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Mirco Müllers neuer Anlauf im Schatten Nico Hischiers

Mirco Müllers Karriere verlief stets steil nach oben. Bis der Verteidiger in San Jose aufs Abstellgleis geriet. Jetzt will er in New Jersey durchstarten.

Kristian Kapp, Newport
Manhattan Skyline: Mirco Müller und die Aussicht in Newport. Foto: Kristian Kapp
Manhattan Skyline: Mirco Müller und die Aussicht in Newport. Foto: Kristian Kapp

«Eine einmalige Gelegenheit, den Horizont zu erweitern.» So besingt Morten Harket von der 80er-Kultband A-ha das Gefühl beim Betrachten der Manhattan Skyline im gleichnamigen Song. Im Lied wird Liebeskummer beklagt, dazu aber hat Mirco Müller keinen Grund, wenn er auf der anderen Seite des Hudson River steht und beim Blick über den Fluss die imposante Kulisse betrachtet. Hier in Newport, einem feineren Teil von Jersey City, wohnt der 22-Jährige mit seiner Freundin. Rundherum: moderne Architektur, Starbucks, kleine Parks, die zum Verweilen oder Flanieren entlang des Flussufers einladen. «Für junge Leute lebt es sich hier am besten», sagt Müller. Herzschmerz nein, aber einmalige Erlebnisse und neue Chancen: Darum gehts auch für den gross gewachsenen Verteidiger der New Jersey Devils.

Erst vor einer Woche hat Müller die Wohnung bezogen, sie ist ... leer. «Ich habe mehr oder weniger eine Matratze, zuletzt habe ich zudem ein paar Stühle von Ikea zusammengesetzt», erzählt er lachend. Müller plant keinen alternativen Lebensstil. Die Möbel sind immer noch unterwegs vom anderen Ende der USA, aus San Jose, dort, wo er die letzten drei Jahre verbrachte. Der Transfer, auf den Müller, wie in der NHL üblich, keinen Einfluss hatte, erfolgte im Sommer.

Als lebe der Winterthurer im Paradies

Kalifornien, New York – es tönt, als lebe der Winterthurer im Paradies. «So habe ich es noch nie betrachtet», sagt er. «Aber es hat etwas: Ich wohne zehn Minuten entfernt vom Times Square in Manhattan. Davon träumen sicher viele und würden gerne mit mir tauschen.»

Wenn die New Jersey Devils heute in die Saison starten, dann ist rund um den Club viel von Aufbruchstimmung nach fünf Jahren ohne Playoff zu hören. Nico Hischier nimmt die Hauptrolle ein im Streben der «Teufel» nach einer neuen Identität, aber auch viele andere junge Spieler – wie Müller. Und dieser steht in New Jersey selbst vor einem Neustart. Die Zeit in San Jose wurde nicht zur Erfolgsstory, auch wenn er von den Sharks 2013 in der ersten Draft-Runde gewählt worden war. Müller verbrachte am Ende mehr Zeit in der AHL.

Speziell an der Organisation San Joses ist, dass das Farmteam im selben Stadion spielt wie die Sharks. Das bescherte Müller nicht nur gute Momente. Das Ziel war so nah und doch so weit: «Du kommst gemeinsam ins Stadion, die einen gehen durch die linke Türe, die anderen durch die rechte. Das war schon komisch.» Bei den Devils stehen die Chancen Müllers gut, endlich NHL-Stammspieler zu werden. Zwar kämpfen bei New Jersey immer noch acht Verteidiger um sechs Plätze, doch Müller hat sich eine Top-4-Position zum Ziel gesetzt. Wahrscheinlich ist zunächst aber, dass er es zu Saisonbeginn knapp in die Top-6 schafft.

«In der Schweiz gehts schnell»

Die Trennung von den Sharks habe er ­Minuten nach der Mitteilung, er sei zu New Jersey transferiert worden, abgehakt, sagt Müller: «Du lernst in Nordamerika, in der Gegenwart zu leben, nicht zu viel zurückzublicken.» Das Scheitern im Kampf um einen Stammplatz – er will es nicht «enttäuschend» nennen: «Eher lehrreich.» Neu sei gewesen, dass die Karriere erstmals nicht wie am Schnürchen verlaufen sei, sagt der frühere Klotener: «In der Schweiz geht das schnell, da war ich gleich im Junioren-Nationalteam, durfte an die WM. Plötzlich läuft es nicht mehr nach Plan. Das kann auch guttun, das stärkt deinen Charakter.»

Müller denkt an andere Schweizer wie Nino Niederreiter oder Sven Bärtschi, die in ähnlicher Situation nach einem Clubwechsel aufblühten. Die Devils seien für ihn wortwörtlich etwas total Neues, sagt Müller: «Es ist das einzige Team, bei dem ich ausser Nico keinen anderen Spieler kannte. Doch wenn ich das Kader anschaue, macht es mich glücklich: Wir sind ein junges Team, das ist auch für mich eine grosse Chance.»

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