Wer den kleinen Finger gibt ...

Nach vier Siegen verlor der EHC Kloten in der Swiss League erstmals wieder: In La Chaux-de-Fonds setzte es ein 4:5 ab.

Wieder einmal verloren: Trainer Per Hanberg und der EHC Kloten. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

Wieder einmal verloren: Trainer Per Hanberg und der EHC Kloten. (Bild: Marc Schumacher/freshfocus)

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Was war das für ein Start. Nach 132 Sekunden schoss Junior Greg Halberstadt in seinem erst zweiten Match in der ersten Mannschaft Kloten in La Chaux-de-Fonds in Führung. Später überstand Kloten 92 Sekunden doppelte Unterzahl fast problemlos (und mit grosser Hilfe von Goalie Nyffeler). Und kurz vor der ersten Pause erzielte Patrick Obrist sein erstes Saisontor. Kloten hatte in der Mélèzes sein bisher wohl konstantestes und konzentriertestes Drittel der Meisterschaft abgeliefert. Der Gegner war ohne Chance, Kloten hätte noch mehr als zwei Goals erzielen sollen.

Das mit den verpassten Goals wird die Mannschaft Per Hanbergs diese Saison wohl noch das eine oder andere Mal verfolgen. Denn der Gegner war mit zwei Treffern in Rückstand noch keineswegs mutlos. Und als er schon kurz nach Beginn des Mittelabschnitts traf, kam die gefährlichste Waffe der Gastgeber so richtig ins Rollen. Das Trio Coffman, Cameron und Carbis überforderte später die Klotener um das eine oder andere Mal. Beim 1:2 aus Sicht der Gastgeber, beim 2:3, auch beim 3:3.

Erneut einen Penalty verschossen

Kloten fand auf den ersten Treffer mit dem 3:1 durch Steve Kellenberger noch eine Antwort, den Lauf von «La Tchaux» aber konnte es nicht mehr stoppen. Das wäre möglich gewesen, wenn eines der Powerplays Erfolg gebracht hätte - oder wenn Éric Faille nach 37 Minuten einen Penalty verwertet hätte. Der Kanadier aber scheiterte an Goalie Bays und verpasste damit das 4:2 für Kloten. Faille ist nach Füglister, Lehmann und Forget bereits der vierte Stürmer des EHC, der diese Saison einen Penalty nicht ins Ziel bringt.

Und weil Faille kurz darauf eine Strafe fasste, gelang La Chaux-de-Fonds der perfekte Start ins Schlussdrittel mit einem Powerplaytor nach 56 Sekunden. Das 3:3 war der dritte Treffer aus der Distanz. Das liess Kloten offenbar vergessen, dass man vor dem eigenen Tor auch aufzuräumen hat. Die nächsten zwei Goals fielen aus nächster Nähe, die Gegenwehr war nicht gut genug.

«Ich glaube, das war unser bestes Drittel», sagte Verteidiger David Stämpfli, der letzte Saison noch beim Gegner gespielt hatte. «Doch dann machten wir ein bisschen zu wenig. Und plötzlich waren wir wieder in Zugzwang.» Er selber hatte auch eine Grosschance im ersten Drittel vergeben.

Der Zweitore-Rückstand nach 49 Minuten war zu viel. Kloten versuchte zwar nochmals alles, aber die Qualität in der Offensive ist noch nicht gut genug. Dominic Forget und vor allem Jeffrey Füglister haben einiges aufzuholen. Forget, der im Mitteldrittel sogar einmal dem eigenen Goalie den Stock entriss, begann damit, als er kurz vor Ende in einem Powerplay (und ohne Goalie) mit dem 4:5 die Hoffnung zurückbrachte. Mehr als zwei Minuten blieben, um wenigstens einen Punkt als Lohn zu holen. Ein, zwei Möglichkeiten erarbeitete sich Kloten.

Hanberg: «Auch gute Dinge gesehen»

Auch deshalb war Coach Per Hanberg gar nicht so unzufrieden mit der Vorstellung. Das Resultat stimmte nicht, die Leistung aber war gut. Die Pässe fanden die Stöcke der Mitspieler, das Zusammenspiel war deutlich besser als noch letzte Woche. Das Trio Forget, Füglister, Marchon konnte zu Beginn die gegnerische Topformation kontrollieren, aber dann verlor sie den Faden. Da ist noch einiges an Steigerungspotential vorhanden. Einen guten Auftritt hatte dafür die von Fabian Sutter gesteuerte «Notlinie» mit Verteidiger Kellenberger am rechten Flügel und Center Patrick Obrist am linken Flügel.

«Ich habe viele gute Dinge gesehen», sagte Hanberg nach einem Besuch bei den Schiedsrichtern. «Das erste Goal hat La Chaux-de-Fonds das Momentum gebracht. Auch wenn wir nachher noch das 3:1 erzielten. Wir müssen in der einen oder anderen Situation noch smarter spielen», analysierte er. «Denn: Wer ihnen den kleinen Finger gibt …»

Besser als vor einem Jahr

Kloten weist nach 9 Partien 16 Punkte auf (7 mehr als nach 10 Runden der vergangenen Saison) und liegt vor dem Heimspiel vom Dienstag gegen die GCK Lions auf Rang 4. Ein Sieg im Jura hätte sie punktgleich mit Ajoie auf Platz 2 gebracht. Möglich gewesen wäre es. Trotz der Absenz von fünf Stammspielern. Das muss das Team ärgern. Die personelle Situation sollte sich diese Woche ein bisschen entspannen.


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:


La Chaux-de-Fonds - Kloten 5:4 (0:2, 2:1, 3:1)
2170 Zuschauer. - SR Eichmann/Borga, Pitton/Huguet.–Tore: 3. Halberstadt (Krakauskas) 0:1. 20. (19:04) Obrist (Sutter, Kellenberger) 0:2. 21. (20:55) Cameron (Coffman) 1:2. 25. Kellenberger (Obrist, Kindschi) 1:3. 28. Cameron (Jaquet) 2:3. 41. (40:56) Coffman (Jaquet, Ahlström/Powerplaytor) 3:3. 43. Mieville 4:3. 49. Hasani (Jaquet) 5:3. 58. Forget (Sutter/Powerplaytor) 5:4 (ohne Torhüter).–Strafen: 4mal 2 Minuten gegen La Chaux-de-Fonds, 5mal 2 Minuten gegen Kloten.

Swiss League: GCK Lions - EVZ Academy 2:4 (1:0, 1:1, 0:3). Winterthur - Ajoie 1:7 (0:2, 0:3, 1:2). Langenthal - Biasca Ticino Rockets 3:1 (0:0, 2:0, 1:1). Thurgau - Visp 0:7 (0:2, 0:3, 0:2). La Chaux-de-Fonds - Kloten 5:3 (0:2, 2:1, 3:1). Sierre - Olten 1:3 (0:1, 0:1, 1:1).
Rangliste: 1. Ajoie 9/19 (39:24). 2. Langenthal 9/18 (30:20). 3. La Chaux-de-Fonds 9/17 (37:31). 4. Kloten 9/16 (33:20). 5. Olten 9/15 (28:23). 6. Thurgau 9/15 (23:31). 7. Visp 8/13 (31:20). 8. EVZ Academy 7/10 (20:23). 9. GCK Lions 9/9 (28:38). 10. Winterthur 9/9 (22:42). 11. Biasca Ticino Rockets 8/8 (24:28). 12. Sierre 9/7 (21:36).
(jch)

Erstellt: 06.10.2019, 21:22 Uhr

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