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Nach dem Spiel ist vor dem Sparziel

Der EHC Kloten verfehlt in der ersten Saison unter Präsident Hans-Ulrich Lehmann das Playoff. Und will seinen Weg doch nicht verlassen.

Mission schwarze Zahlen: EHC-Präsident Lehmann. Foto: Ennio Leanza (Keystone)
Mission schwarze Zahlen: EHC-Präsident Lehmann. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Sechs Tage ist es her, dass Kloten das Playoff und damit sein Saisonziel verpasst hat. Bestenfalls bestreitet der EHC diesen Winter also noch acht Spiele: am Wochenende das Finale der Qualifikation gegen Ambri und Servette, ab dem 4. März die sechs Partien der Platzierungsrunde. Dann, so hoffen sie im Unterland, steht der Club nicht unter den letzten zwei und kann sich ganz auf die Planung der Saison 2017/18 konzentrieren. Auch sie soll ganz im Zeichen wirtschaftlicher Vernunft stehen. Den Beweis, dass die viel beschworene Rückkehr zu den Wurzeln mit sportlichem Erfolg kompatibel ist, hat der EHC bisher aber nur beschränkt erbracht. Ein Rück- und Ausblick in fünf Kapiteln.

1. Sinkende Leistungskurve

«Die acht Niederlagen in Serie haben uns wehgetan», sagt Sportchef Pascal Müller. Sämtliche Spiele im Dezember waren das, danach trudelte der EHC unaufhaltsam dem Tabellenende entgegen. Genau genommen fing der Niedergang indes schon früher an. Seit Oktober gewann Kloten nie mehr zwei Spiele hintereinander. Und seit der Länderspielpause im November hat nur Ambri weniger Punkte geholt, nur Fribourg mehr Tore erhalten, haben nur die SCL Tigers und Ambri weniger Tore geschossen.

«Man darf nie vergessen, wo wir herkommen», sagen sie in Kloten oft. Wenn die Erinnerung an die existenziell bedrohliche Situation im letzten Sommer berechtigt ist, dann auch der Hinweis auf den starken Saisonstart. Wie das Team danach sein Polster verspielte und vom 5. auf den 10. Platz zurückfiel, stellt ihm ein schlechtes Zeugnis aus. Der Cup-Sieg im Februar mag moralisch und fürs Umfeld wichtig sein. Rein sportlich ist sein Wert aber eher gering.

2. Loyalität zum Coach

Pekka Tirkkonen ist ein Phänomen. Er startete brillant in seine erste NLA-­Saison, sein Team überzeugte mit ­Organisation und der besten Offensive der Liga – obschon die beiden erfahrensten Schweizer Verteidiger (von Gunten, Ramholt) monatelang fehlten und der vierte Ausländer erst im Oktober kam. Doch so spektakulär wie der Auftakt war dann auch der Einbruch. Und egal, was der ruhige Finne auch tat: Nichts nützte.

So steht der 48-Jährige heute als statistisch schlechtester Kloten-Trainer seit Einführung der 3-Punkte-Regel 2006 da. Nur 1,19 Punkte pro Spiel errang sein Team im Schnitt – weniger als jene von Sean Simpson (1,35), Tomas Tamfal (1,38), Felix Hollenstein (1,51) und Anders Eldebrink (1,88). Dennoch ist der Finne völlig unangefochten. Im November wurde sein Vertrag verlängert, seine Fachkenntnis ist unbestritten, sein Ton fair. Nie kam intern oder extern ein Wort der Unzufriedenheit wegen des strengen Budgetdiktats über Tirkkonens Lippen, und all das wiegt offenbar schwerer als vier Monate Misserfolg. Als einziges Team der unteren Tabellenhälfte wechselte der EHC nicht den Trainer.

3. Kritische Kaderfragen

Ob Kloten seinen wichtigsten Center noch einmal mitten in der Saison ziehen liesse? Santalas Abgang im Dezember schwächte das Team jedenfalls empfindlich, zugleich fiel Sanguinetti aus – und das Team in ein Loch. Es war eine Erinnerung daran, was passieren kann, wenn die Sub­stanz zu sehr ausgedünnt wird. Und damit auch eine Warnung für 2017/18.

Viele Fragezeichen gibt es im Hinblick auf nächste Saison zwar nicht mehr. Acht Verteidiger und elf Stürmer sind unter Vertrag; Frick, Hartmann und Gähler verlassen den Club, ob der zweite Goalie am Ende Gerber heisst, hängt ­davon ab, ob der 42-Jährige weitermachen will. Ergänzt wird das 27er-­Kader in den nächsten Wochen mit zwei kostengünstigen Spielern, und aus dem wieder erstarkten Nachwuchs – alle Juniorenteams des EHC stehen im Playoff – stossen Bircher und Egli dazu. Die Rückkehr von SCB-Captain Plüss dagegen ist eher Wunschdenken.

So offen wie entscheidend ist darum die Besetzung der Ausländerpositionen, die alle vakant sind. Wenn der Präsident im Radio sagt, man spiele aus finanziellen Gründen womöglich ohne Ausländer, ist das realitätsfern. Der Fall Santala hat das gezeigt, und mit Shore (ZSKA Moskau, Las Vegas?) und Sanguinetti (er kann seinen Lohn in der NLA verdoppeln) drohen die Abgänge weiterer Leistungsträger. Kloten wird sich künftig für Ausländer als Einstiegstor in die NLA positionieren – mit tiefem Anfangssalär, aber ­guten Aufstiegschancen.

4. Fatale Heimschwäche

Das Gastro-Angebot wurde verbessert, das Saisonabo deckt wieder alle Spiele ab – und doch war der Zuschauerschnitt (5255) ausser im Vorjahr (4790) seit 2008/09 (4772) nie mehr so tief. Mag sein, dass das in den letzten Jahren verlorene Vertrauen einen Einfluss hat. Doch am einfachsten scheint eine Verbesserung des Produkts auf dem Eis: Mit 31 Punkten aus 24 Spielen ist Kloten klar das schwächste Heimteam der Liga.

5. Konsequenter Präsident

Hans-Ulrich Lehmann stösst viele vor den Kopf, wenn er etwa ankündigt, Kloten spiele notfalls ohne Ausländer oder nehme für seine wirtschaftlichen Ziele den Abstieg in Kauf. Letzteres sollte ein Präsident aus PR-Gründen sicher nicht ­sagen, doch es zeigt, wo die Prioritäten auch in Zukunft liegen werden.

Lehmann eckt also an, doch die finanziellen Resultate sind unübersehbar. Das Betriebsdefizit dürfte diese Saison um 6 Millionen Franken auf 1,5 Millionen sinken – ein Minus, das der Präsident ausgleichen wird. Und dank dem neuen ­Gastronomie-Angebot und mehr TV-Geld wären 2017/18 bei 1000 Zuschauern mehr pro Match selbst schwarze Zahlen kein Ding der Unmöglichkeit mehr.

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