Luganos nächste Randfigur

Die Entlassung von Coach Doug Shedden zeigt eine permanente Führungskrise.

War zuletzt isoliert im Club: Doug Shedden. Foto: Melanie Duchene (Keystone)

War zuletzt isoliert im Club: Doug Shedden. Foto: Melanie Duchene (Keystone)

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«Zuerst einmal gilt es, diese Saison ordentlich über die Bühne zu bringen, und dann sehen wir weiter.» Das sagte im Herbst 2009 Roland Habisreutinger, als er Sportchef in Lugano wurde.

«Was ich nicht akzeptieren kann, ist, dass ich von ihnen nie ein Wort der Selbstkritik gehört habe.» Das sagte gestern Präsidentin Vicky Mantegazza, als der Club, dem sie seit 2011 vorsteht, Coach Doug Shedden und seinen Assistenten entlassen hatte.

Habisreutinger und Mantegazza: Das ist eine der aussergewöhnlichsten Beziehungen im Schweizer Eishockey. Fünf Cheftrainer haben sie in den gemeinsamen sechs Saisons bisher beschäftigt, der smarte frühere Spieleragent und der ehrgeizige Eishockeyfan aus dem reichen Mantegazza-Clan. Habisreutingers persönliche Bilanz steht mittlerweile bei acht Trainerwechseln in gut sieben Jahren.

«Dann sehen wir weiter.» Die ­Einstandsworte des 43-Jährigen wirken im Rückblick wie die prophetische Beschreibung der besonderen Verhältnisse im Sottoceneri. Man probiert einen Trainer aus, und wenn es mit dem überteuerten Team nicht klappt wie gewünscht, probiert man eben den nächsten aus. Playoffserien gewann der Club in den letzten zehn Jahren auf diese Weise genau zwei – beide letztes Jahr, beide mit Shedden. Und auch in den Spengler-Cup-Final führte der Kanadier das Team in seinen 15 Monaten als Bianconero zweimal.

Und doch musste er nun gehen, trotz Vertrag bis 2018. Geld spielt eben eher eine Nebenrolle in Lugano, die einzigen Konstanten sind das Starensemble, die grossen Ziele und der Misserfolg. Sowie natürlich das Duo Habisreutinger/Mantegazza.

Ireland, der alte Bekannte

Gut möglich, dass die zwei untereinander mehr Selbstkritik üben, als sie von Shedden zu hören bekamen. Der 55-Jährige lässt sich nur ungern beraten und geht lieber seinen eigenen Weg.

Im Südtessiner Klima führte der direkt in die Isolation. Selten wirkte ein Coach inmitten von Spielern, Funktionären und Fans so allein wie Shedden am Spengler-Cup. Während zahllose Akteure stolz das schwarzweisse ­Clublogo auf ­Leibchen, Jacke oder Sakko zur Schau trugen, blieb der vermeint­liche Chef eine Randfigur.

Das samstägliche 0:4 in Zug war wohl bloss der willkommene Anlass, sie ganz vom Brett zu stossen.

Greg Ireland heisst nun der Ersatz. 51 Jahre alt ist der Kanadier, und ausser ein paar Monaten Mannheim war er nur einmal Chefcoach auf höchster Stufe – 2011 in Lugano, als er fürs Playout gegen die Lakers zum Team stiess. Sportchef und Präsidentin kennen den Neuen also schon, dürfen die Fähigkeit zur Selbstkritik voraussetzen. Denn dass der Trainer Schuld hat, wenn es wieder nicht funktioniert, haben sie in Lugano schon immer am liebsten gehört.

Erstellt: 16.01.2017, 23:32 Uhr

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