Mit Verzögerung angekommen

Erstmals seit Einführung kommt der Spieler des ­Monats aus der zweithöchsten Liga. Melvin Nyffeler, der Goalie der Lakers, hielt im November überragend.

Sicherer Rückhalt der Lakers: Der 23-jährige Melvin Nyffeler hat im Cup auch die Luganesi und Zuger das Fürchten gelernt. Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)

Sicherer Rückhalt der Lakers: Der 23-jährige Melvin Nyffeler hat im Cup auch die Luganesi und Zuger das Fürchten gelernt. Foto: Marc Schumacher (Freshfocus)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Elite des Schweizer Eishockeys blickt während der Saison normalerweise genau einmal in die zweithöchste Liga. Und das tun auch nur jene Teams, denen vielleicht ein Showdown gegen den B-Meister um den Ligaerhalt droht.

Für Spieler zwischen Visp und Thurgau ist es deshalb immer besonders schwierig, sich auszuzeichnen. Melvin Nyffeler ist dies nun aber gelungen, er hielt im November derart stark, dass sich diese Zeitung bei der Wahl zum «Spieler des Monats» trotz aller Alternativen aus der National League für ihn entschieden hat.

Zehn Gegentore kassierte er nur bei acht Einsätzen und ist damit sehr zu­frieden: «Ich fühle mich wohl und will jeden Tag besser werden. Dass ich viel spielen kann, gibt mir Sicherheit und Selbstvertrauen.» Zudem ist da seit Saisonbeginn die fast tägliche Arbeit mit Tom Schlegel. Den Goalie-Trainer und ­Vater von ZSC-Keeper Niklas kennt er seit Kindsbeinen. «Er ist mein persönlicher Trainer und Freund, mit dem ich über alles reden kann», sagt Nyffeler in der Rapperswiler Arena.

27 Matchs haben die St. Galler bestritten in Meisterschaft und Cup – in Letzterem bezwangen sie Lugano (3:0) und Zug (5:1) souverän. Nyffeler war ­dabei klar besser als Daniel Manzato ­respektive Tobias Stephan. 21-mal kassierten die Lakers null bis 2 Gegentore. Nyffelers Abwehrquote beträgt in der Liga 94,24 Prozent – das ist der klar beste Wert; hinter ihm liegt Bruder ­Dominic, der das Tor von Ajoie hütet.

Nyffeler geniesst das uneingeschränkte Vertrauen. Stellvertreter Beat Trudel spielte erst 86 Sekunden, ein­seitiger ist die Verteilung zwischen Nummer 1 und 2 in keiner Profiorganisation. Das soll Nyffeler helfen bei seinem Ziel: «Mit 25 sollte man die Nummer 1 sein bei einem A-Club. Diese zwei Jahre gebe ich mir, um mich persönlich und als Goalie weiterzuentwickeln.»

Da spricht ein Routinier. Denn dass Nyffeler nächste Woche erst 23 Jahre alt wird, geht oft vergessen, er scheint schon eine Ewigkeit dabei zu sein. Als ­Junior der Nachwuchsabteilung von Illnau-Effretikon debütierte er mit 17 in der Nationalliga B bei den GCK Lions. Lange ging es aufwärts – ein Jahr später spielte er bereits für den ZSC. In seinem Jahrgang war er immer top, und schon bald galt er als eines der grössten Talente hierzulande.

Der Schock in Freiburg

Mit der Unterschrift 2014 bei Servette begann dann eine schwierige Phase. Nyffeler wurde weitergereicht nach Freiburg und erhielt dort keine echte Chance. Trotz einer guten Vorbereitung samt starker Statistiken. «Da bin ich mit dem Kopf in die Wand gefahren», erinnert er sich. Plötzlich lernte er die andere Seite kennen, merkte, dass es auch Tiefen gibt.

Es sollte kein Einzelfall bleiben. Nach einer durchaus positiven Saison in Rapperswil konnten sich die Parteien nicht auf eine Verlängerung einigen. Nyffeler stand im Sommer 2016 plötzlich ohne Arbeitgeber da, alle anderen Clubs hatten die Goalie-Position mittlerweile besetzt. Keine einfache Situation für einen 21-Jährigen, der eigentlich Wettkampfpraxis brauchen würde. Erschwerend kam hinzu, dass seine Mutter in dieser Phase gesundheitliche Probleme hatte. «Der Zusammenhalt in der Familie war in jener Zeit extrem wichtig. Einen solchen Sommer wünsche ich niemandem», sagt er nachdenklich.

Er hielt sich bei Thurgau fit, lehnte Angebote aus Österreich ab. Immer im Vertrauen, dass es gut kommen würde. Und so war es dann auch. Bei Kloten und Davos durfte er aushelfen, «dafür bin ich diesen Clubs enorm dankbar.» In jenem Jahr hat er auch gemerkt, wie stark er es vermisst, in Rapperswil zu sein. Seit Januar steht er wieder im Tor der Lakers – und es passt. Seine Erklärung ist einfach: «Es ist unbezahlbar, wenn man merkt, dass einen die Leute schätzen.» Coach Jeff Tomlinson fügt an: «Melvin hat hier ein Zuhause gefunden.»

Der Personal Trainer in Miami

Er hat einiges dafür investiert. Um noch einen Schritt weiter zu kommen, reiste er im Sommer zusammen mit Goalie-Kollege Joel Aebi (Visp) nach Miami, neun Wochen schwitzten die beiden mit einem Personal Trainer. Hinzu kamen zahlreiche Einheiten auf Eis mit der NHL-Legende Oli Jokinen und Goalietrainer Tomas Vokoun. Nyffeler stellte die Ernährung um, viel Fleisch und Gemüse, kaum Kohlenhydrate. «Wir pushten uns gegenseitig, und es hat sich ausbezahlt.» Manch ein Teamkollege wunderte sich bei der Rückkehr über die körperliche Verwandlung bei Nyffeler.

Sein Vertrag mit den Lakers ist bis 2019 befristet, und er möchte diesen ­erfüllen. Fakt ist aber auch: Mindestens die Hälfte der National-League-Vereine wäre derzeit froh um einen solchen Goalie in den eigenen Reihen, und einige Sportchefs werden ihr Interesse bei seinem Agenten André Rufener deponieren. Für Nyffeler ist die Ausgangslage klar: «Ich fühle mich sehr wohl hier in Rapperswil, aber es ist ein Business. Je nach Angebot müsste man die Situation anschauen, aber wenn Rappi aufsteigt, sehe ich keinen Grund, hier wegzugehen.» Und ­danach sieht es im Moment aus. Nicht zuletzt wegen Melvin Nyffeler.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.12.2017, 23:31 Uhr

Artikel zum Thema

Bern verliert zum dritten Mal in Folge

Leader Bern verliert zum ersten Mal in dieser Saison drei Spiele in Folge. Wie gegen Biel unterliegen die Berner gegen die ZSC Lions nach Penaltyschiessen. Mehr...

Kloten gibt Führung aus der Hand

Die Partie zwischen Gottéron und Schlusslicht Kloten wird im Penaltyschiessen entschieden. Die Bieler kommen zum dritten Sieg unter Interimscoach Steinegger. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Blogs

History Reloaded Victorias schwere Jugend

Never Mind the Markets Die Nationalbank – eine heilige Kuh?

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Das erste Weisshandgibbon Baby des Skopje Zoos steht in seinem Gehäge neben seiner Mutter. (20. Mai 2019)
(Bild: Robert Atanasovski) Mehr...