Kossmann entfacht lieber das Feuer

Hans Kossmann definiert sich nicht über kurzfristigen Erfolg – doch genau diesen muss er in Bern haben.

Der Kapitän und sein Öltanker: Hans Kossmann geht seine Mission mit dem Berner Schwergewicht angriffig an. Bild: Alessandro Crinari/Keystone

Der Kapitän und sein Öltanker: Hans Kossmann geht seine Mission mit dem Berner Schwergewicht angriffig an. Bild: Alessandro Crinari/Keystone

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Hans Kossmann ist gelernter Vermesser. Er arbeitete in einer Gewürzfabrik, renovierte Häuser, verkaufte Immobilien. «Aber Feuerwehrmann war ich nie.» Sagts und lacht. Obwohl er die Bezeichnung nicht sonderlich mag. «In der heutigen Zeit muss wohl jeder in eine Schublade gesteckt werden», sagt Kossmann.

Der Schweiz-Kanadier weiss um sein Etikett. Er stiess mitten in der Saison 2017/2018 zu den ZSC Lions und führte sie zum Titel. Nun versucht er in Bern ein weiteres Schwergewicht des Schweizer Eishockeys mittels Schnellkur zu revitalisieren. «Wieder Feuerwehrmann», titelte die NZZ. «Die nächste Mission für Feuerwehrmann Kossmann», stand in dieser Zeitung geschrieben. «Kossmann weiss, wie Feuerwehrmann geht», denkt das Schweizer Fernsehen.

Er vertraut in sein Können

Der 57-jährige Trainer hat in den letzten drei Jahren als Einziger eine Playoff-Serie gegen Kari ­Jalonen gewonnen. Und er gilt als erfolgreichster Coach in der wenig erfolgreichen Clubgeschichte Gottérons, führte den Verein 2013 in den Playoff-Final. Daran erinnert Kossmann – nicht um anzugeben, um einzuordnen. Und sagt: «Ich habe einiges erreicht und viel Vertrauen in meine Fähigkeiten. Ich definiere mich nicht über kurzfristigen Erfolg.» Selbst wenn sich die Leute in Bern von ihm genau das erhoffen: kurzfristigen Erfolg.

In den ersten Tagen nach seiner Ankunft ging Kossmann mit Jalonens Vermächtnis sorgfältig um. Als würde er ein wertvolles Gemälde vorsichtig vom Nagel nehmen – mit Handschuhen, versteht sich. Kossmann lobte die Arbeit des Vorgängers, den Zustand der Mannschaft und nahm fürs Erste kaum Änderungen vor. Nach der Niederlage bei seinem Einstand als SCB-Trainer in ­Ambri wählte er das Bild eines «Öltankers. Diesen zu wenden, das braucht Zeit.»

Hans Kossmann und sein Assistent Lars Leuenberger kennen sich bereits aus früheren Zeiten. (Bild: Peter Klauzner/Keystone)

In der Rolle des Kapitäns gefällt sich der Coach ohnehin besser. In der Länderspielpause hat Kossmann am Ruder gedreht, «Hans hat eine klare Idee im Kopf», lobt Assistent Lars Leuenberger. Das Duo stand bereits vor zehn Jahren in Bern an der Bande: Kossmann als Assistent von Larry Huras, Leuenberger als Schnupperstift.

«In Kossmanns Philosophie finde ich mich wieder. Aktiver werden, ein Team sein, das den Gegner zu Fehlern provoziert: Das ist unser Ziel», sagt Leuenberger. In diesem Bereich hätten sie «die Schraube angezogen». Kossmann formuliert es so: ­«Attackieren, schneller spielen, geradliniger spielen.»

Das Ergebnis des Kurswechsels wird der Meister am Dienstag gegen die ZSC Lions präsentieren. Wobei die Zürcher wissen dürften, was sie im Spiel gegen den früheren Trainer erwartet.

«Das gibt es nicht mehr»

Unter Jalonen betrieben die Berner ein zurückhaltendes Forechecking. Selten setzte der Meister den Gegner mit zwei Spielern unter Druck. «Wenn es die Situation zulässt, checken wir mit drei Mann vor. Wir brauchen von unseren Stürmern eine aggressive Mentalität», fordert Kossmann. Waren die Berner unter Jalonen zu spät am Puck, zogen sie sich in die Mittelzone zurück. «Das wird es nicht mehr geben», sagt der neue Chef. «Ich will mehr Bewegung sehen. Die Spieler sollen in allen Zonen Druck ­machen.» Leuenberger ergänzt: «Wir müssen bissiger werden – vor beiden Toren.»

Es wird spannend zu beobachten sein, wie die Mannschaft nach dreieinhalb Jahren im Zeichen des Mantras «Kontrolle» die neue Philosophie annehmen wird. Zeit zur Umgewöhnung bleibt kaum. Bern liegt auf Platz 10, empfängt diese Woche die Titelanwärter Zürich und Zug, gastiert in Biel. «Nicht kalkulieren – spielen!», sagt Kossmann. Er ist sich bewusst, dass das Plus an Aggressivität zulasten der Balance gehen kann. Doch gerade aus seiner Zeit beim ZSC weiss er, dass sein Konzept funktionieren kann. «Wie in Zürich darf ich eine starke Mannschaft trainieren, die das umsetzen kann.»

Wetten, der SCB legt unter Hans Kossmann gegen den ZSC los wie die Feuerwehr?


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Erstellt: 11.02.2020, 16:47 Uhr

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