Eishockey

Nächster gewichtiger SCB-Abgang: Arcobello zu Lugano

Mit dem Amerikaner Mark Arcobello wird der produktivste Stürmer den SC Bern verlassen, das Team wird dadurch erheblich geschwächt. Sportchef Alex Chatelain ist mehr denn je gefordert.

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Der SC Bern hat den Vertrag mit dem an den SC Langenthal ausgeliehenen Philip Wüthrich um zwei Jahre verlängert und beschlossen, ihn nach der laufenden Saison zurückzuholen.

Weil der 21-Jährige zu den talentiertesten Jungtorhütern des Landes zählt und dementsprechend begehrt war, ist das ausser für Pascal Caminada, der sich im Frühling einen neuen Arbeitgeber wird suchen müssen, eine gute Nachricht.

Nur ging diese gestern aufgrund eines bedeutend wichtigeren Transfers unter: Mark Arcobello hat beim HC Lugano einen Dreijahresvertrag unterzeichnet.

Der Abgang des Mittelstürmers aus den USA wird im SCB-Ensemble wie zuletzt jener Leonardo Genonis eine riesige Lücke aufreissen. Denn es gibt durchaus Argumente dafür, Arcobello als besten Ausländer auf Schweizer Eis zu bezeichnen: Erstens serviert er Skorerpunkte à discrétion; in exakt 200 Meisterschaftsspielen für Bern hat er 209 Zähler gesammelt.

Zweitens ist er aussergewöhnlich konstant; er hat in jeder der drei absolvierten Saisons mit Bern durchschnittlich mindestens einen Punkt pro Match erreicht.

Drittens ist er trotz geringer Körpergrösse (1,73 m) robust; obwohl er oft sehr lange auf dem Eis steht, hat er bisher beim SCB nur fünf Partien verpasst.

Viertens, und das hebt ihn von den meisten anderen Künstlern ab, ist er auch in der eigenen Zone wertvoll; pro Match kommt er im Mittel über zwei Minuten im Boxplay zum Einsatz.

Bisher viel Mittelmass

«Ich sagte Arcobello, dass wir bei jedem Angebot von anderen Clubs mitziehen würden», erzählt Alex Chatelain, der den Center unbedingt halten wollte. «Söldner kommen, und Söldner gehen – das war schon immer so und wird immer so bleiben», hält derweil Marc Lüthi unaufgeregt fest.

Der SCB-Chef fügt an: «Arcobello war für uns ein genialer Spieler, nun gilt es, ihn adäquat zu ersetzen.» Lüthi spielt den Puck damit verbal dem Sportchef zu. Dieser ist in den nächsten Monaten gefordert wie wohl noch nie. Auch wenn er, Bezug nehmend auf den Wechsel Leonardo Genonis zu Zug, festhält: «Es ist einfacher, einen Ausländer zu ersetzen als einen Schweizer Spitzengoalie.»

In der Tat ist der Markt gross, allerdings sind Akteure mit den Qualitäten Arcobellos dünn gesät. Zudem hat Chatelain bei der Verpflichtung von Ausländern bisher selten ein glückliches Händchen bewiesen: Goalie Jakub Stepanek wurde zum Meistergoalie, Mason Raymond erfüllte die Erwartungen (er durfte aber trotzdem nicht bleiben), Jan Mursak ist gut, aber nicht überragend, Adam Almquist war in der eigenen Zone stark und in der gegnerischen wirkungslos, Mikka Kousa, Zach Boychuk sowie Mika Pyörälä fielen mehr oder weniger durch, Miika Koivisto ist bis anhin keine Verstärkung.

Was macht nun Jalonen?

Letztlich macht nicht die Summe des Talents der Einzelspieler die Qualität einer Mannschaft aus. Insofern bekommt Chatelain die Chance, ein starkes Team für die Zukunft zu bilden, auch wenn er Arcobello nicht gleichwertig zu ersetzen vermag. Spielraum hat er bei zwölf auslaufenden Verträgen genug. «Wir müssen das Geld gut investieren. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch in Zukunft eine schlagkräftige Mannschaft auf dem Eis haben werden», hält Lüthi fest.

Ob Abgänge wie jene Genonis und Arcobellos Signalwirkung haben, wird sich zeigen – vielleicht schon bei der Trainerfrage. Kari Jalonen möchte bleiben, aber auch über eine Equipe verfügen, mit der er den Titel anstreben kann. Laut Chatelain ist trotz durchzogenem Saisonstart die Clubführung weiterhin an einer Zusammenarbeit interessiert. Der Entscheid dürfte bald fallen, jedenfalls sagt Lüthi: «Es wird nicht mehr Wochen dauern.»

Erstellt: 10.10.2019, 14:10 Uhr

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