Lugano gleicht aus – Zug und Davos weiter

Ausgeglichene Serie: Die ZSC Lions verlieren in der Resega gegen den HC Lugano knapp. Davos und Zug erreichen den Halbfinal im Eiltempo.

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Die wichtigsten Szenen ereigneten sich nach 38 Minuten. Bei einem Gegenangriff Luganos stand ein Linienrichter Severin Blindenbacher im Weg. Blindenbacher bugsierte den Linesman zu Boden. Er stiess ihn mit der Hand an den Kopf, ausserdem verhedderten sich die Schlittschuhe des Unparteiischen in Blindenbachers Stock. Blindenbacher kassierte eine Fünfminutenstrafe. Ein Verfahren und mindestens eine weitere Spielsperre (wenn nicht mehr) dürften folgen.

Die kurzfristige Folge von Blindenbachers Aussetzer: Während seines Ausschlusses skorte Lugano durch den Schweden Patrik Zackrisson zwölf Sekunden vor der zweiten Pause das wegweisende 3:2.

Zürcher Personalmangel

Die längerfristigen Konsequenzen kommen für die ZSC Lions ebenfalls ungelegen. Am Samstag in der Resega traten die Lions wegen der Verletzungen von Robert Nilsson und Mattias Sjögren sowie der Sperre gegen Patrick Thoresen mit bloss zwei Söldnern an. Thoresen kann ab Dienstag wieder mittun. Dennoch ist die Personaldecke an Schlüsselspielern bei den ZSC Lions derzeit dünner als auch schon.

Lapierres Stellvertretung trifft

Mutationen in der Aufstellung können sich indessen auch produktiv auswirken. Auch für diese These lieferte der vierte Viertelfinal einen Beweis. Bei Lugano konnte Zackrisson nur mittun, weil Maxim Lapierre wegen seiner Sperre fehlte. Mit einer Direktabnahme nach einem Traumpass von Linus Klasen erzielte ausgerechnet Zackrisson das Siegtor.

Im Schlussabschnitt kontrollierte Lugano die Partie. Die ZSC Lions kamen nur noch bei zwei Powerplay-Möglichkeiten zu Ausgleichschancen. Die grösste vergab Ryan Shannon in der 59. Minute. Sekunden später leistete sich Chris Baltisberger mit einem Crosscheck in der Offensivzone die Zweiminutenstrafe, welche die letzte Überzahlchance vorzeitig beendete.

Im Eilzug in den Halbfinal

Das klare und eindeutige Ergebnis widerspiegelte die Partie schlecht. Nach miserablen Leistungen in den Spielen 2 und 3 konzentrierte sich Servette diesmal wieder aufs Hockeyspielen. Die Genfer setzten zum Sturmlauf an und gingen nach zehn Minuten durch den Kanadier Francis Paré in Führung. Damien Riat, Nick Spaling, Cody Almond und Eliot Antonietti boten sich vorzügliche Möglichkeiten zum 2:0.

Dann aber wurde Servette von Zug kalt erwischt und überrollt. David McIntyre, der schon am Donnerstag dreimal getroffen hatte, glich mit Zugs erster Torchance zum 1:1 aus. Dominic Lammer bereitete den Ausgleichstreffer brillant vor. Lammer dribbelte sich zum Matchwinner. In der 26. Minute brachte Lammer die Zuger mit einer brillanten Einzelleistung erstmals in Führung. Sechs Minuten später bereitete Lammer auch das 3:1 von Sandro Zangger vor. Zug skorte die drei Goals vom 1:1 zum 4:1 im zweiten Abschnitt innerhalb von 432 Sekunden.

Genfer Disziplinlosigkeit

Servette ging in der Serie ohne einen Sieg unter, weil es die erste Partie vor einer Woche in Zug nach einer 2:1-Führung bis 7,4 Sekunden vor Schluss noch aus den Händen gab, weil Torhüter Robert Mayer (zweimal ausgewechselt) das Goalie-Duell gegen Tobias Stephan klar verlor, und weil Servette in den Partien 2 und 3 sich mit unkontrollierten Aktionen selber aller Chancen beraubte.

Der EV Zug steht erstmals seit vier Jahren wieder in den Halbfinals. 2014 verpassten die Innerschweizer die Playoffs; in den letzten beiden Jahren schieden die Zuger jeweils in den Viertelfinals aus.

Bern korrigiert Ausrutscher vom Donnerstag

Nachdem der SCB in Spiel drei im Mitteldrittel auseinander gefallen war und schliesslich 3:6 verloren hatte, nahm das vierte Aufeinandertreffen wieder seinen erwarteten Lauf. Die favorisierten Berner gingen bereits im ersten Abschnitt 2:0 in Führung und brachten den Sieg in der Folge sicher nach Hause.

Die entscheidenden Szenen ereigneten sich nach 36 Minuten, als Tristan Scherwey in Unterzahl mit seinem zweiten Treffer des Abends nach toller Vorarbeit von Routinier Martin Plüss das 3:0 erzielte. Dem Treffer haftete allerdings der Makel an, dass die Schiedsrichter davor ein Foul von Alain Berger an Marco Maurer übersehen hatte. Der unfreiwillige Puckverlust Maurers leitete den Konter ein, der zum Tor führte. Der Bieler Marc-Antoine Pouliot reklamierte anschliessend solange, bis er mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe ausgeschlossen wurde.

Fliegende Fäuste vor der Sirene

An der nicht gegebenen Strafe gegen Berger lag es jedoch nicht, dass Biel diese Partie verlor. Denn während Bern dem Gegner nur wenig gute Möglichkeiten zugestand und sich auch durch das 1:3 in der 43. Minute durch Robbie Earl nicht beirren liess, agierten die Seeländer vor beiden Toren zu wenig hartnäckig. Vor den ersten beiden Gegentreffern reagierten die Bieler jeweils zu spät auf Abpraller. Bern bestrafte diese Nachlässigkeiten konsequent.

Nach Spielschluss entluden sich die Emotionen in Form einer Massenkeilerei, an der sich gar Berns Goalie Leonardo Genoni beteiligte.

Davos überrumpelt Lausanne

Der Davoser Topskorer Andres Ambühl war Sinnbild der entschlossenen Bündner. Er brillierte in Spiel 4 als dreifacher Torschütze für den HCD, der mit einem Blitzstart die Gäste überrumpelte. Der Captain traf für den Meister von 2015 jeweils in Spezialsituation; dem 3:0 in Überzahl (11.) und zum 4:1 mittels Shorthander (23.). Mit seinem 16. Saisontor, einem Schuss ins leere Tor, vollendete Ambühl 27 Sekunden vor Spielende seinen dritten NLA-«Hattrick».

Das 4:2 von Ambühl war das Siegtor und bereits der zehnte Unterzahltreffer des HCD in dieser NLA-Saison. Die Bündner wurden ihrerseits erstmals in der laufenden NLA-Spielzeit bei eigener Überzahl übertölpelt. Und dies gleich zweimal, zuerst durch Alain Miéville zum 1:3 aus Sicht von Lausanne sowie zum 3:5 von Gaëtan Augsburger in der vorletzten Minute.

Lausanne erstmals sieglos

Lausanne blieb in seinen dritten NLA-Playoffs seit dem Wiederaufstieg (2013) erstmals sieglos. 2014 gegen die ZSC Lions und 2015 gegen den SC Bern kämpften sich die Waadtländer jeweils bis in ein Entscheidungsspiel der jeweiligen Best-of-7-Serie. Unter dem seit dieser Saison amtierenden Trainer Dan Ratushny hatten die Romands die NLA-Playoffs indes gar erstmals aus der oberen Tableauhälfte in Angriff genommen.

Davos hatte bereits im Vorjahr in den Viertelfinals gegen Kloten einen «Sweep» (4:0 Siege) realisiert. Anschliessend wurden die Bündner in den Halbfinals vom nachmaligen Champion Bern gestoppt. In diesem Jahr könnte es nun auf gleicher Stufe zu einer Revanche kommen, falls die noch offenen Serien nach Papierform verlaufen. Besonders brisant wäre die Playoff-Paarung Bern gegen Davos auch deshalb, weil der langjährige HCD-Keeper Leonardo Genoni gleich in seinen ersten Playoffs mit dem SCB auf seine Ex-Klub treffen würde.

Lugano - ZSC Lions 3:2 (1:1, 2:1, 0:0).
7604 Zuschauer. - SR Koch/Wehrli, Bürgi/Kovacs.
Tore: 14. Sannitz (Bürgler) 1:0. 20. (19:41) Herzog (Geering, Rundblad/Ausschlüsse Reuille, Ronchetti) 1:1. 28. Philippe Furrer (Fazzini/Ausschluss Marti) 2:1. 29. Marti (Seger) 2:2. 40. (39:48) Zackrisson (Klasen, Philippe Furrer/Ausschluss Blindenbacher) 3:2.
Strafen: 5mal 2 Minuten gegen Lugano, 4mal 2 plus 5 Minuten (Blindenbacher) plus Spieldauer (Blindenbacher) gegen ZSC Lions.
Lugano: Merzlikins; Philippe Furrer, Chiesa; Wilson, Stefan Ulmer; Hirschi, Ronchetti; Sartori; Klasen, Zackrisson, Fazzini; Gregory Hofmann, Martensson, Bertaggia; Walker, Gardner, Reuille; Romanenghi, Sannitz, Bürgler; Morini.
ZSC Lions: Schlegel; Blindenbacher, Jonas Siegenthaler; Geering, Rundblad; Seger, Marti; Samuel Guerra; Roman Wick, Suter, Chris Baltisberger; Pestoni, Trachsler, Künzle; Herzog, Schäppi, Kenins; Bachofner, Shannon, Hinterkircher; Phil Baltisberger.
Bemerkungen: Lugano ohne Kparghai, Brunner (beide verletzt), Julien Vauclair und Lapierre (beide gesperrt), ZSC Lions ohne Patrik Bärtschi, Sjögren und Nilsson (alle verletzt) und Thoresen (gesperrt). - Timeout ZSC Lions (59:53).

Genève-Servette - Zug 1:5 (1:1, 0:3, 0:1)
6848 Zuschauer. - SR Mollar/Vinnerborg, Fluri/Progin.
Tore: 10. Paré (Eliot Antonietti) 1:0. 18. McIntyre (Lammer) 1:1. 26. Lammer (Peter) 1:2. 32. Zangger (Lammer) 1:3. 33. Diaz 1:4. 60. (59:24) Nolan Diem 1:5 (ins leere Tor).
Strafen: 1mal 2 Minuten gegen Genève-Servette, 3mal 2 Minuten gegen Zug.
Genève-Servette: Mayer; Loeffel, Mercier; Jacquemet, Fransson; Eliot Antonietti, Bezina; Petschenig; Gerbe, Almond, Spaling; Jeremy Wick, Paré, Rod; Douay, Romy, Riat; Simek, Rubin, Impose; Heinimann.
Zug: Tobias Stephan; Helbling, Grossmann; Diaz, Morant; Dominik Schlumpf, Erni; Alatalo; Klingberg, Immonen, Senteler; Martschini, Järvinen, Suri; Zangger, McIntyre, Lammer; Peter, Nolan Diem, Fabian Schnyder; Fohrler.
Bemerkungen: Genève-Servette ohne Ehrhardt, Slater (beide überzählige Ausländer), Traber, Vukovic (beide gesperrt) und Kast, Zug ohne Holden (beide verletzt) und Markkanen (überzähliger Ausländer).

Biel - Bern 1:3 (0:2, 0:1, 1:0).
6521 Zuschauer (ausverkauft). - SR Dipietro/Wiegand, Castelli/Wüst.
Tore: 10. Ebbett (Rüfenacht, Arcobello/Ausschluss Earl) 0:1. 13. Scherwey (Hischier, Plüss) 0:2. 37. Scherwey (Plüss/Ausschluss Bodenmann!) 0:3. 43. Earl (Rajala, Dave Sutter/Ausschluss Andersson) 1:3.
Strafen: 9mal 2 plus 10 Minuten (Pouliot) plus Spieldauer (Pouliot) gegen Biel, 9mal 2 plus 2mal 10 Minuten (Kamerzin, Plüss) gegen Bern.
Biel: Hiller; Dufner, Steiner; Hächler, Maurer; Dave Sutter, Wellinger; Jecker; Pedretti, Pouliot, Micflikier; Rossi, Neuenschwander, Fabian Lüthi; Rajala, Earl, Schmutz; Tschantré, Fabian Sutter, Wetzel; Horansky.
Bern: Genoni; Untersander, Blum; Jobin, Krueger; Noreau, Gerber; Kamerzin, Andersson; Rüfenacht, Arcobello, Moser; Hischier, Plüss, Scherwey; Lasch, Ebbett, Bodenmann; Berger, Müller, Randegger.
Bemerkungen: Biel ohne Valentin Lüthi, Fey, Haas, Joggi (alle verletzt) und Lundin (überzähliger Ausländer), Bern ohne Reichert (verletzt), Gagnon und Garnett (beide überzählige Ausländer). Pfostenschuss Bodenmann (47.). Timeout Biel (59:20). Biel ab 58:50 ohne Torhüter.

Davos - Lausanne 6:3 (3:1, 1:1, 2:1).
6800 Zuschauer (ausverkauft/Saisonrekord). - SR Eichmann/Kurmann, Borga/Küng.
Tore: 2. Lindgren (Vaskivuo, Forster/Ausschluss Ledin) 1:0. 8. Kessler (Dino Wieser, Heldner) 2:0. 11. Ambühl (Sciaroni/Ausschluss Déruns) 3:0. 13. Miéville (Ausschluss Harri Pesonen!) 3:1. 23. Ambühl (Sciaroni/Ausschluss Du Bois!) 4:1. 34. Genazzi (Sven Ryser, Trutmann) 4:2. 51. Dino Wieser (Sciaroni, Schneeberger) 5:2. 58. Augsburger (Fischer, Kneubühler/Ausschluss Froidevaux!) 5:3. 60. (59:27) Ambühl (Du Bois) 6:3 (ins leere Tor).
Strafen: 9mal 2 Minuten gegen Davos, 13mal 2 Minuten gegen Lausanne. - PostFinance-Topskorer: Ambühl; Jeffrey.
Davos: Senn; Du Bois, Rahimi; Heldner, Forster; Schneeberger, Paschoud; Jung; Ambühl, Aeschlimann, Vaskivuo; Marc Wieser, Lindgren, Kousal; Sciaroni, Corvi, Dino Wieser; Simion, Walser, Jörg; Kessler.
Lausanne: Huet; Gobbi, Fischer; Borlat, Junland; Trutmann, Genazzi; Nodari; Ledin, Froidevaux, Harri Pesonen; Schelling, Miéville, Déruns; Sven Ryser, Jeffrey, Herren; Lardi, Kneubühler, Augsburger; Florian Conz.
Bemerkungen: Davos ohne Axelsson, Egli und Ruutu (alle verletzt) und Spylo (überzählige Ausländer), Lausanne ohne Danielsson, Walsky (beide verletzt) sowie Hovinen (überzähliger Ausländer). - Pfosten: 17. Lindgren, 26. Genazzi, 30. Junland. - 58:02 Timeout Lausanne, von 57:50 bis 59:10 sowie von 59:20 bis 59:27 ohne Torhüter.

(nos/sda)

Quelle: Zattoo/RSI LA 2

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