Mentale Tricks fürs Grande Lugano

Bemerkenswert an der Verpflichtung Saul L. Millers ist, was die Tessiner verschweigen.

Saul Miller verfolgt 2017 im Auftrag des EV Zug Finalspiel 6 gegen Bern.

Saul Miller verfolgt 2017 im Auftrag des EV Zug Finalspiel 6 gegen Bern. Bild: Alexandra Wey/Keystone

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«Schwach ist, wenn man eine Schwäche nicht eingesteht.» Das sagte 2010 der damalige Sportchef des SC Bern. Er heuerte einen Sportpsychologen an – und feierte ein paar Wochen später den Meistertitel. Schwach ist aber auch, wenn man nach drei Saisonspielen dreimal verloren hat und den vorletzten Rang belegt. Das haben sie diesen Herbst beim HC Lugano erkannt – und heuerten einen Sportpsychologen an. Der Schritt ist so kurios wie entlarvend.

Es handle sich um einen «spezialisierter Berater bei der Leistungsförderung in diversen Sparten», schreiben die förderungsbedürftigen Tessiner in ihrem Communiqué. Dr. Saul L. Miller heisse der Mann und werde «etwa Mitte Oktober 2019 erstmals in Lugano eintreffen». Viel faszinierender ist indes, was die Meldung verschweigt.

Vielleicht mochte die Clubführung ja nicht erwähnen, dass man Hilfe beim SCB-Meistermacher 2010 sucht. Aber hat sie wirklich vergessen, wie Lugano selbst zu seinem letzten Titel kam? Wollte sie keine hohen Erwartungen wecken? Oder ist gar das Gegenteil der Fall – dass tief im Herzen der Bianconeri die Hoffnung lodert, dass mit Dr. Miller auch das Grande Lugano von 2006 wieder auflebt?

Da war doch was …

Der Blick zurück lohnt sich. Bevor nämlich das magische Dreieck Nummelin-Peltonen-Metropolit gegnerische Verteidigungen im Sekundentakt zerlegte, lief es im Sottoceneri gar nicht nach Wunsch. Trotz Qualifikationssieg war der Club 2005 in der ersten Playoffrunde 1:4 ausgeschieden. Die Clubführung ortete die Schwäche im mentalen Bereich – und heuerte einen Spezialisten an. Saul Miller hiess der Mann, reiste 2005/06 mehrfach nach Lugano. Seither kann er sich Schweizer Meister nennen.

Möglich, dass die aktuelle Clubführung davon nichts weiss. Der heutige Sportchef Hnat Domenichelli stürmte damals noch für Ambri. Der heutige CEO Marco Werder gab damals noch das Clubheft heraus. Und die heutige Präsidentin Vicky Mantegazza stand erst kurz davor, das Management des Ladies-Teams zu übernehmen. Möglich also, dass ihnen Saul Millers Rolle 2006 schlicht entgangen ist. Aber doch sehr unwahrscheinlich. Viel mehr würde einleuchten, wenn die Clubführung, die neue Bescheidenheit predigt, jeden Eindruck von Nostalgie und grossen Träumen unbedingt vermeiden will.

Dabei wirkt Millers Engagement doch schon: Nur zwei Tage nach dem Communiqué feierte Lugano seinen ersten Sieg. Am Dienstag gegen den Meister aus Bern. Es war Grande.


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Erstellt: 26.09.2019, 14:25 Uhr

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