Murphy’s Law im Hallenstadion

Bei den ZSC Lions ging alles schief, was schiefgehen konnte. Der abtretende Meister humpelt aus der Saison.

Illustration Kornel Stadler.

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Vielleicht ist es ja besser, dass die ZSC Lions das Playoff verpasst haben. Nicht nur, weil der Mensch von Natur aus träge ist und sich erst bewegt, wenn der Leidensdruck zu gross wird. Sondern auch deshalb, weil man sich fragen muss: Welche Mannschaft hätten sie in einem Viertelfinal gegen den SC Bern überhaupt aufs Eis schicken können?

Natürlich, die ZSC Lions ernteten auch Skepsis, als sie am Montag eine rekordverdächtig lange Verletztenliste mit 16 Namen veröffentlichten. Angesichts der lästigen Pflichtaufgabe Platzierungsrunde seien sich einige Spieler wohl erst bewusst geworden, wie schwer verletzt sie seien, spöttelten einige. Doch zumindest die Hälfte hätte auch im Playoff nicht gespielt. Beispielweise Simon Bodenmann und Denis Hollenstein, die in den letzten Wochen des verzweifelten Kampfes um einen Playoff-Platz noch zu den Besten zählten, obschon sie zuletzt für jeden Einsatz wegen ihrer Fussprellungen schmerzstillende Spritzen benötigten.

Irgendwann nicht mehr spritzen

Irgendwann sei das nicht mehr zu verantworten, sagt Teamarzt Gery Büsser. «Du kannst nicht endlos spritzen.» Denn man müsse jeweils die Dosis erhöhen, damit es wirke. Und die Entzündungen würden durch die Belastungen weiter anschwellen. Büsser hätte sich gerne wieder seinen legendären Playoff-Bart wachsen lassen. Doch es sollte nicht sein. Über die Häufung und Schwere der Verletzungen bei den ZSC Lions in diesem Winter schüttelt er den Kopf. Und er hat in seinen über 20 Jahren bei den Zürchern schon einiges erlebt.

Das ZSC-Bulletin des Schreckens umfasste folgende Blessuren: Muskelzerrung Oberschenkel, Knieverletzung/Innenband, Fingerverletzung, Muskelansatzteilriss, Adduktoren und Innenbandzerrung Knie, Knöchelfraktur, Rücken-/Gesässprellung, Lendenwirbelsäulenverletzung (dreimal), Verdacht auf Hirnerschütterung, muskuläre Verletzung (zweimal), Fussgelenkprellung, Nackenverletzung, Hirnerschütterung, Muskelfaserriss.

Die Fingerkuppe angenäht

Bezeichnend war für Büsser die Szene letzten Samstag im Heimspiel gegen Davos, als Chris Baltisberger einen Puck an die Hand bekam, derweil er den Stock umfasste. «Andere haben einen blauen Nagel, ihm reisst es gleich die Fingerkuppe ab.» Büsser nähte sie wieder an, für seine filigrane Arbeit am Ringfinger Baltisbergers brauchte er 40 Minuten. Damit die Wunde nicht wieder aufplatzt, darf dieser seinen Puls vorderhand nicht mehr in die Höhe treiben. Frühzeitiges Saisonende. Wie sieben seiner Kollegen.

«Bei uns ging wirklich alles schief, was schiefgehen konnte», sagt Teamarzt Büsser. Man könnte es auch so sagen: Im Hallenstadion herrschte Murphy’s Law. Was aber nicht heisst, dass man sich trotz aller Widrigkeiten nicht gegen das Schicksal stemmen kann. Das beste Beispiel ist Servette, das die Verletztenrangliste in diesem Winter mit grossem Vorsprung anführte, trotzdem das Playoff schaffte und da Bern ein Duell auf Augenhöhe liefert.

Erstellt: 21.03.2019, 14:57 Uhr

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