Klotens Neuer hat viel von Meistermacher Evensson gelernt

Der neue Trainer Per Hanberg weckt in Kloten Erinnerungen an goldene Zeiten. Nicht nur, weil der 52-Jährige aus Schweden stammt.

Swiss-League-Meister Per Hanberg will auch in Kloten der beste Trainer für jeden Spieler sein. (Foto: M. Bieri)

Swiss-League-Meister Per Hanberg will auch in Kloten der beste Trainer für jeden Spieler sein. (Foto: M. Bieri)

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Zu den vier Meistertiteln des EHC Kloten in Serie gehören zwei Trainernamen: Conny Evensson und Alpo Suhonen. Der Schwede Evensson war Begründer der Dynastie, er machte aus den vorher Zweiten und Dritten Sieger. Er führte den EHC 1993 und 1994 zum Titel, Suhonen 1995 und 1996. Evensson hält noch immer den Schweizer Rekord: Zwei ganze Saisons in Folge mit zwei Triumphen nacheinander – das hat bisher keiner geschafft. Suhonen stieg 1995 erst im Playoff ein, nachdem das Duo Carlsson/Falk entlassen worden war.

Mit den Schweden hatte Kloten Erfolg. Anders Eldebrink, unter Evensson Meister-Verteidiger, coachte das Team lange und zweimal in den Final. Und jetzt also kommt mit Per Hanberg wieder einer. Als Trainer ist er zweimal aufgestiegen, wurde Coach des Jahres in Schweden, mit Langenthal hat er die Swiss League gewonnen.

Dass der 52-Jährige in Kloten Erinnerungen an goldene Zeiten weckt, hat indes nicht nur mit den Erfolgen oder der Nationalität zu tun. Es gibt ein «Extra», das ihn zu einem speziellen Trainer beim EHC macht.

Tipps beim Besten geholt

Die Erklärung dazu liefert ein Mann aus Karlstad. Dort wohnt Conny Evensson, inzwischen 73 Jahre alt. Er erinnert sich, dass im Winter 2004/05, als er im kleinen Värmland-Örtchen Sunne ein Haus besass, eines Tages ein gewisser Per Hanberg anrief. Hanberg war Trainer des Sunne IK. «Er fragte, ob wir uns nicht zusammen über Eishockey unterhalten können», sagt Evensson.

Hanberg erklärt es so: «Ich war ein junger Coach und wusste den besten Trainer in der Nähe, ich musste doch mit ihm sprechen, um mehr zu lernen.» Für die jüngeren Leser: Evensson führte nicht nur Kloten zum Titel, er gewann mit Schweden 1991 und 1992 WM-Gold, wurde mit Färjestad und Västra Frölunda total dreimal Meister, mit Frölunda gelang ihm der Aufstieg aus der zweithöchsten Liga.

Der «Mann mit den goldenen Hosen», wie er in Schweden genannt wird, nahm sich Zeit für Hanberg. «Er kam nicht nur einmal, sondern mehrmals vorbei», sagt Evensson. Er stellte sich dem Jungcoach als Referenz zur Verfügung, als der sich im Jahr darauf für seine erste Stelle als Profitrainer bei Örebro bewarb.

Wie ein Orchester

Hanberg, im Stockholmer Stadtteil Solna aufgewachsen, war als Stürmer im AIK Stockholm gross geworden. Bereits mit 32 entschied er sich für den Trainerjob. Das Leben als Assistenzcoach befriedigte ihn nicht, er wollte Chef werden. Er ging 2002 für zwei Jahre nach Italien, wo der Trainerjob fast alles beinhaltete, «sogar das Schleifen der Schlittschuhe gehörte manchmal dazu». Das alles sei extrem wichtig gewesen in seiner Entwicklung. «Ich lernte den Job auf die harte Art und Weise.» In Schweden verkaufte er Werbung und verdiente sich zusätzliches Geld mit Referaten über Führung und Persönlichkeitsentwicklung.

Jetzt, als Profitrainer, sagt er: «Die Spieler haben Träume, sie wollen etwas erreichen.» Und er als Coach müsse sich immer wieder fragen: «Wie kann ich der beste Trainer für jeden Spieler sein? Wie kann ich jeden Einzelnen eine Stufe höher bringen?»

Es gibt indes einen Leitsatz, der über all der individuellen Ausbildung steht: «Die Mannschaft kommt immer zuerst, ich liebe es, Teams zu bilden.» Es sei wie bei einem Orchester. «Verschiedene Musiker spielen verschiedene Instrumente, wenn jeder seinen Part erfüllt, können wir zusammen ein sehr schönes Lied spielen.» Wie mit dem SC Langenthal.

GPS hat den Kompass ersetzt

Mit diesem Teamgedanken führte er auch überraschend den HK Karlskrona vor vier Jahren in die höchste schwedische Liga, er hielt den Club ein Jahr in der SHL. Damals spielte er auch gegen den Rögle BK, der von Anders Eldebrink gecoacht wurde. «Er hat einen guten Job gemacht», sagt der frühere Kloten-Trainer über Hanberg. Und der bedankt sich artig über das Kompliment von einem, «der einer der besten Verteidiger Schwedens war».

Im Sport habe früher ein Kompass die Richtung vorgegeben, heute sei es ein GPS, sagt er. Auf Kloten angewandt heisst das: «Es könnte sein, dass in den letzten Jahren Fehler unterlaufen sind, dass man nicht mehr exakt dem Sport-GPS gefolgt ist.» Zu Evenssons Zeiten auf jeden Fall hatte man die Orientierung nie verloren.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 18.04.2019, 15:53 Uhr

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