Mit viel Tempo zum ersten Break

Der EVZ legt mit einem 4:1-Sieg in Bern im Playoff-Final vor. Wegen eines Aussetzers und einer Szene, die an Neymar erinnert, ist schon viel Zündstoff in der Serie.

Das vorentscheidende Tor zum 3:1 für die Zuger, erzielt von Garrett Roe. (Video: SRF)

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Das Playoff schreibt seltsame Geschichten. Aus Verlierern werden Helden, aus vermeintlich sicheren Werten unerwartete Risikofaktoren. In letzterer Rolle fand sich gestern aus dem Nichts heraus Adam Almquist wieder.

1:3 stand es, 12 Minuten waren noch zu spielen, und der SCB war voller gutem Willen, eine weitere Aufholjagd zu lancieren, wie schon so oft in diesem Playoff. Doch da erwischte Adam Almquist Zugs durchbrechenden Reto Suri mit einem Check am Kopf. Fünf Minuten plus Spieldauer lautete das logische Verdikt, das den Berner Bemühungen abrupt ein Ende setzte. Und Almquist riskiert wohl mehrere Spielsperren. Ausgerechnet der Schwede, er ist alles andere als ein unfairer Spieler, in seinen bisherigen 56 Einsätzen hatte er nur 24 Strafminuten totalisiert.

Zuger kamen verspätet an

Der EVZ, bei dem Suri nicht zurückkehrte, verpasste danach ein Erhöhen des Skores, bis Dennis Everberg mit einem «empty netter» das 4:1 erzielte.

Das Goal zum 4:1 ins leere Tor. (Video: SRF)

Aufgrund der Abschnitte zwei und drei war der Erfolg absolut verdient, das Schussverhältnis von 22:9 reflektiert die Spielanteile authentisch. Die Wende hatte Zug im Mitteldrittel geschafft, Brian Flynn ­hatte einen Schuss von Santeri Alatalo unhaltbar zum Ausgleich abgelenkt, Yannick-Lennart Albrecht vollendete später einen magistralen Doppelpass mit Yannick Zehnder. Die Zuger waren im Final angekommen, doch noch musste man sagen – Alatalo war das Sinnbild. Im ersten Drittel hatte der Mann, der in der gesamten Saison am meisten Eiszeit bei den Zugern hat, eine Serie ungewohnter Fehler begangen. Einer führte zur Strafe, die Berns Slowene Jan Mursak schliesslich sehenswert per Backhand zum Führungstreffer ausnützte.

Endorphin oder Energie, es ist die Frage, die sich immer stellt, wenn sich zwei Teams mit unterschiedlicher Belastung in den Runden zuvor gegenüberstehen. Und dem ersten Drittel nach zu urteilen, hatte dem EVZ der einwöchige Unterbruch seit dem Ende der Serie gegen Lausanne nicht gut getan. Kaum einen gefährlichen Schuss brachte er aufs Gehäuse seines zukünftigen Goalies Leonardo Genoni, der SCB schien die Muskeln 45 Stunden nach der Schlusssirene gegen Biel noch nicht negativ zu spüren. Auch die Absenz von Thomas Rüfenacht – der Nationalspieler musste aus persönlichen Gründen in die USA reisen – wirkte sich nicht negativ aus. Kari Jalonen hatte gegenüber Dienstag drei Linien verändert.

Eine der Stärken der Zentralschweizer ist aber, dass sie ihr Spielsystem unbeirrt durchziehen, auch wenn sie einmal temporär vom Kurs abkommen. Oder eben wie im ersten Drittel nervös sind. Sie liessen die Beine auch weiterhin laufen, zunehmend mehr, und mit dem intensiven Forechecking und dem hohen Tempo hatte der SCB immer mehr Mühe. Verständlich, 326 Minuten hatte Bern im Playoff bisher mehr auf dem Eis verbracht. Fünfeinhalb Spiele mehr als Zug, oder anders gesagt: Mehr Zeit, als Zug gegen Lugano oder Lausanne brauchte.

21 Jahre sind gestern auf den Tag vergangen, seit der EVZ in Davos den bisher einzigen Titel der Clubgeschichte holte. 21 lange Jahre, in denen Zug nie mehr in einem Final führte. Bis eben gestern. Passiert, da sind sich alle einig, ist aber noch nicht viel, dafür schon ordentlich Zündstoff im Spiel. Allerdings bisher nicht wegen des hoch klassigen Powereishockeys, das beide Teams zelebrieren können, sondern aufgrund einer Aktion von Garrett Roe. Beim Stand von 2:1 wurde er zwar von Beat Gerber am Bein touchiert, fiel aber anschliessend derart um, als ob eine Fliege den Brasilianer Neymar angeschaut hätte. Tristan Scherwey war anschliessend kaum zu halten, und es war gut, dass sich die Gemüter bald in der zweiten Pause abkühlen konnten.

Morgen wird eine Erfolgsserie zu Ende gehen: Der EVZ hat alle 5 bisherigen Heimspiele im Playoff gewonnen, die Berner auf fremdem Eis 5 von 6.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 11.04.2019, 23:31 Uhr

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