, Immonen um die Stürmer.

Aber eben, diese Powerplays: In der ganzen Serie, die nach einer 1:0-Führung 1:4 verloren ging, schoss der EHC ein Überzahltor - gestern, als der Match bereits gelaufen war. In der Qualifikation hatte Kloten das zweitbeste Überzahlspiel der zweithöchsten Liga gezeigt. Als das Playoff losging, konnte Kloten eben doch nicht einfach so den Schalter umkippen, wie viele sich dies erhofft hatten. Die durchzogenen und eher bequemen Auftritte seit Januar hatte die Mannschaft nicht gerade erfolgshungrig gemacht. Und die Spritzigkeit, der Biss, die Zweikampfhärte waren nicht mehr vorhanden. Es kam zu wenig.

Van Pottelberghes Ausfall schmerzte

Joren van Pottelberghes gute Leistungen im Tor hatten die Feldspieler wie schon im Oktober zum Schlendrian verleitet. Die Bequemlichkeit wurde vom Trainer nicht bekämpft. André Rötheli setzte auf Eigenverantwortung. Doch Swiss-League-Spieler sind - noch weniger als Topsportler - kaum fähig, selbständig an sich zu arbeiten. Van Pottelberghes Verletzung in Spiel 2 der Playoff-Serie deckte die Schwäche des Teams schonungslos auf. Die Entlassung Röthelis am Freitag war in der Sache richtig, aber sie kam - wenig überraschend - zu spät. Doch wer hatte nach dem Sieg zum Auftakt der Serie mit diesem monumentalen Absturz gerechnet.

Kloten ging mit einigen Unbekannten in die Saison. Der Fehler mit dem ausländischen Goalie wurde später korrigiert. Die Teilzeit-Verpflichtung von Jussi Jokinen war genial gewesen. Dass mit Ryan MacMurchy der Topskorer nach Weihnachten ausfiel, war Pech.

Verjüngungskur ist gefragt

Ein neuer CEO, ein neuer Sportchef, ein neuer Trainer - das barg Risiken in sich. Wer im Sport nichts riskiert, der hat verloren. Nun hat ein Teilchen nicht funktioniert. Kloten gehen die Aufgaben für die nächste Saison keinesfalls aus. Auf der sportlichen Seite müssen mehr Charakterspieler integriert werden, die ihre Führungsaufgaben auch wirklich wahrnehmen. Dazu muss unbedingt eine Verjüngung einsetzen. Handeln kann man da in erster Linie bei den Ausländern. Frisches Blut tut gut. Diese Spieler dürfen nicht schon wieder über 30, sondern müssen im besten Alter sein. Immerhin spielt Kloten von Beginn weg mit einem soliden Goalie, was schon viel hilft.

Erstellt: 04.03.2019, 06:37 Uhr

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