«Läck, ist der talentiert!»

Der Davoser Enzo Corvi brachte Coach Del Curto auf Anhieb zum Schwärmen und brilliert auch gegen Zug. Dabei deutete lange wenig auf eine Profikarriere hin.

Einst ein Leichtgewicht, ist der 24-jährige Corvi (rechts im Zweikampf mit dem Zuger Morant) gemäss seinem Trainer «ein Mann geworden».

Einst ein Leichtgewicht, ist der 24-jährige Corvi (rechts im Zweikampf mit dem Zuger Morant) gemäss seinem Trainer «ein Mann geworden». Bild: Keystone

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Wenn Enzo Corvi dieser Tage Tore schiesst, streckt er seine Arme aus, als wolle er die ganze Welt herzen. Am Dienstag nach seinem 3:2-Siegestreffer in Overtime schloss er so gleich drei Teamkollegen bei der HCD-Bank in die Arme – ehe alle anderen dazustürmten und ihn fast erdrückten.

«Bis vor dieser Saison jubelte ich nicht gross», sagt er schmunzelnd. «Aber ­momentan sind brutal viele Emotionen im Spiel.» Gut, am Anfang seiner NLA-Karriere genoss die Inszenierung des Torjubels für Corvi wohl auch deshalb keine Priorität, weil dieser Seltenheitswert hatte. Er musste sich eineinhalb Jahre oder 36 Spiele gedulden, bis er am 14. September 2013 erstmals in einem Meisterschaftsspiel für den HCD traf.

Der Tipp von Del Curto junior

Kaum einer hätte ihm damals zugetraut, dass er einst zu einem der besten Schweizer Center aufsteigen würde. Arno Del Curto schon. Der Davoser Coach hatte ihn auf Empfehlung seines Sohnes Yannick, der bei den Elite-B-­Junioren Churs zusammen mit Corvi spielte, im November 2011 während der Nationalteam-Pause für ein Probetraining aufgeboten. Del Curto erzählt: «Nach fünf Minuten sagte ich zu Remo Gross (seinem Assistenten): Läck, ist der talentiert!» Ihn beeindruckten beim 18-Jährigen die filigrane Stocktechnik, die Spielintelligenz und das Läuferische. Nach drei Tagen habe er ihm einen Vertrag angeboten, sagt Del Curto. Obschon er sah, dass noch viel Arbeit anstand. «Denn er wog damals nur 60 Kilo.»

65 oder 70 Kilo seien es schon gewesen, berichtigt Corvi. Aber ja, athletisch habe er einiges aufzuholen gehabt. Heute ist er 86 Kilo schwer, und sein Coach sagt: «Er ist ein Mann geworden.» Dazu waren viele Zusatzeinheiten und manchmal auch laute Worte nötig. «Arno hat mich schon ab und zu angebrüllt», blickt der Stürmer zurück. «Das war nicht immer einfach zu schlucken. Doch mit etwas Abstand dachte ich: Er will ja nur das Beste für mich.»

Das gewisse Etwas

Was der HCD-Coach damals in Corvi sah, offenbart sich immer mehr der breiten Öffentlichkeit. Der Center hat das gewisse Etwas, sorgt mit seinen Dribblings und Pässen immer wieder für Überraschungsmomente und verfügt über einen exzellenten Schuss. Im Halbfinal gegen Zug traf er schon dreimal, mit bisher 46 Punkten (18 Tore) pulverisierte er seine Saison-Bestmarke.

Doch Del Curto wäre nicht Del Curto, wenn er nicht noch viel mehr von ihm erwarten würde: «Er hat schon extrem viel gelernt, aber er muss noch die Feinheiten des Gewinnens verinnerlichen. Etwa, dass man eine Minute vor Schluss bei 4:3 kein unnötiges Risiko eingeht.» Für Del Curto ist es eine Gratwanderung, wie oft er Corvi bremst, denn er möchte ihm auf keinen Fall seine Verspieltheit nehmen: «Er hat so viel Kreativität und Mut, er will die Spiele entscheiden.» Am Dienstag gelang ihm das, in Spiel 1 in Zug hatte er sich in der Overtime jene Strafe eingehandelt, die zum EVZ-Siegestor durch Immonen führte.

Erst die Lehre, dann der Sport

Aber wie ist es möglich, dass Corvis ­Talent so lange übersehen wurde? ­Zusammen mit Nino Nieder­reiter, seinem Altersgenossen bei den Churer ­Junioren, sei er schon früh in einem ­Probetraining in Davos gewesen, erzählt er. Doch er entschied sich, seine Lehre als Heizungsinstallateur fertig zu machen. Das dürfte ihn zwei Jahre im Profi-Eishockey gekostet haben.

Mit 24 ist er nun aber so richtig angekommen und auch auf Patrick Fischers Radar für die WM in Paris. Del Curto ist überzeugt: «Fischer liebt Spieler wie ihn.» Corvi selbst sagt: «Es wäre schön, würde ich eine Chance bekommen. Ich wäre bereit.» Zuerst steht aber mit dem HCD noch Arbeit an. Wer hört, wie der Stürmer den EVZ lobt, der weiss, woher das kommt. Del Curto hat ihn geprägt.

Erstellt: 30.03.2017, 10:50 Uhr

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