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Minimalismus lohnt sich

Die ZSC Lions starten gegen die SCL Tigers miserabel und triumphieren am Ende doch – dank einem packenden Finale 5:4 in Overtime.

Philipp Muschg
Grund zur Freude: Nach einer umkämpften Schlussphase schiesst Marcus Krüger die ZSC Lions zum 5:4-Sieg gegen die SCL Tigers nach Verlängerung.
Grund zur Freude: Nach einer umkämpften Schlussphase schiesst Marcus Krüger die ZSC Lions zum 5:4-Sieg gegen die SCL Tigers nach Verlängerung.
Ennio Leanza, Keystone
In der Schlussphase gerät das Spiel aus Sicht der Tigers aber auf die schiefe Bahn. Fünf Minuten vor Schluss geraten die Langnauer erstmals in Rückstand und Topskorer Pesonen verschiesst einen Penalty. Danach retten sich die Tigers aber doch noch in die Verlängerung.
In der Schlussphase gerät das Spiel aus Sicht der Tigers aber auf die schiefe Bahn. Fünf Minuten vor Schluss geraten die Langnauer erstmals in Rückstand und Topskorer Pesonen verschiesst einen Penalty. Danach retten sich die Tigers aber doch noch in die Verlängerung.
Ennio Leanza, Keystone
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Es ist kurz nach halb neun, als der vertraute Zürcher Rap aus den Lautsprechern des Hallenstadions plärrt. «Isch Altstette im Huus? Isch Wollishofe im Huus?», wird ein Quartier ums andere aufgerufen. Auch wenn keine Frage den Spielern des ZSC gilt, geben auch sie auf dem Eis eine Antwort. Sie lautet: «Zwei Drittel lang eher weniger.» Und trotzdem resultiert nach 62:03 Minuten ein glückhaftes 5:4.

Es ist ein Abend, der mit Minimalismus beginnt und mit einem mitreissenden Finale endet, als Marcus Krüger den Puck in der Overtime entscheidend ablenkt. Sekunden zuvor ist eine Strafe gegen einen Langnauer zu Ende gegangen. «Natürlich freue ich mich über den Sieg», sagt Trainer Rikard Grönborg anschliessend, «aber zum ersten Mal bin ich enttäuscht davon, wie wir in ein Spiel gegangen sind.»

Es ist die Untertreibung des Abends. 11:00 Schüsse für den Gegner zeigt die offizielle Statistik nach elf Minuten. Wobei dieser Gegner SCL Tigers heisst: ein Team mit Verletzungssorgen, vier Niederlagen aus den letzten fünf Spielen und dem schlechtesten Powerplay der Liga.

Start im Schongang

Offenbar bestärkt diese Ausgangslage die Lions - ihr Lazarett ist leer - im Gefühl der Überlegenheit. Und so machen sie von Beginn an den Eindruck, als wollten sie erst schauen, ob es nicht auch im Schongang zum Sieg reicht. Ende Startdrittel erhöht der ZSC kurz die Kadenz, kommt nach schöner Kombination durch Pius Suter zum Scheinbar sicheren 1:0 (17.). Doch Goalie Ivars Punnenovs rettet das 0:0 spektakulär in die erste Pause. Und die Lions fallen danach ins alte Muster zurück.

So dürfen Ben Maxwell und Andrea Glauser im Mittelabschnitt tun, was den Tigers seit neun Spielen nicht mehr gelungen ist: ein Tor in Überzahl schiessen. Das 2:0 nach 34 Minuten ist hochverdient - selbst wenn das Publikum wenig Verständnis zeigt für die entsprechenden Strafen. Aber auch das eigene Team wird mit Pfiffen bedacht an diesem Abend, an dem über 8000 es vorziehen, ins Hallenstadion zu kommen statt die Fussball-Nationalmannschaft am TV zu verfolgen.

«Ich habe die Pfiffe gar nicht gehört», sagt Grönborg später. Vielleicht hat er sie auch einfach verdrängt. Denn das Finale entschädigt Coach und Publikum für vieles, was sie zuvor erleben mussten.

Ab der zweiten Pause wogt die Partie hin und her. Keine drei Minuten nach Simon Bodenmanns 2:2 (43.) schiesst Larri Leeger die Langnauer wieder in Front, dann bringen Pius Suter (55.) und erneut Bodenmann (57.) die Lions in Führung. Nur um zu erleben, dass Julian Schmutz in der 59. Minute der dritte Ausgleich des Abends gelingt. In dieser Phase verpasst der ZSC die Siegsicherung, aber auch die Emmentaler vergeben beste Chancen - allen voran Harri Pesonen, der mit einem Penalty scheitert.

Grönborg: «Keine Ahnung»

Eine Erklärung dafür, warum sein Team einen lange Zeit minimalistischen Auftritt hinlegte, hat Trainer Grönborg nicht. «Keine Ahnung», sagt der Schwede. Aber wiederholen sollten sie sich nicht.

Die nächste Gelegenheit, es besser zu machen, hat sein Team schon übermorgen Freitag. Denn trifft der ZSC auswärts auf Fribourg. Auf ein Team mit Verletzungssorgen, einem schlechten Powerplay und keiner einzigen Mannschaft, die in der Tabelle hinter ihm klassiert ist. Einen minimalistischen Anfang wie an diesem Dienstag kann sich der ZSC dann trotzdem nicht leisten.

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